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Rossinis "Petite Messe solennelle" in der Frauenkirche

Rossinis "Petite Messe solennelle" in der Frauenkirche

Irgendwie stand die Frage im Raum: Lässt sich der ernste, liturgische Auftrag der katholischen Messe (wie wir sie in Deutschland kennen) mit italienischer Opernbravour verbinden? Es geht - zumindest in Italien bzw.

Frankreich und bei dem sinnen- und melodienfreudigen Gioachino Rossini, der zum Entstehungszeitpunkt der "ärmlichen, kleinen Messe" dem Ende seines Lebens entgegenging und längst Wahlpariser war. Mit scheinbar leichter Hand flocht er üppig koloriertes Opernflair mit fugierten Strukturen und kontrapunktischer Lehre ineinander, erinnerte mit der instrumentalen Besetzung (2 Flügel und ein Harmonium) eher an eine Opernprobe und sah auch eine kleine Chorstärke vor. Und - das belegen Zeugnisse - er meinte es sehr ernst mit seinem Bekenntnis zum Glauben, freilich nicht puristisch.

Das Hauptverdienst Hans-Christoph Rademanns bei der Aufführung in der Frauenkirche bestand zunächst einmal darin, dass er dies alles so stehen ließ und gar nicht erst versuchte, aus der Messe einen krampfhaft verdeutschten Rossini zu machen. Pralle südliche Lebens- und Klangfreude, Farbenpracht und eine sorgfältig herausgearbeitete, religiöse Botschaft verbanden sich einfach optimal miteinander. Rademanns Hauptmitstreiter, der Dresdner Kammerchor, überzeugte auf der ganzen Linie, lebendig, leichtfüßig, vielschichtig.

Dazu warf das Ensemble alle seine Tugenden in die Waagschale, als da sind: intonatorische Makellosigkeit, eine perfekte Differenzierungskunst, klangliche Geschmeidigkeit. Sanft und zärtlich erklang das "Kyrie", um gleich mit opernhaftem Schwung vom "Gloria" abgelöst zu werden. Geradezu fröhlich hüpfte die "Cum sancto spiritu"-Fuge durch den Raum. Lebensbejahende Freude verkündete auch das reizvolle "Credo" in reichem Maße. Dass die Fugen samt und sonders äußerst präzise (aber nicht stocksteif) gesungen wurden, sei besonders hervorgehoben, genauso wie die innige Pianokultur, die der Chor für das abschließende "Agnus Dei" bereithielt.

Bei der Auswahl der Solisten - Ludmilla Bauerfeldt, Theresa Kronthaler, Sung Min Song, Daniel Kotlinski - bewies Rademann eine sehr glückliche Hand. Sie schwelgten mit Leidenschaft und Ausdrucksintensität in ihren ariosen Partien und ließen stimmlich keine Wünsche offen. Beispielhaft seien das heldische "Domine Deus" (welch sichere, tenorale Strahlkraft von Sung Min Song) oder die tänzerische Eleganz von Ludmilla Bauerfeldt im "O salutaris" genannt.

Semjon Skigin als Hauptpianist (wozu sich noch Michael Schütze und Enrico Langer am Harmonium als wunderbare Ergänzung bewährten) fungierte zum einen als instrumentaler und gestalterischer Ruhepol des Ganzen, wusste aber auch zu inspirieren oder mit faszinierender Durchhörbarkeit im "Intermezzo" vor dem "Sanctus" zu brillieren.

Rossini meinte zu seiner "Petite Messe solennelle", dass sie "keine Kirchenmusik für euch Deutsche" sei. Doch, möchte man widersprechen, aber nur, wenn sie so glutvoll dargeboten wird wie an diesem Abend.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2015

Mareile Hanns

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