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Rosen und Myrten: Isang Enders mit CD-Debüt

Rosen und Myrten: Isang Enders mit CD-Debüt

Isang Enders schafft Verbindungen: Der 1988 in Frankfurt am Main geborene Sohn eines deutsch-koreanischen Künstlerpaares hat auf seiner am 14. September erscheinenden ersten CD das komplette für Violoncello und Klavier geschriebene Werk des deutschen Romantikers Robert Schumann und das des koreanischen Modernisten Isang Yun eingespielt, der in seinem Schaffen Asiatisches und Europäisches originär verband und dem Enders nicht nur durch den identischen Vornamen eng verbunden ist.

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Den Klavierpart auf dieser CD gestaltet der aus Marburg stammende Andreas Hering, Jahrgang 1983.

Es ist eine sehr persönliche CD, die ganz auf die Kantabilität des Cellos setzt, die Isang Enders mit Pracht, Würde und wohl auch mit einer gehörigen Portion an Lust zum Ausdruck bringt. Elegische Momente durchziehen Schumanns ursprünglich für Horn und Klavier geschriebenes Opus 70, das der gebürtige Zwickauer auch in einer Fassung für Cello und Klavier notierte. Sanftmut im Adagio, Aufbruch im Allegro - Enders und Hering umgarnen einander in ihren Parts und stellen sich ganz in den Dienst des musikalischen Atems.

Zwiegespräch der Instrumente

Es zeugt von Mut, darauf Isang Yuns 1992 entstandenes Stück "Espace I" folgen zu lassen. Aber es passt, fügt sich - kein Widerspruch - mit bündigem Bruch in die kontemplative Melodik ein, als würde ein Gesang fortgeführt und nur die Stimmungslage der Interpreten hätte sich leicht gewandelt. Erst allmählich wölbt sich ein Raum fernöstlicher Klangmagie ins Zwiegespräch der Instrumente.

Wieder geht der Blick zurück auf Schumanns "Fünf Stücke im Volkston", in denen er - just zu seinem Wechsel von Dresden nach Düsseldorf - vermutlich noch einmal die zehn Jahre zuvor geheiratete Clara ganz heftig umgarnt. Man meint das Paar liebevoll in den Rheinauen plänkeln zu sehen. Den titelgebenden Liederkreis "Mit Myrten und Rosen" hat Isang Enders selbst für sein Instrument und Klavier bearbeitet. Jeder romantische Gestus darin ist klug durchdacht, ohne kopflastig zu wirken. Das Zusammenspiel ist nie vordergründig virtuos, sondern strahlt eine wie selbstverständliche Innigkeit aus.

Es knüpft an Yuns in den 1960ern entstandenes Stück "Nore" an, das bizarrerweise jenem südkoreanischen Präsidenten gewidmet war, der den Komponisten 1967 entführen und in Schauprozessen zu langer Haft verurteilen ließ. Schwingt diese Tragik im Vortrag mit, wenn man das weiß? Oder bestechen doch mehr die aneinandergefügten Flächen freier Tonalität, die kein durchgehender Faden bindet, die sich aber dennoch eine aus der anderen ergeben?

Sabbatical für Soloprojekte

Cello und Gesang sind für Schumann wie für Yun sehr wichtig gewesen. Enders und Hering greifen diesen Ansatz auf und spielen emotionale Sangeskunst aus. Dass der Cellist, 2008 als 20-Jähriger zum 1. Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle gekürt, überhaupt die Zeit für ein solches Projekt fand, mag an seiner momentanen Auszeit liegen. Seit dem Frühjahr ist der hochbegabte Musiker auf eigenen Wunsch beurlaubt, hat sich ein sogenanntes Sabbatical erbeten.

In dieser Zeit widmet er sich ein Jahr lang Soloprojekten wie der CD, tourt mit eigenen Programmen und bleibt dennoch "seiner" Kapelle treu. Im 2. Symphoniekonzert am bevorstehenden Wochenende (16., 17. und 18.9.) wird er den Solopart in Antonín Dvoráks Violoncellokonzert spielen, das am 18. September live von MDR Figaro übertragen und tags drauf noch einmal im Prager Rudolphinum aufgeführt wird; jeweils dirigiert von Zubin Mehta.

Dasselbe Werk führt Isang Enders nur wenige Tage zuvor mit den Stuttgarter Philharmonikern unter Gabriel Feltz im Schloss Neuschwanstein auf. Und am Ende des Monats ist er einer der Gäste bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen in Gohrisch. Wer mehr über den jungen Künstler erfahren will, dem sei die MDR-Sendung "Figaro trifft" empfohlen, in der Isang Enders am 26. September ab 18 Uhr eine Stunde lang Auskunft über sich und sein Leben geben wird.

CD "Mit Myrten und Rosen", Berlin Classics 0300430BC

www.isangenders.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.09.2012

Michael Ernst

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