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"Romeo und Julia" mit der Tanzcompany und der Neuen Lausitzer Philharmonie in Görlitz

"Romeo und Julia" mit der Tanzcompany und der Neuen Lausitzer Philharmonie in Görlitz

So tief, so weit, so nah am Publikum. Allein schon dieser Bühnenraum von Till Kuhnert birgt so viele Assoziationen zum Geschehen um William Shakespeares Tragödie von der tragischen Liebe zwischen Romeo und Julia, die so nah in der weiten Ferne zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Verona und Mantua spielt und seit ihrer ersten Aufführung um 1595 immer wieder Menschen zutiefst berührt.

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"Die ganze Company, angetrieben von der Musik, in kraftvollen Sprungschritten mit hoch gerissenen Beinen, als gelte es, unsichtbare Türen oder Begrenzungen mit aller Gewalt und mit letzter Kraft einzutreten."

Quelle: Marlies Kross

Mit der Uraufführung des Balletts von Sergej Prokofjew, 1938 in Brünn, kam eine neue, gänzlich wortlose Variante der Interpretation dazu. Auch wenn andere Tragödien und Komödien Shakespeares, jenem unbekannten "Landlümmel aus dem Drecknest Stratfort", wie ihn Alfred Kerr nannte, Komponisten und Choreografen zu vielen getanzten Varianten angeregt haben - mit Prokofjews Ballettmusik kam die bislang erfolgreichste Anregung dazu.

Natürlich denkt man an die leuchtenden Beispiele maßgeblicher Choreografien, Leonid Lawrowski 1940 in Leningrad, John Cranko 1962 in Stuttgart, Kenneth McMillan 1965 in London, Maurice Béjart 1966 in Brüssel, John Neumeier 1971 in Frankfurt, oder jüngst in Dresden Stijn Celis. Und jetzt in Görlitz. Und jetzt ganz anders. Eine weitere neoklassische Variante war bei der Tanzcompany von Dan Pelleg und Marko E. Weigert nicht zu erwarten. Und nachdem gerade in Bratislava ein Versuch ins Leere ging, die Rivalitäten der Straßengangs à la "West Side Story" mit Breakdance, Hip-Hop und anderen Street-Dance-Varianten aufzufrischen, durfte man gespannt sein.

Es gibt in Görlitz keine Geschichte von Romeo und Julia, von den Montagues und den Capulets, es gibt kein Maskenspiel, keinen Pater Lorenzo, keine Amme, kein Gift, keinen Dolch, kein tragisches Missgeschick mit tödlichen Folgen. Es gibt die Musik, es gibt den Tanz, und in der Choreografie von Pelleg und Weigert in Zusammenarbeit mit der Company gibt es kein Pardon. Immer wieder setzten die elf Tänzerinnen und Tänzer mit regelrecht sportiver Akrobatik das Publikum in Erstaunen, wenn in gefährlichen Situationen genau jene schutzlosen Situationen, in die sich Romeo und Julia um ihrer Liebe willen begeben, sichtbar gemacht werden. Dabei gibt es in dieser Inszenierung keine gänzlich klaren Festlegungen der Rollen, jeden kann es treffen, jeder der Tänzer kann in die verzweifelte Situation eines Romeo kommen, jede der Tänzerinnen kann eine Julia sein, die Emotionen gehen mit ihnen durch, Gefahren und Abgründe werden übersprungen. Hier wird auf Assoziationen gesetzt und auf die Fantasie der Zuschauer.

Im hinteren Teil des tiefen Bühnenraumes das Orchester. Zwischen den Musikern und der über den Orchestergraben bis an die Zuschauer herangeführten Tanzbühne zwei mächtige schwarze Flächen, die sich wie riesige, überdimensionale Wippen auf und ab bewegen lassen. Da gibt es eindrückliche Bilder bei der Suche nach dem Gleichgewicht, beim Kampf gegen dessen Verstörungen. Wir sehen die flüchtigen Bilder des Stillstandes und gleich darauf die Abstürze ganzer Gruppen und einzelner Tänzer, wenn sich diese beweglichen schwarzen Flächen in gefährliche, steile Schrägen verwandeln. Es geht aufwärts und ebenso schnell abwärts, allein der Stillstand, auch das mögen flüchtige Bildassoziationen vermitteln, ist tödlich.

Aber es gibt auch die Momente der Ruhe, des Innehaltens. Zu Beginn, je auf einer der großen Schrägen, durch eine Schlucht getrennt, am Ende zusammengefügt, jeweils aufgebahrt, die Kleider einer Julia und eines Romeo.

Die Menschen haben den Zwang ihrer Geschichten verlassen und legen konsequent die Kostüme von Markus Pysall mit den historischen Verweisen auf die Herkunft ihrer Geschichten ab. Viele Geschichten, immer im Blitzlicht der raschen Vergänglichkeit, haben wir dann gesehen, manchmal mehr erfühlt als begriffen, wenn einem Rätsel der Unentrinnbarkeit schon das nächste folgt. Ein Motiv aber kehrt immer wieder. Die ganze Company, angetrieben von der Musik, in kraftvollen Sprungschritten mit hoch gerissenen Beinen, als gelte es, unsichtbare Türen oder Begrenzungen mit aller Gewalt und mit letzter Kraft einzutreten.

Der musikalische Antrieb dieses Abends geht vom Orchester aus. Das ist ein großer Abend für die Neue Lausitzer Philharmonie unter der Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Andrea Sanguinetti. In der reduzierten Orchesterfassung von Tobias Leppert sind die wesentlichen Motive und Passagen enthalten. Ob in den kräftigen Kampfszenen, in der zarten Musik der Balkonszene, dramatisch oder lyrisch, der Klang des Orchesters ist von nicht nachlassender Spannung und Präsenz.

weitere Aufführungen: 1. & 16.2., 27.3., 20.4., ab 9.5. in Zittau

www.g-h-t.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2014

Boris Gruhl

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