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Rollengestalter mit nobler Stimme

Armin Ude ist im Alter von 82 Jahren gestorben Rollengestalter mit nobler Stimme

Mozart und Ude - das waren ab den späten 1960ern an der Dresdner Staatsoper zwei Namen, die einfach zusammengehörten. Der Komponist und der Sänger, der diese Partien mit Intelligenz, musikalischer Eleganz und darstellerischer Kultiviertheit auf der Bühne umzusetzen wusste.

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Armin Ude 1983 als Ferrando.

Quelle: Erwin Döring/Staatsoper

Dresden. Mozart und Ude - das waren ab den späten 1960ern an der Dresdner Staatsoper zwei Namen, die einfach zusammengehörten. Der Komponist, der den Figuren in seinen Opern so lebenspralle wie anspruchsvolle Rollen in die Kehlen geschrieben hatte - und der Sänger, der diese Partien mit Intelligenz, musikalischer Eleganz und darstellerischer Kultiviertheit auf der Bühne umzusetzen wusste. Armin Ude war für das Dresdner Opernhaus in den 30 Jahren seines festen Engagements eine sichere Bank. Auch, oder gerade weil der Tenor genau wusste, was seine Stimme vermochte, welche Rollen ihr lagen; weil er zwar offen war für vieles, auch für zeitgenössische Werke, aber nicht übernahm, was seinem lyrischen Tenor nicht angemessen schien.

Niemand wird sie wohl genau wissen, die Zahl der Auftritte Armin Udes zunächst im Großen Haus und - nach dem Wiederaufbau - in der Semperoper. An die 80 verschiedene Partien wären zu nennen, und eine besondere Herausforderung für den Sänger mag gewesen sein, bei ihm bereits bestens bekannten Opern sich immer wieder auf neue Regiehandschriften einzulassen, immer wieder neue Interpretationsansätze zu finden, ohne dabei bemüht zu wirken.

1973 schrieb ein Rezensent begeistert: "Es gibt wenig Mozart-Tenöre, die so gescheit phrasieren, so gut aussehen, so sympathisch glaubwürdig agieren". Und Dresden konnte teilhaben an diesen musikalisch beglückenden Stunden, erlebte den Kammersänger z.B. als Ferrando in "Così fan tutte" und Tamino in der "Zauberflöte", als Belmonte in der "Entführung" und Don Ottavio im "Giovanni" . Als Basilio im "Figaro" war Ude 1972 an Harry Kupfers erster Dresdner Inszenierung beteiligt und 1988 an der Mielitz-Fassung in der Semperoper, bei der sein berühmter Tenor-Kollege Peter Schreier am Pult stand. Zu den von ihm bevorzugten Komponisten gehörten Händel, Rossini, Tschaikowski und vor allem Richard Strauss; Dresdens Hausgott Richard Wagner näherte Ude sich als David in den "Meistersingern" und Walther von der Vogelweide im "Tannhäuser".

Oft stellte sich Armin Ude auch in den Dienst zeitgenössischer Kompositionen, und dabei war nebensächlich, ob es große oder kleine Partien waren. Denn der Kammersänger war als Solist vor allem auch dies: Mitglied eines leistungsstarken Ensembles am Haus. Sein Wirken ist u.a. mit Werken von Udo Zimmermann, Ekkehard Mayer, Rainer Kunad und Hans Werner Henze verbunden, mit Arnold Schönberg und Paul Dessau, mit Alban Berg und Sergej Prokofjew, und nicht selten kam dabei auch mal sein komödiantisches Talent zum Vorschein.

Gefragt - und das weit über Dresden hinaus - war Armin Ude zudem als bewährter Oratoriensänger und überzeugender Liedgestalter, und wer jemals das Glück hatte, ihn mit dem stimmlich heiklen, köstlich parodierenden Klagelied des in der Pfanne brutzelnden Schwans in Orffs "Carmina burana" erlebt zu haben, wird dies nicht vergessen.

Ins Leben gestartet war Armin Ude 1933 als Sohn einer theaterliebenden wie sangesfreudigen Familie in Weißenfels. Nach breitgefächertem Musikstudium in Leipzig folgten erste solistische Engagements in Frankfurt/Oder, Cottbus und Magdeburg, 1968 wurde er festes Mitglied der Staatsoper Dresden. Drei Jahrzehnte hielt er dem Haus die Treue und den künstlerischen Anspruch der Dresdner Oper hoch, was ihm das Publikum hoch anrechnete. Als er mit Ende der Spielzeit 1997/98 aus dem festen Vertrag ausschied, bedeutete das dennoch noch nicht den endgültigen Abschied von der Bühne, denn auch weiterhin war er in Aufführungen wie "Rosenkavalier" oder "Die verkaufte Braut" zu sehen.

Jetzt aber ist der letzte Vorhang gefallen: Armin Ude ist, wie die Sächsische Staatsoper gestern mitteilte, im Alter von 82 Jahren am 4. Dezember in Berlin gestorben.

Kerstin Leiße

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