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Rolf Kühn im Festspielhaus Hellerau Dresden

Böse Stücke, harmlose Hits Rolf Kühn im Festspielhaus Hellerau Dresden

Der Jazz-Klarinettist Rolf Kühn spielte beim Feature-Ring im Festspielhaus Hellerau. Mit dem 1929 in Köln geborenen und in Leipzig aufgewachsenen Weltstar bescherte es sich die Veranstaltung eine unvergessliche Sternstunde.

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Rolf Kühns jüngste CD Stereo.

Quelle: Cover

Dresden. Was geschieht, wenn jemandem der Marsch geblasen wird, ist klar. Was aber geschieht, wenn Rolf Kühn seinem Publikum Geschichten bläst, ist völlig offen. Sehr zahlreich sind die Neugierigen nach Hellerau gekommen, um das Debüt dieses 86-jährigen Erzmusikanten beim Feature-Ring zu erleben. Das gleichnamige Trio lädt sich regelmäßig gestandene Kolleginnen und Kollegen aus der Jazzszene und verwandten Bereichen zum gemeinsamen Musizieren ein. Mit dem 1929 in Köln geborenen und in Leipzig aufgewachsenen Weltstar bescherte es sich – vor rappelvollem Saal – eine unvergessliche Sternstunde.

Ganz offensichtlich waren viele gekommen, um eine späte Wiederbegegnung mit dem Klarinettisten zu erleben, der sich noch an sein frühestes Dresden-Konzert im Jahr 1949 erinnert! Beizeiten verschlug es den einstigen Solisten des Rundfunk-Tanzorchesters Leipzig in die USA, wo er sich mit Caterina Valente, Benny Goodman und zahllosen anderen Stars einen eigenen Namen erspielte. Seine bis heute ungestüm gebliebene Virtuosität, sein Einfallsreichtum und seine kraftvolle Vitalität scheinen dem Musiker Lebenselixier zu sein – und bescheren den Fans von Rolf Kühn schier grenzenlosen Genuss.

Der stellte sich auch im Festspielhaus ein, wo der seit sieben Jahren existierende Feature-Ring längst ein festes Zuhause hat und zunächst mal ein Stück von Rolf Kühn ohne Rolf Kühn spielte. Selbst mit dem Verzicht auf die Klarinette stellte sich ein Hauch von dem ein, was der Meister mit den glutvollen Augen und seinem immer noch dichten Haar ein bewegtes Menschenleben lang musikalisch zu sagen hatte und hat. Geschichten, die aus kleinen Melodiebögen und rhythmischen Rahmen erwachsen, das sind Geschichten, die mitreißen, in Bann ziehen; Geschichten mit Tiefgang und Witz.

Immer wieder finden sie ein ganz abruptes Finale, das wird als Stilmittel ebenso eingesetzt wie die kurzen Phrasen, fällt Kühn und dem Ring-Trio aber auch mal auf die Füße, wenn nämlich in einen kurzen Moment der Verhaltenheit mit Dresdner Dixieland-Gewohnheit hineingeklatscht wird. Auch das meistert der Meister: „Ihr seid zu früh gekommen.“ Sagt’s und hebt schon wieder zum nächsten Stück an, das er als „böses Stück“ apostrophiert. Weil es in seiner Kürze so spannungsgeladen und gleichsam voller Würze ist? Weil es die agierenden Musiker mächtig fordert, um Tonfolgen zu formen und rhythmische Waghalsigkeiten mit Nonchalance zu manifestieren?

Ob Kühn mit dem Trio eigene Nummern von seiner jüngsten CD „Stereo“ aufführt, ob er Coleman-Klassiker zelebriert oder ob er sich einfach auch mal für einen Moment dem freien Zusammenspiel hingibt – stets klingt das Ergebnis nach einem Rolf-Kühn-Stil, der davon lebt, das er melodisch blümt und rhythmisch tupft. Nicht die Fülle der Möglichkeiten ist hier gefragt, sondern die Reduktion. Die aber in höchster Vollendung. Bis zur Pause bot er „böse Stücke“ auf und versprach für danach eher „harmlose Hits“. Im Zwiegespräch Klarinette Klavier wurde das – zunächst – auch erfüllt, denn „Autumn Leaves“ geriet ziemlich innig. Doch Kühn wäre nicht kühn, also nicht Kühn, wollte er nicht sogar noch in der Zurücknahme überzeugend auftrumpfen, mitreißen, in Bann ziehen …

Dabei ist es nicht so, dass es im Ring-Trio an Ideen oder gar Energie mangeln würde. Doch die drei so vorzüglich begleitenden Jungs – Felix Otto Jacobi an satt grundierenden Bass, Simon Slowik mal groovend, mal virtuos am Klavier und Demian Kappenstein wie stets sehr einfallsreich an diversen Schlaginstrumenten –, sie stammen zwar aus der Enkelgeneration von Rolf Kühn, durften sich aber von dessen Vitalität durchaus inspirieren lassen.

CD-Tipp: Rolf Köhn Unit „Stereo“, Edel/MPS 2015

P.S.: Am 2. Oktober spielt Rolf gemeinsam mit seinem Bruder Joachim Kühn sowie mit Günter Baby Sommer und Friedhelm Schönfelder in der Leipziger Kongresshalle. Pianist Joachim Kühn tritt bereits am 23. April zu den Freiberger Jazztagen auf.

www.hellerau.org/feature-ring

Von ALDO LINDHORST

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