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Roland Kaiser: „Ein Konzert ist keine Wahlkampfveranstaltung“

Musik Roland Kaiser: „Ein Konzert ist keine Wahlkampfveranstaltung“

Im Jahr 2010 warf eine schwere Operation Roland Kaiser aus der Bahn. Dann wagte er das Comeback - und jetzt hat er wieder eine neue Platte.

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Schlagerstar Roland Kaiser (63)

Quelle: dpa

Dresden.  Schlagerstar Roland Kaiser (63) hat ein neues Album. „Auf den Kopf gestellt“ ist seine vierte Platte seit seinem Comeback 2011. Modern, aber nicht unkommerziell wolle er klingen, sagt Kaiser. Sein Publikum sei in den vergangenen Jahren jünger geworden. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München erklärt Kaiser, warum er nach seiner schweren Lungen-Operation unbedingt wieder auf die Bühne wollte – und warum seine Bühne nicht politisch ist.

Frage: Wie definieren Sie Ihren Beruf?

Roland Kaiser: Ich bin Entertainer, ich belehre nicht, ich unterhalte. Meine Aufgabe ist es, die Leute nach einem Konzert mit einem guten Gefühl nach Hause zu schicken. Das versuchen wir, auf einem möglichst hohen Niveau hinzubekommen. Und in welche Schublade die Medien oder sonst wer mich dann stecken, das ist mir egal.

Welche Schublade gefällt Ihnen denn am wenigsten?

Ich habe kein Problem mit Schubladen. Ich habe auch kein Problem damit, wenn Leute mich Schlagersänger nennen. Sänger, Künstler, Autor, Produzent – nennen Sie mich, wie Sie wollen. Ich würde mich freuen, wenn jedes meiner Lieder ein Schlager geworden wäre. Schlager heißt ja nichts anderes als Gassenhauer, den die Mehrheit der Menschen kennt. Was soll daran falsch sein?

Sie engagieren sich ja durchaus auch politisch, haben sich in Dresden öffentlich und deutlich gegen Pegida ausgesprochen – wie passt das zu Ihrem Vorhaben, nur unterhalten zu wollen?

Ich engagiere mich seit vierzehn Jahren politisch und sozial - und sage meine Meinung zu Themen, die mich bewegen. Aber ich trenne natürlich Politik und meine Auftritte auf Konzerten. Ein Konzert ist keine Wahlkampfveranstaltung. Die Leute kommen auf meine Konzerte, weil sie Unterhaltung wollen und die sollen sie bekommen. Wenn ich dann etwas zu sagen habe wie damals in Dresden, dann mache ich das auf einer Kundgebung. Das wird aber nicht Teil meiner Bühnenarbeit. Ich finde, dass man für politische Statements und vielleicht auch Lösungsvorschläge mehr braucht als nur Parolen oder drei Minuten in einem Lied.

Sie haben auf Ihrem neuen Album ein Lied mit dem Titel „25 Stunden“...

Ja, da geht es darum, wie ich gelernt habe, auch mal Nein zu sagen. Das ist eine große Kunst und das muss man erstmal lernen. Man ist oft zu schnell dabei, Ok zu sagen. Man muss lernen, Nein zu sagen, ohne den anderen zu verletzten. Das kann ich inzwischen und das ist ein gutes Gefühl.

Gibt es Situationen in Ihrem Leben, bei denen Sie sich rückblickend wünschen, Sie hätten Nein gesagt?

Da gab es viele. Ich habe manche Veranstaltungen gemacht, die ich besser nicht gemacht hätte. Dann habe ich vielleicht mal falsch gewohnt, war im falschen Hotel oder habe Leuten vertraut, denen ich vielleicht besser nicht vertraut hätte.

Gibt es Lieder, zu denen Sie im Nachhinein lieber Nein gesagt hätten?

Nein. Jeder Song hatte seine Berechtigung zu seiner Zeit. Es gibt eine einzige Ausnahme, ein Lied, das eine Art Fremdkörper ist in meiner Karriere und das ist „Sieben Fässer Wein“. Das war eigentlich für Rex Gildo gedacht. Es ist das einzige Stimmungslied in meinem Leben und das passt da einfach nicht rein. Darum singe ich es auf der Bühne nie.

„Joana“ ist ja auch zu einem ziemlichen Stimmungslied geworden.

Das war aber nicht meine Schuld!

Wie geht es Ihnen, wenn Sie hören, was da beispielsweise auf der Wiesn passiert? „Joana, Du Luder“.

Ach, ganz ehrlich: Wenn man so ein Lied hat, so einen Evergreen, dann ist das schon unglaublich, wie man das zelebrieren kann, wenn sich das so verselbstständigt. Das ist nicht schlimm, ich habe damit kein Problem.

 Sie waren vor drei Jahren im „Tatort“ zu sehen. Ist das was, was Sie sich noch einmal vorstellen könnten?

Nein, einmal reicht. Das war so eine besondere Situation. Ich wohne ja in Münster und wollte immer mal mitspielen - einfach mal im Hintergrund mein Fahrrad abstellen oder so. Das habe ich den Autoren erzählt und die haben mich dann nach einem Jahr angerufen und gesagt: Geht klar, ist aber ein bisschen größer geworden. Das war großartig, da so einen Typen zu spielen, der völlig durchgeknallt und so ein richtig mieser Kerl ist. Die Leute haben das gemocht – aber das muss es jetzt gewesen sein. Ich bin kein Schauspieler.

Wie sieht es mit anderen Fernsehformaten aus? Nicht, dass man Sie jetzt in den Dschungel schicken sollte.

Da können Sie mich auch gar nicht hinschicken. Das würde ich nie machen. Ich würde den Dschungel nicht betreten und auch keinen Container.

Sie waren vor einigen Jahren gezwungen, nicht nur kürzerzutreten, sondern sich komplett rauszunehmen aus dem Geschäft. Warum wollten Sie dann wieder auf die Bühne?

Weil es mein Leben ist, es macht mir Spaß und es hat mich einfach wieder dahingezogen.

Von Britta Schultejans, dpa

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