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Richard Vardigans würzt Wagners "Ring der Nibelungen" im Dresdner Coselpalais mit britischem Humor

Richard Vardigans würzt Wagners "Ring der Nibelungen" im Dresdner Coselpalais mit britischem Humor

Ausgerechnet die Wagner-Stadt Dresden hat im Wagner-Jahr 2013 keinen "Ring" aufzuweisen? Doch, hat sie! "Richards Ring", durch und durch Ausnahmekunstwerk, faszinierte jetzt im Coselpalais zahlreiche Wagnerianer.

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Richard Vardigans.

Quelle: PR

Obwohl, nein weil dieser "Ring" von Richard Vardigans stammt. Und der hat sich bei Richard Wagner kräftig bedient.

Dieser "Ring" ist ein Märchen: Es war einmal. Es war einmal ein Ton. Vor langer Zeit und ganz allein. Er war ein Es. Und Vardigans drückt eine schwarze Taste im Bassbereich. Es erklingt. Dieser "Ring" ist anspielungsreich: Aus diesem Es wogen die Fluten des Rheins, glänzt das Rheingold herauf, schwimmen und singen die Rheintöchter heran. Positive Klänge widerspiegeln die guten Seiten des aus dem Gold geschmiedeten Rings, düstere Töne umschreiben die Schattenseiten der Macht.

Dieser "Ring" beinhaltet Wagners gesamte Tetralogie, komprimiert auf ganze drei Stunden. Richard Vardigans zaubert aus dem "Ring des Nibelungen", der zum 200. Geburtstag des Komponisten eigentlich in keiner ernst zu nehmenden Musikmetropole fehlen darf, eine packende One-Man-Show mit original britischem Humor. Der Mann ist ein Musikwissenschaftler aus England, er hat sich als Dirigent und als Pianist einen Namen gemacht, seine Unverwechselbarkeit schuf er sich mit Operneinführungen unter dem Titel "Talking about Opera" sowie "Oma", was soviel bedeutet wie "Oper man anders".

"Richards Ring" ist Oper ganz anders. Kein Orchesterapparat von hundert Leuten, keine Bühne, die teuer mit Kostüm und Klamotte ausgestattet sein will, schon gar keine fettleibigen Menschen, die auf jung und verliebt machen wollen. Stattdessen ein Augenpaar, das so blitzgescheit wie witzig in die Runde blickt, eine sich von störendem Haupthaar allmählich befreiende Stirn, hinter der sich ein enormes Gedächtnis verbirgt, das gerne gepaart mit Witz und Improvisationskunst in Erscheinung tritt, sowie zwei spielfreudige Hände, die so ziemlich alle Wagner-Themen beherrschen, um sie auszugsweise auf dem Klavier zum Besten zu geben.

Richard Vardigans ist ein Unterhaltungskünstler, der seine Breitbandbegabung wohlfeil unter die Leute zu bringen versteht. Er hat Opern von Mozart bis Puccini und Verdi in seinem Repertoire - und eben auch seinen "Ring", "Richards Ring". Brillant erklärt er die Zusammenhänge aus Richard Wagners Biografie und Wälsungenblut, zieht behutsam Vergleiche in Dresdnerische und europäische Gegenwart, wagt sogar Parallelen zu Berlusconi und in Privatwelt - gerät aber nie in die Plattitüden, wie sie an deutschen Biertischen und im Koalitionsgezänk vorherrschen.

Wenn Richard Vardigans loslegt, dann immer mit Anstand, mit Charme und mit musikalischem Tiefenverständnis. Er unternimmt vom Klavierhocker aus ein Auf und Ab, spielt im Sitzen, spricht im Stehen, schnipst hin und her, wie es kein gut bestallter Staatsschauspieler je auf sich nehmen würde. Da dürften mehr Auftritte als im Original-"Ring" zusammenkommen. Blitzgescheite Kommentare wechseln sich ab mit nahezu konzertreifen Auszügen aus "Richards Ring" - und momentweise wissen wir gar nicht, ob wir es nun mit Richard W. oder mit Richard V. zu tun haben. Die Musik ist schließlich dieselbe.

Doch dank Vardigans' Erklärungen finden wir uns im Heute wieder, finden Verständnis geweckt für die Hintergründigkeit Wagnerschen Schaffens. Die Leitmotivik wird plausibel gemacht, eine gründliche Themenanalyse erklärt das Verhalten von Wotan, Loge, Siegfried und Co. Der einsame Held mit der Fliege begründet musikalische Wegmarken im "Ring", analysiert Texte und Stabreime, unterstreicht Wagners Vorlieben für den Buchstaben W ("Weiche, Wotan, weiche!") und führt musikalische Motive auf ihren Bedeutungswert zurück: Ein Thema, aufwärts gespielt, kündet von der Macht des Rings, in umgekehrter Tonfolge drückt es den ihm innewohnenden Fluch aus. Ergo: "So einfach geht Komponieren."

Fern von jeder Einführungsdidaktik erklärt "Richards Ring" ein Gesamtkunstwerk, das man nach diesem vergnüglichen Nachmittag noch lieber - und wohl auch wissender - im Original erleben möchte.

iRichard Vardigans stellt weitere Wagner-Opern in Dresden vor: am 25. Mai "Der fliegende Holländer", am 22. Juni "Die Meistersinger von Nürnberg"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2013

Michael Ernst

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