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Ricardo Donoso kommt zu „Denovali Residency“ in die Scheune Dresden

Bekenner unter sich Ricardo Donoso kommt zu „Denovali Residency“ in die Scheune Dresden

Das Dresdner Publikum spricht jetzt mit. Wenn beim Bochumer Label Denovali die Editionen mit den fortlaufenden Nummern 248 bis 255 erscheinen, dann stammen sie nunmehr auch von Künstlern, die innerhalb der Residency-Reihe in Dresden aufgetreten sind.

Dresden. Das Dresdner Publikum spricht jetzt mit. Wenn beim Bochumer Label Denovali die Editionen mit den fortlaufenden Nummern 248 bis 255 erscheinen, dann stammen sie nunmehr auch von Künstlern, die innerhalb der Residency-Reihe in der Scheune aufgetreten sind oder an anderem Ort in der Stadt wie dem Jazzclub Tonne oder der Martin-Luther-Kirche zu erleben waren. Daran lassen sich Entwicklungen festmachen. Die Reihe selbst erlebt am kommenden Sonntag ihre elfte Folge.

Ricardo Donoso wird kommen, den es bislang als eine Art Leuchtturm zu erwähnen galt, wenn Denovalis stilistische Ausrichtung thematisiert wurde. Als in Brasilien geborener und in Boston lebender Perkussionist, Multiinstrumentalist und Komponist ist Donoso typisch für eine ganze Gattung streng experimentell arbeitender Künstler. Einer, der Fundamente baut und wieder aufbricht, der von Metal und Hardcore kommt, sich in Parallelprojekten wie der Band Ehnare noch immer damit auflädt und in der elektronischen Musik die Flächen mit deutlicher Jean-Michel-Jarre-Affinität in Richtung Klangwulst und Techno verlassen hatte, um sich ihr über die Beschäftigung mit abstrakten Themen und Texturen wieder zu nähern.

Fünf Alben aus fünf Jahren liegen aktuell von Ricardo Donoso vor und bereiten den Boden für sein Dresden-Konzert: Die etwas älteren „Progress Chance“ (2011), „Assimilating The Shadow“ (2012) und „As Iron Sharpens Iron, One Verse Sharpens Another“ (2013) erschienen vergangenen Januar als „Symmetry“ in einer Sammler-Box. Damit komplettierten sie das Doppel aus „Machine To Machine“ und „Sarava Eku“ (beide 2015), die auch an dieser Stelle schon lobende Erwähnung fanden und als „Bekennerplatten“ durchgegangen sind immer dann, wenn Label-Kollegen von Ricardo Donoso zu Konzerten kamen. Bekennen im Sinne vom Wunsch, auch ihn live in Dresden begrüßen zu können. Jetzt reist er zusammen mit dem US-Amerikaner Brian Pyle alias Ensemble Economique an, der auch schon auf vier Denovali-Alben zurückblicken kann, „Melt Into Nothing“ heißt das aktuelle (2015). Klavier, Drum-und Geräusch-Samples, Gitarren, Sythesizer – Peter Brodericks Stimme. Echtes „Melting“, wahres Schmelzen bis zum Nichts, das alles sein kann.

Bei Donoso wie Pyle lohnt sich genaueres Hinsehen auch auf visuelle Kombinationen. Umfangreiches Material ist im Netz verfügbar. Wie von Matthew Collings, der die Verbindung von Sicht- und Hör-Elementen auf eine eigene Spitze treibt. Bei seinem Scheune-Konzert im Februar war die aktuelle CD noch nicht fertig, jetzt ist „A Requiem For Edward Snowden“ auf dem Markt. Es ist eine komplexe multispektrale Performance in größerer Besetzung, die bereits öffentliche Aufführungen in Schottland und den Niederlanden erlebt hat und auf „Speichermedium“ glücklicherweise mit Zugang zum Download der alternierenden filmischen Sequenzen von Jules Rawlinson angeboten wird. Kein Wunder, es ist ein Live-Mitschnitt. Die achtteilige Komposition im Spannungsfeld zwischen Free-Jazz, zeitgenössischer Avantgarde und Voice-Over-Metal mit Klarinette, Streichern, Stimmen, E-Gitarre und Electronics bekennt sich offen zur Metaebene, natürlich mit Edward Snowdens Beitrag zur globalen Transparenz als Kern und Knackpunkt.

Ebenfalls neu auf Denovali ist die neue CD der französisch-britischen Piano Interrupted (Franz Kirmann & Tom Hodge), die zur „Residency“-Edition Nr. 5 in Dresden gastierten. „Landscapes Of The Unfinished“ beginnt dabei wie eine Hommage an Terry Rileys legendäres Werk „In Mali“. Die originalen afrikanischen Elemente mit Musikern aus dem Senegal, Ergebnis einer Reise, werden aber schnell dekonstruiert und verdampfen in einer grandiosen Melange aus Flügel, Akustikbass (Tim Fairhall) und Klarinette.

Werden eigentlich nächste Wünsche für das „Residency“-Sammelbecken angenommen? Wenn ja, dann wäre bald der Bochumer Multimediakünstler Thomas Köner an der Reihe. Seine langjährige Beschäftigung mit Grenzwertigkeiten audiovisueller Künste fand in der neuen CD „Tiento de la luz“ einen vorläufigen Höhepunkt. Es geht um Tonfarben, das Gefühl für einen unbestimmten Ort, klanglosen Klang. Entstanden ist die CD zusammen mit Srdjan Stanic (Viola da Gamba) und Ivana Neimarevic (Piano) – eine Herausforderung, allein aufgrund tief „dronenden“ Mäanderns.

+ + Denovali Residency XI mit Ricardo Donoso und Ensemble Economique, Sonntag, 20 Uhr, Scheune

Von Andreas Körner

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