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"Restlos zufrieden" - Interview mit Norbert Leisegang von Keimzeit

"Restlos zufrieden" - Interview mit Norbert Leisegang von Keimzeit

"Steck dir die halbe Tüte Erdnusschips in deinen zuckersüßen Mund": Diese Textzeile und der dazugehörigen Songtitel "Kling Klang" sind Fluch und Segen zugleich für die Band Keimzeit.

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Seit 25 Jahren spielt Keimzeit zusammen. Sänger Norbert Leisegang (3.v.l) steht seit jeher als Frontmann in der ersten Reihe.

Quelle: Bernd Brundert

Von vielen zu Unrecht reduziert auf diesen Gassenhauer, kann die Brandenburger Band mit inzwischen elf Studioalben und 25 Jahren Bandgeschichte eine große Bandbreite von melancholisch-nachdenklichen bis fröhlich-optimistischen Songs vorweisen. Keimzeit gastieren mit ihrem aktuellen Album am Freitag im Alten Schlachthof. Julia Vollmer sprach vorab mit dem Sänger Norbert Leisegang.

Auf ihrer Tour stellen Sie ihr Album "Auf einem Esel durchs All" vor. Wie ist das Album entstanden und wie würden Sie den Stil beschreiben?

Norbert Leisegang: Jeder hat seinen eigenen Zugang zu Musik, deshalb fällt es mir immer schwer, unsere Musik zu beschreiben. Zur Vorbereitung auf das Album, inzwischen unser elftes Studioalbum, haben wir uns mit der komplettem Keimzeit-Besetzung in einem alten Sportzentrum in Zinnowitz eingemietet. Dort haben wir eine Hand voll Songs angepackt und für die Aufnahme vorbereitet. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte nahmen wir die Songs dann in Deutschland, in nur anderthalb Monaten in einem Scheunenstudio in Luckenwalde auf. Und es gab noch zwei Premieren: Mit Andreas Sperling produzierte zum ersten Mal jemand aus den eigenen Reihen ein Keimzeit-Album. Bislang hatten wir dafür immer einen externen Produzenten engagiert. In Andreas, unseren Keyboarder, hatten wir aber sowohl fachlich als auch menschlich vollstes Vertrauen. Das zweite Novum war, dass wirklich alle Bandmitglieder mit den Aufnahmen restlos zufrieden waren. Ein Zustand - alle Musiker wissen das -, der nur sehr selten eintrifft.

Welche Themen haben Sie beim Schreiben der Songs umgetrieben?

Ich bin niemand, der seine Lieder am Reißbrett nach festem Plan schreibt. Die Inspiration muss mich packen. Die Idee zum Song "Auf einem Esel ins All" entstand an einem Nachmittag, an dem ich vor dem Berliner Gesundbrunnen meine Nase in die Sonne hielt. Vor dem Zentrum herrschte buntes, inspirierendes Mutikulti-Treiben, das mich gefesselt hat. Mitten im dem Trubel lauschte ich einer witzigen Unterhaltung einer Oma und ihres Enkels, die mich fasziniert hat.

Ihre Band spielt am Donnerstag beim Courage-Festival in Leipzig. Warum beteiligen Sie sich an dieser Aktion?

Es ist wichtig, ein Zeichen gegen die "aggro-rechte" Fraktion zu setzen. Diese Haltung können wir als Band, aber auch als Gesellschaft nicht akzeptieren. Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, der sich seit Jahre für ein buntes und tolerantes Leipzig aufopfert, hat uns gefragt, ob wir mitmachen wollen. Mit der gleichen Motivation wie bei unserem Auftritt bei "Dresden - Place to be" im Januar wollen wir auch hier für mit friedliches Miteinander eintreten. Meiner Meinung nach fühlen sich viele der Menschen, die bei Pegida und Legida mitlaufen, vom europäischen Zug abgekoppelt, von Politik und Gesellschaft missverstanden. Kommunikation ist hier das Mittel der Wahl. Es gibt Verlierer in der Gesellschaft, das ist Fakt. Aber rechtsradikales Gedankengut zu verbreiten, kann dafür nicht die Lösung sein.

Einige Künstler haderten in den letzten Monaten wegen Pegida mit einem Auftritt in Dresden, wie geht es Ihnen?

Einen Auftritt deshalb abzusagen, steht für uns nicht zur Debatte und wäre ein falsches Signal. Wir wollen unbedingt in Dresden spielen. Ich bin gerne und oft in der Stadt und verbringe meine Zeit am Elbufer und in Pillnitz.

Was steht für 2015 noch auf der Keimzeit-Agenda?

Erst einmal steht natürlich die Tour zum Album "Auf einem Esel durchs All" an. Auf der Bundesgartenschau spielen wir zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg ein Open-Air-Konzert. Sehr freue ich mich auf einen Gig auf einer alten Kogge auf der Ostsee.

Keimzeit spielen am Freitag, 20 Uhr im Alten Schlachthof Dresden, Tickets für 30 Euro an der Abendkasse

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.04.2015

Julia Vollmer

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