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Renaissance für einen frühbarocken Meister: Dresden feiert Heinrich Schütz

Renaissance für einen frühbarocken Meister: Dresden feiert Heinrich Schütz

Auf den Gemälden seiner frühbarocken Zeitgenossen wirkt der Komponist Heinrich Schütz (1585-1672) wie einer der Musketiere von Alexandre Dumas. Spitz- und Oberlippenbart verleihen dem Maestro etwas Aristokratisches.

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Die letzte Seite des Stimmbuches „Der Schwanengesang“ von Heinrich Schütz (1585-1672).

Quelle: dpa

Schütz blickt so, als wäre er sich seiner eigenen Bedeutung bewusst. Die wurde ihm von der Fachwelt noch nie abgesprochen. „Er schuf wie kein zweiter enge Verbindungen zwischen Wort und Musik. Die Musik wird bei Schütz zur Dienerin des Wortes“, sagt die Dresdner Musikwissenschaftlerin Dr. Katrin Bemmann. Obwohl fast nur geistliche Vokalwerke überliefert seien, stehe Schütz für eine enorme Bandbreite - vom intim besetzten „Kleinen Geistlichen Konzert“ bis hin zu den opulenten mehrchörigen „Psalmen Davids“.

Tatsächlich gilt Schütz in der Musikwelt als bedeutendster deutscher Maestro des Frühbarock und erster deutscher Tonschöpfer mit europäischer Ausstrahlung. „Er übertrug die damals hochmodernen Strömungen der italienischen Kompositionskunst mustergültig in die deutsche Musik“, erklärt Bemmann und nennt als Beispiele unter anderem die Mehrchörigkeit, den Sologesang und die Expressivität im Ausdruck. Dabei will Bemmann gar nicht mit musikwissenschaftlichen Fakten überzeugen, sondern vielmehr mit der heutigen Wirkung seiner Musik: „Intensiv, berührend und zu Herzen gehend. Diese Musik kann aufgrund ihrer Klangpracht eine große Wirkung entfalten.“ Nur eines sei nicht möglich: „Man kann Schütz nicht so nebenbei hören.“

Schütz kam 1585 in Bad Köstritz zur Welt. 1590 übersiedelt die Familie nach Weißenfels. Die beiden Orten in Thüringen und Sachsen-Anhalt sind heute Pilgerstätten für Schütz-Fans aus aller Welt. In diesen Tagen richtet sich vor allem de Blick auf Weißenfels, wo die einzige noch im Original erhaltene Wohnstätte des Komponisten steht. An diesem Freitag wird sie nach Sanierung wiedereröffnet. Leiterin Henrike Rucker rechnet mit wachsendem Andrang. Dass man bei der Sanierung ein Textfragment samt Notenstreifen unter der Dielung fand, gilt als kleine Sensation. Da der Nachlass des Maestro verschollen ist, gibt es de facto keine persönlichen Gegenstände mehr. Auch Läusekämme und eine Nadel wurden nun im Haus entdeckt.

Genau wie Weißenfels hat auch Bad Köstritz junge Besucher im Blick. Mit dem Nachwuchs werden schon mal Instrumente gebastelt. Und Schüler avancieren zum Museumsführer für Gleichaltrige. Direktorin Friederike Böcher weiß, dass Schütz für viele kein „Hitpotenzial“ hat und schätzt seine Chancen bei der heutigen Hörerschaft realistisch ein. „Schütz wird kein Bach und kein Händel.“ Deshalb müsse man die Musikfans quasi an die Hand nehmen und für Schütz sensibilisieren. Böcher weiß um die Herausforderungen historischer Aufführungspraxis und behält auch den Umstand im Blick, dass ein Ohrwurm fast immer ankommt: „Ein schlecht gemachter Bach klingt immer noch wie Bach. Ein schlecht gemachter Schütz ist nicht zu ertragen“.

Spätestens von diesem Freitag an gibt der Komponist des berühmten „Schwanengesangs“ im Dreieck von Bad Köstritz, Dresden und Weißenfels wieder den Ton an. Der Verein Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen richtet das Heinrich-Schütz-Musikfest aus. Es beginnt in Dresden und damit an einer Wirkungsstätte, an der Schütz ab 1617 als Kapellmeister Ruhm erlangte. Unter seiner Führung erlebte die heutige Staatskapelle Dresden ihre erste Blütezeit. Katrin Bemmann ist sich sicher, dass Schütz einer der wichtigsten Vorgänger des jetzigen Chefdirigenten Christian Thielemann war. „Ohne Schütz wäre die Kapelle heute vermutlich nicht das, was sie ist.“

Jörg Schurig, dpa

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