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Reminiszenz an Helmut Heinze zu dessen 80. Geburtstag im Albertinum

Reminiszenz an Helmut Heinze zu dessen 80. Geburtstag im Albertinum

Nun hat sich auch die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den Chor der Gratulanten eingereiht, die Helmut Heinzes (geb.

1932 in Mulda/Sachsen) Schaffen anlässlich dessen 80. Geburtstags (DNN berichteten) würdigen. Begonnen hatten die Kunstausstellung Kühl und der Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. in Pulsnitz. Letzterer zeigt Entwürfe des Künstlers für den "Chor der Überlebenden", einer dem Versöhnungsgedanken zwischen Deutschen und Briten gewidmeten Figurengruppe (zu sehen sind zudem Bühnenbildentwürfe seiner Frau Erika Simmank-Heinze, die in diesem Jahr ihren 85. Geburtstag begeht). Das schönste Geschenk für Helmut Heinze zu seinem Jubiläum dürfte die Einweihung seiner großen Bronzegruppe im englischen Coventry zum 50. Weihejubiläum der neuen Kathedrale gewesen sein, zumal der "Chor der Überlebenden" zutiefst auch mit der Biografie des Bildhauers zu tun hat - erlebte er doch als 13-Jähriger den Bombenangriff vom 13. Februar 1945 auf Dresden. Die Kathedrale in der englischen Stadt wiederum war bereits 1940 durch deutsche Bomben in Schutt und Asche gelegt worden.

Die kleine Präsentation im Albertinum, zu finden im Kabinett zwischen der Ausstellung "Geteilt | Ungeteilt" und einem der Schaudepots der Skulpturensammlung, lässt das Typische an seinem Werk, das sich zum klassischen Thema der Bildhauerei - der menschlichen Figur - und einem der klassischen Materialien - der Bronze - bekennt, hervortreten. Der Schüler von Hans Steger und Walter Arnold, der von 1950 bis 1957 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte, steht gewissermaßen in einer künstlerischen "Kette", bei der etwa Namen wie Wimmer und Gerstel, Blumenthal oder Seitz genannt werden müssen. Die Ausstellung zeigt wichtige Werke Heinzes, die seit den 1970er Jahren in die Skulpturensammlung gelangten. Sich etwaigen Forderungen nach vordergründiger Politisierung und Heroisierung, die gerade in den 1950er/1960er Jahren häufig genug erhoben wurden, entziehend und das klassische Menschenbild ins Zentrum stellend, hatte er seine Position entwickelt, indem er Familie und Freunde zum Anlass seines Schaffens machte, dafür das eher kleine bis mittlere Format wählend. Häufig waren die heranwachsenden Söhne sein Modell. Dies dokumentieren etwa der "Knabenakt, stehend" (1976/77), den Heinze der Skulpturensammlung anlässlich der Wiedereröffnung des Albertinums 2010 überließ, und der "Knabenakt, schreitend" (1977). Deren betont schlanke und schmale Figur ist nicht nur dem jugendlichen Körper geschuldet. Heinze ging es auch - das erinnert an Giacometti - um die Zerbrechlichkeit des Menschen.

Besonders bekannt ist seine Statuette des Malers Bernhard Kretzschmar (1972/73), der ihm wie anderen jungen Dresdner Künstlern - ganz besonders Siegfried Klotz - Ratgeber in Sachen Kunst war. Heinze, der auch heute noch im Gespräch ein sehr lebendiges Bild Kretzschmars zeichnen kann, hat diesen sehr schön in seiner - manchmal vielleicht auch skurrilen - Eigenart in der gut bekannten, relativ kleinen Skulptur bis zum Kopf mit der übergroßen flachen Kopfbedeckung erfasst, während er bei einem Porträt Kretzschmars auch die ganze Körperhaltung mit im Blick hatte (Dieses Arbeitsprinzip gilt ebenso für die anderen Porträts). So wie ihn dieser Dresdner Maler mit seinen Kunstauffassungen und seinem Wissen etwa über die Neue Sachlichkeit und ihre Protagonisten in Dresden in den 1920er/30er Jahren bereicherte, taten dies in anderer Weise Generations-"Kollegen" wie der bis heute befreundete Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge, der in einer Porträtplastik von 1976 präsent ist. Ein weiteres der Porträts ist seiner Frau (1992/93) gewidmet. Alle diese Arbeiten eint, dass sie beim genauen Hinschauen eine ungemeine Lebendigkeit offenbaren.

Nicht unterschlagen werden dürfen Heinzes Zeichnungen, die er aus seinem Fundus beisteuerte und die mit den 1950er Jahren einsetzen. Es handelt sich um Akte - auch unter den gezeigten Skulpturen ist ein schöner weiblicher Torso - und Porträts, die oft im Zusammenhang mit seinen bildhauerischen Arbeiten stehen. Wie meist bei Bildhauern ist man von Heinzes Zeichnungen, die von der Studie, die das Volumen einer Figur erfasst, bis zum ausgearbeiteten Porträt seines Vaters und seiner Selbst reichen, angetan. Und man geht nicht fehl, wenn man meint, dass die großen Dresdner Zeichner wie Hans-Theo Richter oder Gerhard Kettner für ihn wichtig waren. So klein wie diese Schau ist - sie berührt, zeigt Heinze als sensiblen, dem Humanismus zutiefst verpflichteten Künstler, für den das "Stehen" seiner Figuren auch etwas mit "Überstehen" und "Bestehen" zu tun hatte.

Lisa Werner-Art

bis 19. August, geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr (außer Mo)

www.skd.museum

außerdem: Ausstellung im Ernst-Rietschel-Haus in Pulsnitz: bis 1. Juli, geöffnet Do, Fr, So 14-17 Uhr, 3.6.

15 Uhr, Kunstgespräch mit Erika Simmank-Heinze; 13. 6., 19 Uhr, Vortrag von Helmut Heinze über seine Arbeit als Bildhauer im Kultursaal HELIOS Klinik Schloss Pulsnitz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.06.2012

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