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Religiöse Schuldgefühle beim Sex - Premiere von "Equus" im Dresdner Theaterhaus Rudi

Religiöse Schuldgefühle beim Sex - Premiere von "Equus" im Dresdner Theaterhaus Rudi

In einem kleinen englischen Ort hat der 17-jährige Alan Strang sechs Pferden die Augen ausgestochen. Aus diesem Grund findet er sich wenig später in der Psychiatrie wieder.

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Psychiater Martin Dysart (Rick Proschmann) und sein junger Patient im Kapuzenpullover Alan Strang (Simon Elstner).

Quelle: PR

Doch kann man dem Jungen wirklich helfen? Während ihn die einen schlicht für einen unbelehrbaren Straftäter halten, sehen andere seine seelischen Konflikte. Psychiater Martin Dysart möchte Alans Problemen auf den Grund gehen, zweifelt aber selbst am Sinn des Lebens.

Eine verworrene Ausgangslage voller menschlicher Abgründe kennzeichnet das Theaterstück "Equus" und macht es dadurch gerade interessant. Am Mittwoch feierte die von dem Briten Peter Schaffer im Jahr 1973 erdachte Geschichte im Theaterhaus Rudi Premiere. Und das war eine äußerst intensive Erfahrung. Vor allem, weil die Hauptdarsteller Rick Proschmann als Martin Dysart und Simon Elstner als Alan Strang von Anfang an Vollgas gaben. Dass sie eigentlich Amateurschauspieler sind, merkte man in diesen Momenten kaum. Simon Elstner glänzte mit seiner starren Mimik und dem über den Kopf gezogenen Kapuzenpullover als zerrissener junger Mann, der zwischen allen Stühlen sitzt. Das Interessante an dem Stück ist, dass es dem Psychiater Martin Dysart eigentlich genauso geht. Rick Proschmann stellt den vornehmen Arzt durchgehend souverän dar und lässt die Unsicherheit der Person gekonnt durchblicken, ohne jedoch aus der Rolle zu fallen. Geschickt wird zudem die Spannung gehalten, so dass erst peu à peu klar ans Licht kommt, dass Alan Pferde gottähnlich verehrt und sich geradezu erotisch von ihnen angezogen fühlt.

Als er schließlich mit seiner Freundin Jill (Luisa Krause) im Pferdestall schlafen möchte, fühlt er sich schuldig und kann es nicht ertragen, von den Pferden, die für ihn seine Götter sind, beobachtet zu werden. Als jemand, der aus einem sehr religiösen Elternhaus stammt, stellt ihn das Spannungsverhältnis von Begierden und Verboten vor Schwierigkeiten. "Equus" zeigt auf diese Weise anschaulich, welchen Schaden übermotivierte religiöse Vorstellungen bei unsicheren Jugendlichen anrichten können. Allerdings kommt auch das Thema Doppelmoral zur Sprache, wenn beispielsweise Alan mit Jill, die im Gegensatz zu ihm locker und unkompliziert ist, ein Pornokino besucht und dort seinen eigenen sonst immer moralisierenden Vater trifft.

Obwohl "Equus", mit dem bereits Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe die Wandlung vom Zauberlehrling zum ernsthaften Schauspieler vollzog, keine leichte Kost ist, haben die acht jungen Schauspieler des Theaterprojektes "denNoch" bei ihrem ersten größeren Stück ganze Arbeit geleistet. Die Zeit verging wie im Flug.

Stephan Hönigschmid

inächste Vorstellung Sonnabend um 19 Uhr, Johann-Sebastian-Bach-Haus, Schlossallee 4, Moritzburg

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2013

Stephan Hönigschmid

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