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Rektorenwahl an der Musikhochschule sorgt für Unruhe - DNN befragte Amtsinhaber und Nachfolgerin

Rektorenwahl an der Musikhochschule sorgt für Unruhe - DNN befragte Amtsinhaber und Nachfolgerin

Bei der Rektorenwahl der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden am Montag hat der Erweiterte Senat nicht den bisherigen Amtsinhaber Prof. Ekkehard Klemm wiedergewählt, sondern Judith Schinker, studierte Juristin und Kulturmanagerin und seit 2012 Prorektorin für Lehre und Studium, zu seiner Nachfolgerin gekürt (DNN berichteten).

Der Erweiterte Senat besteht laut § 81a des Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetzes aus den stimmberechtigten Mitgliedern des Senats, hinzu kommt mindestens die gleiche Anzahl von gewählten Vertretern der einzelnen Gruppen - im Falle der Dresdner Hochschule Fakultät 1 und Fakultät 2, Studierendenrat und Verwaltung.

Bei vielen an der Hochschule, aber auch außerhalb der Einrichtung hat die Entscheidung gegen Klemm und für Schinker Staunen, auch Unverständnis hervorgerufen. Das sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Rektoren nach deren Wahl bestellt, lässt das unkommentiert und wird wie in allen anderen Fällen nur prüfen, ob die Wahl rechtmäßig verlaufen ist. "In den Jahren seines Rektorats hat die Hochschule Enormes geleistet, so z.B. die Öffnung durch Konzerte", dankte Ministerin Eva-Maria Stange (SPD) dem scheidenden Rektor immerhin. "Aber auch der Ausbau der Musiklehrerausbildung auf sehr hohem Niveau hat der Hochschule viel abverlangt und wurde gemeistert", so Stange.

Ab 1. September wird also Judith Schinker Rektorin. DNN sprachen mit Amtsinhaber Ekkehard Klemm und seiner Nachfolgerin.

Frage: Kam der Ausgang der Wahl für Sie überraschend?

Prof. Ekkehard Klemm: Ich habe durchaus damit gerechnet, da ja eine konkurrierende Bewerbung aus dem Haus da war von Seiten Judith Schinkers, die ich vor drei Jahren zur Prorektorin gemacht hatte. Überrascht hat mich allerdings die Deutlichkeit, mit der die Entscheidung gefällt worden ist. Und dass damit die künstlerische Schwerpunktsetzung, die ich in jüngster Zeit vorgenommen habe, ohne dabei in irgendeiner Weise die anderen Dinge zu vernachlässigen, im Haus nicht positiv gesehen wird.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen den Fakultäten, zwischen Lehramts- und künstlerischen Bereichen?

Eigentlich ein gutes, auch wenn es immer mal Spannungen gibt. Bei uns ist alles sehr interdisziplinär angelegt, die künstlerischen Lehrkräfte sind vielfach auch für den Lehramtsbereich tätig. Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass alles auf einem guten Weg ist, denn ich gehe davon aus, dass ein starkes künstlerisches Profil auch die Lehramtsfächer positiv befördert. Möglicherweise gab es aber auch Konflikte, weil ich weiterhin als Dirigent tätig war. Und weil die Art und Weise, wie ich versucht habe, die künstlerischen und die administrativen Tätigkeiten in Balance zu kriegen, kritisch gesehen wurde.

Was meinen Sie denn zu den Konzepten Ihrer Nachfolgerin?

Was sie vorgestellt hat, weiß ich nicht, ich war nicht dabei, aber einiges ist mir berichtet worden. Über manches wundere ich mich schon, wie zum Beispiel ihre Ansage an die Studenten, dass, wenn sie Rektorin wird, internationale Gastdirigenten hierher kämen. Dabei gehören solche Gäste längst zum Ausbildungsprofil der Hochschule. Hinzu kommt, dass die künftige Rektorin in Projekte des Bereichs Orchesterdirigieren nicht hineinzureden hat, es gibt eine Freiheit der Lehre. Der Professor des Hochschulorchesters bin ich, und ich lege die Projekte fest, wenn auch in Absprache.

Sie haben dem sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorgeschlagen, sofort, also vorzeitig, aus dem Amt zu scheiden ...

Ja, aber ich habe von dort den Bescheid bekommen, dass das Sächsische Hochschulfreiheitsgesetz (SächsHSFG) für den Rektor nicht die Möglichkeit eines Rücktritts vorsieht. Ich wurde also ausdrücklich gebeten, das Amt bis zum Ende meiner Amtszeit auszuüben.

Wie geht es dann als Nicht-mehr-Rektor für Sie weiter?

Ich gehe mit der neuen Saison auf meine Professur zurück als Dirigent des Hochschulorchesters und als derjenige, der Dirigenten am Haus ausbildet. Und ich freu mich auf die dann neugewonnenen Freiräume.

Dresden bleiben Sie also erhalten?

Natürlich. Von Anfang an bin ich davon ausgegangen, dass ich, wenn ich nicht mehr Rektor bin, ins "zweite Glied" zurückgehe. Wir künstlerischen Professoren haben alle weitere künstlerische Tätigkeiten, und die sind besonders wichtig, um gerade den Austausch mit der Praxis zu haben.

Frage: Wie erklären Sie sich den für viele doch überraschenden Ausgang der Rektorenwahl an der Dresdner Musikhochschule?

Judith Schinker: Ich denke, dass Ihnen die Wähler auf diese Frage am besten eine Antwort geben können.

Ist der Wahlausgang ein Zeichen dafür, wie mancher vermutet, dass im Haus mehr Aufmerksamkeit für den Lehramts- und Wissenschaftsbereich eingefordert wird?

An einer vielfältig aufgestellten Musikhochschule müssen die Interessen aller Fachrichtungen ausgewogen vertreten sein. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Fakultäten - Fakultät 1 mit den Fachrichtungen Dirigieren/Korrepetition, Gesang, Klavier, Streicher und Bläser, Fakultät 2 mit den Fachrichtungen Jazz/Rock/Pop, Komposition/Musiktheorie, Instrumental- und Gesangspädagogik, Lehramt Musik sowie die Institute und Studios, Anm. d. Red. -, den Studierenden und den Mitarbeitern der Verwaltung zu fördern und die Hochschule zu einen, halte ich in der derzeitigen Situation für eine vordringliche Aufgabe.

Deuten Sie damit an, dass eine solche Zusammenarbeit bisher nicht in ausreichendem Maß vorhanden gewesen ist?

Ich sehe dort Entwicklungspotenzial.

Was wollen Sie als erstes in Bewegung bringen?

An einer Musikhochschule steht die künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Ausbildung im Vordergrund. Als Kulturmanagerin habe ich vor, Kunst zu ermöglichen und dafür geschützte Freiräume zur Verfügung zu stellen. Die bisherigen Projekte werden weitergeführt. Daneben sollen zusätzlich Räume für die Begegnung, den Austausch und die Vernetzung der verschiedenen Disziplinen sowie mit externen Kooperationspartnern entstehen.

Außerdem werden Schwerpunkte der nächsten Zeit verschiedene Entwicklungsplanungen sein, beispielsweise die Weiterentwicklung unserer Studiengänge und des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik, die Nachwuchsgewinnung, die Zielvereinbarungen sowie die Ausrichtung unserer Hochschule.

Was meinen Sie mit dem Stichwort Interdisziplinarität?

Ich denke an Projekte zwischen den verschiedenen Fachrichtungen, zum Beispiel, dass die Kompositionsstudierenden unseres Hauses verstärkt mit den Kammermusikensembles unseres Hauses zusammenarbeiten, so dass neue Ensembles und neue Formate entstehen, mit denen sich die Studierenden selbstständig machen können. Aber das ist nur eines von vielen möglichen Beispielen. Ich möchte der Phantasie unserer Studierenden und Lehrenden freien Lauf lassen.

Sie sind von Berufs wegen Juristin und Kulturmanagerin. Welche persönliche Beziehung haben Sie zur Musik?

Ich bin offen für jede Art von Musik, habe zwei Instrumente spielen gelernt und im Chor gesungen. Eine studierte Musikerin bin ich nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2015

Kerstin Leiße

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