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Reiz der Gegensätze - Kunstaustausch zwischen Dresden und Coventry in Ausstellung in der Johannstadthalle

Reiz der Gegensätze - Kunstaustausch zwischen Dresden und Coventry in Ausstellung in der Johannstadthalle

Vor drei Jahren Jahr lernten sich die Maler Jean Kirsten (Dresden) und John Yeadon (Coventry) kennen. Nach einer gemeinsamen Ausstellung in der JohannStadthalle im September 2013 begründeten sie eine Gruppe befreundeter Künstler, die nun in der Galerie 2. Stock im Rathaus unter dem Titel "Arbeiten auf Papier - Der Coventry/Dresden Arts Exchange stellt sich vor" ihre neuesten Arbeiten dem Dresdner Publikum präsentiert.

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Adie Blundell: aus "Pages from book of flay", 2014 Repro: A. Berndt

Quelle: Adie Blundel

Oberbürgermeisterin Helma Orosz hatte es sich nicht nehmen lassen, die Ausstellung der Stadt Dresden, die eine Referenz an die seit 1959 bestehende Städtepartnerschaft Coventry-Dresden ist, persönlich zu eröffnen. "Die Ausstellung bereichert unsere Städtepartnerschaft um einen weiteren Tupfer", sagte sie und verwies auch auf die enge Zusammenarbeit der vier Dresdner Nagelkreuzzentren Diakonissenanstalt, Kreuzkirche, Frauenkirche und die Kirchgemeinde Pillnitz/Hosterwitz mit der Kathedrale Coventry, sowie auf die Kontakte des Hans-Erlwein-Gymnasiums mit der Westwood Academy Coventry. Die Ausstellung lebt vom Reiz der Gegensätze. Hier mischen sich auf erfrischende Weise trockener englischer Humor und sächsische Experimentierfreudigkeit.

Karen Koschnicks Siebdrucke bilden einen guten Blickfang beim Betreten des Galerie-Raumes. Ihr halbkreisförmiges Waldstück ist ganz in Orange getaucht, während die "Zypressen bei Nacht" (2014) den dunklen Konterpart bilden. Fantasievoll verschlüsselt ist auch das Gruppenbild mit Schwangerer "Warten in Erwartung" (2012). Kerstin Franke-Gneuß drei Aquatinten/Kaltnadeln sind Referenzen an die Kraft und Schönheit der grafischen Linie: Ihre Radierungen arbeiten mit der Assoziationsfreude des Betrachters, den geheimnisvollen Andeutungen von Struktur und Licht im Netz ihres Zusammenwirkens ("Licht aufsteigen", 2012). Der Brite John Yeadon spielte als Kind oft mit Kasperpuppen. In seinen Acrylbildern erleben sie eine neue Auferstehung als grimmassierende Karikaturen und Verzerrungen menschlicher Einbildungskraft. Seine Köpfe haben kuriose Titel ("It's not what it is", 2014) und sind beherrscht von einer verschmitzten Dämonie. Aus direkter Anschauung entstanden farbigen Siebdrucke von Monika Marten. Ihre drei Ansichten von Coventry betonen die Architektur, ihre kühle Abstraktheit und Konstruktivismus, sowie Weglassungen und Andeutungen im Wechsel von Licht und Schatten. Mit den grotesken Bleistift-und Tuschzeichnungen betritt Mandy Havers das Gebiet der Allegorie und des geflügelten Wortes mit existenziellem Hintergrund, ihre Übertragungen ins Bildliche, wie bei "Lifeline" (2014), eine Figur, die ein Labyrinth mit dem sich aufgewickelten Ariadnefaden in sich trägt.

Christian Manss wartet mit Acryl/Lackbildern auf. "Mehr Schwarz als Weiß" (1-4) benennt er seine Folge von Arbeiten, die sich imaginären Landschaften widmet und deren einzelne Blätter mit jeweils einer dominierenden Farbe versehen ist. Die Bleistiftzeichnungen von Ashley Spindler berühren historische Themen ("Epona", 2014), so den Kopf eines geharnischten Pferdes, das an Old England und das Rittertum um "Ivanhoe" erinnert. Sie sind ebenso inspiriert von Begegnungen mit der asiatischen Kultur und Kunst ("A nice pot of tea", Acryl, 2014). Grotesk sein "Sonnenrad" mit um seine Achse sich drehenden Fleischerbeilen ("Whirlwind Romance", 2014). Der Dresdner Matthias Bausch ist ein Meister der Bleistiftzeichnung, die er mit Tusche kombiniert. Seine mehrschichtigen Grafiken zaubern einen Kosmos aus Dingen herbei, die zum genauen Betrachten auffordern und surreale Geschichten erzählen. Dabei verändert er schon mal das übliche Format, greift über dessen Grenzen hinaus ("Taucher im Raum", 2013/14). Noch feucht vom Bemalen kamen die farbigen Blätter von Matthew Macaulay aus Coventry an: Seine informelle Serie unter dem Titel "Blau auf Grün" (I-IV, 2014) ist ganz dem vehementen Pinselschwung verpflichtet. Das dominante Blau und Grün wird mit weniger bestimmenden Farben kombiniert und betont das sich selbst genügende Spiel mit der Farbe als Form. Die Malerin Adie Blundell erzählt mit ihren digitalen Drucken Geschichten aus den "Pages from book of flay" (zu dt.: Seiten aus dem Buch der Häutung). Ihre bildnerische Arbeit profitiert von der Lektüre englischer Dichter, darunter der Romantiker Samuel Taylor Coleridge (Die Ballade "Der alte Seemann"). Ihre surreal angelegten, oft dunklen, unheimlichen Blätter stellen seltsam entstellte Köpfe dar, denen meist ein Rabe in unterschiedlicher Pose symbolisch beigefügt ist.

Ungewöhnlich an dem Projekt ist, dass der Dresdner Maler Jean Kirsten sich als treibende Kraft für seine Kollegen engagiert hat. Neben der Idee und der vorwiegend organisatorischen Arbeit als Kurator sprach er auch zur Eröffnung der Ausstellung.

bis 29. Juli. Rathaus, Galerie 2. Stock. Dr.-Külz-Ring 19, Tel. 0351/488 26 91, geöffnet Mo-Fr 9-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2014

Heinz Weißflog

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