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Reinhold Beckmann & Band gastieren im Dresdner Schlachthof

Reinhold Beckmann & Band gastieren im Dresdner Schlachthof

Als Sportjournalist, Ex-Talkmaster und Filmemacher zählt Reinhold Beckmann zu den Bekanntesten im deutschen Fernsehen. Und jetzt macht er auch noch Musik. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums "Bei allem sowieso vielleicht" (Electrola/Universal Music Group) im März dieses Jahres ist Beckmann damit erstmals auf Tournee.

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Reinhold Beckmann und seine Band sind nach über 80 Auftritten eine eingeschworene Gemeinschaft.

Quelle: Universal

Am Sonntag kommt er dabei auch nach Dresden in den Alten Schlachthof. Mit den DNN sprach er im Vorfeld über seine erste Band in der Schule, erste Auftritte und wie es ist, als Journalist in einem Interviewmarathon zu stecken.

Frage: Herr Beckmann, Sie stehen seit Jahrzehnten vor der Kamera. Jetzt, mit Ende 50, entschließen Sie sich, zumindest teilweise auf die Musik umzusatteln. Wie kam es dazu?

Reinhold Beckmann: Ich habe eigentlich immer schon Musik gemacht, aber man muss das ja nicht öffentlich betreiben. Wie viele andere hatte ich in der Schule eine Band namens Diesel Drei - mehr Punk aus Verlegenheit. Ich habe Schlagzeug gespielt. Mein Musiklehrer war sehr charismatisch und hat uns gefördert - es gab viele Auftritte. Seitdem habe ich die Gitarre eigentlich nie aus der Hand gelegt.

2007 durfte ich dann Ina Müller in ihrer Show "Inas Nacht" besuchen und einen Bossa Nova spielen. Ihr Schlagzeuger, Helge Zumdieck, kam danach auf mich zu und hat mir einen liebevollen Tritt in den Hintern verpasst: "Mensch Reinhold. Du bist doch eigentlich Musiker. Wollen wir nicht einmal ein Projekt zusammenstellen?" Dann haben wir uns drei Tage zurückgezogen und die ersten Songs geschrieben.

Seit dem sind immerhin sieben Jahre vergangen. Ein Album haben Sie erst 2014 herausgebracht.

Richtig, ich hätte es als unanständig empfunden, wenn man als Fernsehfritze ankommt und gleich mit einer CD wedelt. Also standen in den vergangenen Jahren erst einmal Auftritte in kleinen Theatern und Kulturhäusern auf dem Programm. Teils vor sehr kleinem Publikum. Das war wichtig, um Erfahrung zu sammeln.

Sie stehen mit erfahrenen, professionellen Hamburger Musikern wie dem besagten Helge Zumdieck, aber auch Thomas Biller und Andreas Dopp auf der Bühne, die sonst mit Interpreten wie Annett Louisan oder eben Ina Müller zusammenarbeiten. Wer hat da eigentlich auf der Bühne das Sagen und wie entstehen die Songs?

Das Sagen hat keiner. Wir spielen einfach zusammen. Nach den über 80 Auftritten, die wir mittlerweile abgerissen haben, sind wir eine eingeschworene Gemeinschaft.

Die Songs entstehen auf unterschiedlichen Wegen. Meist geh ich mit Liedern, von denen ich denke, dass sie eigentlich fertig sind, zu Andreas Dopp. Der sagt dann: "Naja, der Refrain ist schon ganz gut, aber nicht perfekt. Außerdem braucht das Stück 'ne Brücke." Dann entwickeln wir das Lied gemeinsam mit zwei Gitarren.

Moderieren und Songs schreiben sind zwei konträre Tätigkeiten. Das Mediengeschäft ist ein schnelles. Beim Songwriting geht es um Schönheit, Harmonie und den künstlerischen Ausdruck. Fällt die Umstellung schwer?

Da ich weiterhin beides mache, kann von einer Umstellung nicht die Rede sein. Aber ich freue mich schon am Montag, wenn wir am Freitag spielen. Das live Auftreten hat im Gegensatz zum Moderieren etwas Unmittelbares. Es besteht ein direkter Kontakt zum Publikum.

Das Schreiben von Songs unterscheidet sich völlig von meiner journalistischen Tätigkeit. In der Berichterstattung sucht man immer nach dem großen Bogen. Wirklichkeit abzubilden, funktioniert so nicht. Stattdessen gilt es beim Songschreiben, Bilder zu suchen und eine zweite Ebene zu finden. Ich schreibe jede Zeile auf, die mich irgendwie anspringt, und versuche daraus etwas zu basteln.

Sie kommen aus dem Niedersächsischen Twistringen und snacken bekanntlich auch Platt. Eine Idee für das nächste Album?

Völlig ausschließen möchte ich das nicht. Während eines gemeinsamen Auftritts mit Ina Müller im Stadtpark haben wir "You've Got A Friend" von James Taylor auf Platt als letzten Song gebracht - ein echter Publikumserfolg. Ich snacke allerdings nicht so gut wie Ina.

Ihr im Frühjahr erschienenes Album "Bei allem sowieso vielleicht" stößt bei den Kritikern nicht nur auf Gegenliebe. Sie werden zum einen an ihrer Moderatorentätigkeit und zum anderen an lange etablierten Künstlern wie Sven Regner von Element of Crime gemessen - da kann man nur verlieren. Ist Ihr hoher Bekanntheitsgrad eher Fluch oder Segen?

Ich finde, dass die Kritiken überraschend gut ausfallen. Mit fällt da zum Beispiel die FAZ ein, die uns sehr gut und auch umfangreich besprochen hat. Ich kann jeden verstehen, der sich fragt: "Kann der das überhaupt? Kann der Beckmann singen und Gitarre spielen?" Mir würde es genauso gehen und deshalb kann ich auch mit negativen Kritiken umgehen.

Wer sind denn Ihre großen Vorbilder?

Ich bin ein Kind der 70er Jahre. Insbesondere die Liedermacher Georg Danzer und Ludwig Hirsch aus Österreich haben mich stark beeinflusst. Da kommt auch mal eine Pointe, die vergiftet ist. Aber das merkt man erst beim Runterschlucken. So versuche ich auch zu schreiben. Etwa bei "Nachts durch Bremen". Da stand die Zeile "Du hast mir meinen Käfer vollgekotzt" ganz am Anfang. Die Geschichte habe ich drum herum gebaut.

Sie kämpfen sich PR-mäßig durch einen echten Interviewmarathon. Aller halben Stunde ruft ein anderer Journalist an. Gerade für Sie eine ungewohnte Perspektive. Geht es Ihnen jetzt manchmal so wie in ihrem Song "Plauderton", dass sie vom "Plauderton stumpf gequatscht" werden?

(Lacht.) Rufen Sie mich nocheinmal heute Abend um 17 Uhr an! Nach so einem Interviewtag wird man am Abend ganz still, dann ist man eben stumpf gequatscht.

Am 7. Dezember kommen Sie in den Schlachthof nach Dresden - ein Adventssonntag. Haben Sie eine Weihnachtsüberraschung vorbereitet?

Das ist eine gute Anregung. Ich werde darüber nachdenken. Bisher ist nichts Besonderes geplant. Aber die Besucher können sich auf ein zweistündiges Konzert mit vielen Songs und Geschichten einstellen. Unter vier Zugaben gehen wir nie von der Bühne.

Beckmann & Band, Sonntag, 20 Uhr, Alter Schlachthof, Tickets ab 25 Euro gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 0351/ 48 64 20 02 oder im Internet: www.alter-schlachthof.de.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2014

Hauke Heuer

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