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Regen, Regen stört uns nicht - Das Carus Ensemble spielte unter dem Dach des Hygiene-Museums Dresden

Regen, Regen stört uns nicht - Das Carus Ensemble spielte unter dem Dach des Hygiene-Museums Dresden

Dresdens Konzertsaalsurrogate haben immer noch Überraschungen parat. Statt januartypisch stillen Schnees hielt der Abend kräftige Schauer bereit, von denen auch das Publikum der 1. Kammermusik in der Reihe "Philharmonie im Museum" etwas hatte: Vernehmlich prasselten die Tropfen aufs Dach des ach so modernen, neuen Saales im Hygiene-Museum und ließen nicht nur die erstaunten Blicke der Musiker zur Decke wandern.

Und dankbar nahm man zur Kenntnis, trotzdem im Trockenen zu sitzen. Das Rauschen über den Köpfen währte zum Glück "nur" einige Sätze von Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" lang. Aber auch, wenn dieses Werk, das nach der Pause auf dem Programm des Carus Ensembles stand, zu bekannt ist, um inhaltlichen Schaden zu nehmen, bleibt so etwas eine Zumutung.

Am Beginn des Abends stand die von Andreas N. Tarkmann (geb. 1956) arrangierte Suite für Bläseroktett aus Prokofjews Ballettmusik "Romeo und Julia". Der aus Hannover stammende Komponist und Arrangeur hat Sätze ausgewählt, die stärker auf Stimmungen als auf musikalische Effekte setzen, und in (fast) klassischer Besetzung für Harmoniemusik instrumentiert. Den Klang des Originals hatte man natürlich stets im Gedächtnis, und es verblüffte, wie Tarkmann die Charaktere aufnimmt, ohne Streicher oder Schlagzeug zur Verfügung zu haben. Das Carus Ensemble (Undine Röhner-Stolle, Isabel Kern, Oboen; Fabian Dirr, Christian Dollfuß, Klarinette; Philipp Zeller, Thomas Eberhardt, Fagott; Robert Langbein, Thorsten Gottschalk, Horn) mischte Tarkmanns für Prokofjew gefundene Farben dunkel und begeisterte mit einem dichten musikalischen Strom, der die intimen Szenen (Tanz der Mädchen, Madrigal, Pater Lorenzo) ebenso kraftvoll auflud wie die expressiven Teile mit "Mercutio" als Schluss.

Nicht anders waren Klangfülle und rhythmischer Puls des Carus Ensembles bei den "Bildern einer Ausstellung". In seiner Bearbeitung für zwölf Blasinstrumente und Kontrabass (zu den Vorigen: Sabine Kittel, Flöte; Hannes Schirlitz, Kontrafagott; Dietrich Schlät, Horn; Christian Höcherl, Trompete; Olaf Kindel, Kontrabass) von Mussorgskis Klavieroriginal geht Andreas N. Tarkmann über das Illustrieren, wie Ravel und Rimski-Korsakow in ihren Orchesterfassungen, hinaus. Aus der Reduzierung der Instrumente gewinnt die Zeichnung der Sätze an Schärfe, charakteristische Details kommen weit stärker zur Geltung. Dazu spielt die Bearbeitung mit räumlichen Effekten und verteilt die Stimmen der "Streitenden Marktfrauen" quer über das Ensemble. Die Spiellust des Ensembles war grandios, vereinzelt verwackelte Einsätze oder Schlüsse blieben unerheblich, die Ablenkung durch das rhythmisch konträre Regenkonzert von "Tuilerien" bis "Samuel Goldenberg und Schmuyle" hielt sich dank des starken Spiels und der hochinteressanten Instrumentierung in Grenzen und ließ das Konzert zu einem Abend werden, den man musikalisch gern in Erinnerung behält.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2013

Hartmut Schütz

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