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Realität und Täuschung - Susanne Knaack in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau

Realität und Täuschung - Susanne Knaack in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau

Weiße Wüsten aus Eis und Schneedünen türmen sich apokalyptisch, dehnen sich. Ein heller Strand mäandert vor schwarzem Himmel. Novemberstimmungen, tiefster Winter, Meere wie Blei, schwarzer Sand, nächtliche Gletscher, Stimmungen am Fluss, Nebel, Dunst und Sturm, geballte Elementarkräfte.

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Bilder von Susanne Knaack in den Deutschen Werkstätten Hellerau.

Quelle: Lothar Sprenger

All das lebt in der Malerei von Susanne Knaack, die zur Zeit in der Werkstättengalerie Hellerau mit 28 Acrylbildern in einer fulminanten Ausstellung vor Ort ist.

Die Kulissen wirken täuschend echt, als wären sie vor realer Landschaft entstanden. Bald aber bemerkt man auch die über den Gegenstand hinausgehende Fantasie, wo Himmel stürzen, sich drehen und spiegeln, der klassische Horizont aufgegeben wird. Wo Schwarz, Weiß und Grau ineinander fließen, sich durchdringen und aufschäumen wie die Gischt eines anbrandenden Ozeans. Gegenständliches und Erfundenes machen das leicht abstrahierte Gesicht der Fantasielandschaften aus, die durchweg im Atelier geschaffen wurden.

Schwierig dabei ist die Maltechnik, das vorsichtige nass-in-nass-Malen mit Acryl in einer direkten Malerei, Raum und Licht erfassend, wenn die Farbe fließt und aus Zufälligkeit Richtung wird. Dabei benutzt die Künstlerin weder Pinsel noch Spachtel. Sie schüttet die Farben auf die Leinwände, die sich selbst ihren Weg suchen. Feinfühlige Eingriffe in den Prozess wechseln durch Drehungen und Schütteln des jeweiligen Bildes, um der Komposition Rhythmus und Struktur zu geben. Das Abstrakte dieser Formen führt zu wirklichkeitsnahen Assoziationen. Dazu gehört eine durchgängige Perfektion auf der ganzen Fläche, das Abschließen des Bildes im richtigen Moment. Konkrete Landschaftserlebnisse, etwa in Grönland oder in der Arktis, gibt es nicht. Die Stoffe, aus dem Susanne Knaacks Bilder gemacht sind, sind Fantasie und Zufall. Was daraus entsteht, ist die perfekte Illusion, die Täuschung des Auges des Betrachters, der sich in einer durchaus vorstellbaren Realität des Bildes bewegt, schließlich aber erkennen muss, dass er sich geirrt hat. Malerei ist bei Susanne Knaack selbst Natur, indem sie den Stimmungen in sich nachgeht und für sie eine Entsprechung auf der Leinwand findet. In feiner Abstimmung werden ihre inneren Landschaften zu Psychogrammen einer Naturerfahrung, die Licht auf unsere Empfindungen wirft, weil sie den landschaftlichen und atmosphärischen Verhältnissen in der Natur analog entsprechen.

Colin Ardley, Maler und Kurator der Werkstättengalerie, sah Knaacks Bilder das erste Mal in Berlin in einer Galerie und später auf einer Kunstmesse. Dass die Malerei der Künstlerin in den Räumen der Werkstätten eine sehr gute Figur macht, bestätigt Ardleys Spürsinn. Susanne Knaack wurde 1962 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte verließ sie die Theorie und schloss eine Ausbildung im Fach Malerei an der Hochschule der Künste Berlin bei Georg Baselitz ab.

Susanne Knaacks Landschaften "sind aus dem abstrakten Experiment geborene gegenständliche Malerei" (Martin Fraass), die ihresgleichen sucht. Zunächst vermutet man eine Nähe zu Gerhard Richters "Seestücken", aber die Malerin arbeitet nicht nach Vorlagen und Fotografien, sondern schafft ihre Bilder intuitiv aus der Bewegung der Leinwand, auf der sie dem "Prinzip des gelenkten Zufalls" folgend Farben fließen lässt.

ibis 9. August, Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau, Moritzburger Weg 68; geöffnet: Mo bis Fr 9 bis 17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.07.2013

Heinz Weißflog

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