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Raumnot für Dresdens Kreative: Podiumsdiskussion ohne beruhigende Nachrichten für Künstler

Raumnot für Dresdens Kreative: Podiumsdiskussion ohne beruhigende Nachrichten für Künstler

Unter dem Titel „Kultur braucht Raum“ hat die Stadtratsfraktion der Linkspartei am Mittwochabend im Lichthof des Dresdner Rathauses eine Podiumsdiskussion veranstaltet.

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Die Podiumsdiskussion zum Thema „Kultur braucht Raum“ im Dresdner Rathaus.

Quelle: Stephan Hoenigschmid

Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie Künstler von der Stadt unterstützt werden können, damit sie auch in einem zunehmend umkämpften Wohnungs- und Immobilienmarkt weiterhin Ateliers und Proberäume finden. Neben zahlreichen Vertretern aus der kreativen Szene nahmen auch Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos), Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) sowie Drewag-Geschäftsführer Reiner Zieschank an der Diskussion teil.

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Der Fotograf Lothar Lange warf der Stadt in diesem Zusammenhang vor, zur Knappheit beigetragen zu haben. „Sie hat ihre ordnungspolitischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft“, ärgerte sich Lange.

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Ein dramatisches Bild der momentanen Situation zeichnete Holger Knaak von der Blauen Fabrik in der Neustadt. „Bei uns treten regelmäßig hochkarätige Jazzmusiker der Hochschule für Musik auf. 90 Prozent von ihnen haben mir gesagt, dass sie nach dem Studium weggehen werden, weil es in Dresden keine Proberäume gibt.“ In Gefahr ist indes auch die Blaue Fabrik selbst. Schriftlich wurde dem Verein bereits von der Verwaltung die Nutzung der Räume untersagt. „Wenn unser Areal als Kulturgelände definiert worden wäre, hätte es keine Wohnbebauung in der Nähe gegeben. Dann stünden heute bei uns auch keine Besitzer von Eigentumswohnungen vor der Tür, die sich wegen dem Lärm beschweren“, so Knaak.

Stadträtin Kris Kaufmann (Linke) sprach in diesem Zusammenhang einen Punkt an, der von den anwesenden Künstlern ohne weiteres geteilt wurde. „Als die Brachflächen und Abbruchhäuser niemand haben wollte, waren die Kreativen als Zwischennutzer willkommen. Jetzt, wo die Grundstücke auf einmal viel Geld wert sind, sollen sie plötzlich verschwinden.“ Der ebenfalls auf dem Podium vertretene Fotograf Lothar Lange warf der Stadt in diesem Zusammenhang vor, zur Knappheit beigetragen zu haben. „Sie hat ihre ordnungspolitischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft“, ärgerte sich Lange.

Obwohl Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) dieser Auffassung widersprach, bestätigte er sie dennoch indirekt. Als nämlich die Diskussion auf die in Leipzig vorhandenen Wächterhäuser kam, die von Künstlern unter Duldung der Stadt bewohnt werden, damit sie nicht weiter verfallen, sagte er: „Anders als Leipzig besitzt Dresden keine Häuser mehr, die dafür in Frage kommen würden.“ Alles sei verkauft worden, so Marx. Und auch für die bestehenden Freirauminitiativen und Atelierstandorte hatte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) keine beruhigende Nachricht.

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Das Bandhaus auf der Gasanstaltstraße in Reick.

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„Dass in den 1990er Jahren und den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts die Brachen bespielt worden sind, war gut. Daraus aber einen Anspruch abzuleiten, dass man dort bleiben darf, ist schwierig.“ Zudem gebe es keine allgemeingültigen Lösungen. Jeder Einzelfall sei anders, erklärte der Bürgermeister. Dennoch signalisierte er Hilfe beim Suchen neuer Räume und der Beantragung von Fördermitteln. Deutliche Worte fand auch Reiner Zieschank von der Drewag. „Je attraktiver die Stadt wird, desto schwieriger ist es, Nischen und Brachen für Künstler zu finden“, sagte der Geschäftsführer. Innenstadtflächen könnten dies dann in der Regel nicht mehr sein. Daher bemühe sich die Drewag für die Musiker des Bandhauses in Reick, deren marodes Probehaus dem Energieunternehmen gehört, Immobilien am Stadtrand oder in Heidenau zu finden.

„Eines ist aber auch klar: Als Stadtkonzern sind wir ein normales Wirtschaftsunternehmen und können nicht der Reparaturbetrieb für alle Belange der Stadt sein“, ordnete Zieschank ein. Abgesehen von der Frage, wo überhaupt noch Räume für Künstler zu finden seien, debattierte die Runde auch lebhaft über das Thema Brandschutz, das von den Künstlern eher locker gesehen wurde, während die Vertreter der Verwaltung zwar ein Entgegenkommen signalisierten, aber dennoch darauf verwiesen, wie wichtig die Einhaltung der Normen ist.

Die Vorschriften bereiten nach Informationen der Künstler in Dresden nicht wenigen Initiativen große Probleme oder setzen ihre Existenz aufs Spiel.Einen eher skeptischer Eindruck blieb bei vielen Gästen bestehen. Nur Frank Neuber, der als Prokurist der Drewag zwischenzeitlich Reiner Zieschank abgelöst hatte, weil dieser zu einem Termin musste, und Ralf Lunau verbreiteten Optimismus. Während Neuber zu mehr Gelassenheit und Vertrauen in die Zukunft aufrief, sagte Lunau: „Ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft genügend Räume für Kunst und Kultur in Dresden geben wird.“

Stephan Hönigschmid

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