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Rasanter Zuwachs - Der Neubau des Städels in Frankfurt/Main ist fertig

Rasanter Zuwachs - Der Neubau des Städels in Frankfurt/Main ist fertig

So schnell ist noch kein Museum gewachsen. Vor vier Jahren besaß das Städel in Frankfurt am Main gerade mal 100 Kunstwerke aus der Zeit nach 1945. Jetzt sind es 1300. Dieser rasante Zuwachs ist vor allem der Weitsicht von Direktor Max Hollein zu verdanken, der 600 Werke von der Deutschen Bank und 220 Fotos von der DZ Bank geschenkt erhielt.

Geschickt rundete er das, zusammen mit Kurator Martin Engler, mit kleineren Schenkungen ab, vor allem aber mit 100 Neuerwerbungen, unterstützt vom "Städel-Komitee 21. Jahrhundert", rund 40 betuchten Kunstfreunden, die aus ihren Privatschatullen erhebliche Summen beigesteuert haben.

Diese größte inhaltliche Erneuerung ging einher mit der größten räumlichen Erweiterung in der fast 200-jährigen Geschichte des Museums: Heute wird der unterirdische Neubau eröffnet, der sich über dem Städel-Garten wölbt mit seinen 195 großen runden Oberlichtern. Damit hat sich die Fläche fast verdoppelt auf 7000 Quadratmeter. Das alles wurde in Rekordzeit realisiert: Im Herbst 2007 - Hollein war anderthalb Jahre im Amt - stellte er seine Vision vor, fünf Monate später war der Architektenwettbewerb zugunsten des Büros Schneider + Schumacher (Frankfurt) entschieden. Im September 2009 war Baubeginn, nach nur zweieinhalb Jahren ist alles fertig. Freilich sind die Kosten von 30 auf 34 Millionen Euro gestiegen. Finanziert wurde zu über 50 Prozent dank Spendern; rund 4000 Menschen gaben von einem bis zu einer Million Euro.

Nun hat das Städel 3000 Quadratmeter zur Verfügung für die Kunst von 1930 bis heute in einer großzügig und hell wirkenden Halle. Von den 1300 Werken ist eine Auswahl von 300 Bildern, Grafiken, Fotos und einigen Skulpturen zu sehen. Freilich wird der Besucher anfangs einige Schwierigkeiten haben, denn eine klare Ordnung gibt es nicht. Als Groborientierung gilt: Links geht es zur Figuration, rechts zur Abstraktion, dazwischen findet sich die Fotografie. Und wer nicht mehr weiter weiß, orientiert sich an der Decke. Je höher sie sich wölbt, um so näher ist man dem Zentrum. Beginnen wir nach dem Herabsteigen der steilen Treppe. Links sieht man gegenständliche Bilder von Ernst Ludwig Kirchner und Oskar Schlemmer, rechts geometrisch-abstrakte Bilder von László Moholy-Nagy und Hermann Glöckner - alle in den 30er-Jahren entstanden. Also kein Schnitt nach 1945, gilt doch die Stunde Null längst als Mythos. Vielmehr wurden wichtige Entwicklungen schon davor erprobt, durch Nazis und Krieg aber abgewürgt. Dem trägt das Städel nun Rechnung.

Weiter auf der linken Seite, sind einzelne Räume dem Porträt gewidmet (von Picasso bis Schönebeck), dem deutschen Pop, dem kapitalistischen Realismus, den Neuen Wilden, dem linken Künstler und der Aufarbeitung der Geschichte - mit einem fast schon zu starken Gewicht auf deutschen Künstlern wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Anselm Kiefer und A.R. Penck. Immerhin war Holleins Vor-Vorgänger Klaus Gallwitz auch in der Ankaufskommission der Deutschen Bank tätig. Doch Martin Engler hat das geschickt ausgeglichen und in einem der von Anselm Kiefer dominierten Geschichts-Räume auch Fotos von Sebastiao Salgado gehängt, der 1986 brasilianische Minenarbeiter abgelichtet hat.

Fast leichter ist der abstrakte Teil, von der Malträtierung des Tafelbildes durch Fontana und Uecker über die nur als Konzept auftretenden Bildideen bis hin zur inszenierten Fotografie. Und das Informel, die abstrakte Malgeste, dient als Bindeglied, um wieder zur Figuration zu wechseln. Dazwischen finden sich kleine Themenräume zur Performance oder zum Motiv von Straßen, Häusern und Menschen. Manche über Jahrzehnte gespannte Kombination geht gut auf, etwa zwischen dem informellen Maler Karl Otto Götz und dem Fotografen Wolfgang Tillmans. Aber nicht alles kann überzeugen. Dennoch ist die Sammlung imposant.

Schaumainkai 63. Tage der offenen Tür 25./26.2. freier Eintritt: 10-20 Uhr. Sonst Di. u. Fr.-So. 10-18, Mi./Do. 10-21 Uhr.

www.staedelmuseum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.02.2012

Christian Huther

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