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Rap, Soul, Pop: Akua Naru und Balbina kommen in die Scheune

Frauen, die nicht auf Männer starren Rap, Soul, Pop: Akua Naru und Balbina kommen in die Scheune

Ein Künstler wie der Fotograf Helmut Newton hätte Balbina wohl sehr geliebt. Was ihm in Sachen Blick von der Feministinnenfront oft als "typisch Mann" attestiert wurde, als aufreizend, ausgestellt und dreist war zumeist sein Wunsch, den Frauen Stärke zu geben. Kraft durch Bilder.

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Balbina

Quelle: Nico Wöhrle

Dresden. Ein Künstler wie der Fotograf Helmut Newton hätte Balbina wohl sehr geliebt. Was ihm in Sachen Blick von der Feministinnenfront oft als "typisch Mann" attestiert wurde, als aufreizend, ausgestellt und dreist war zumeist sein Wunsch, den Frauen Stärke zu geben. Kraft durch Bilder. Manche Frauen haben das auch so verstanden. Andere nicht. Die rein optische Erscheinung der 32-jährigen Balbina Monika Jagielska folgt dem "Newtonschen Prinzip". Balbina in Designerkleidern, -mänteln und -Shirts mit blauen Augen, die wie Spiralbohrer sind. Weiße Haut, stark auf braun getrimmt, die langen Haare perfekt in Form gedämpft. Schwache Männer könnten schneller einknicken, als ihnen lieb ist.

Doch es geht ja um Musik, um deutschen deutschsprachigen Pop. Balbina mit den polnischen Wurzeln hat gerade eine Sommertour hinter sich, die es in sich hatte. 19 Mal vor Grönemeyer, 19 Mal in Arenen, Stadien, Festhallen. Vor der Reise hätte sie vor lauter Freude lange geschrien, sagt sie. Nach der Reise ist Balbina mutmaßlich erst mal in sich zusammengefallen. Nach dem Luftholen folgt mit der Herbsttournee die Nummer kleiner. Die Nummer angemessener vielleicht auch?

Ende April 2015 erschien Balbinas zweite CD. "Über das Grübeln" (Four Music) heißt sie. Eine Platte voll von Stimme und Stimmung. Texte, an denen ausländische Mitbürger verzweifeln werden ob ihrer Sperrigkeit. Muttersprachler wundern sich hingegen, wie leicht es gehen kann, Kompliziertes zu paaren. Zeilen sind es, die so erst mal ergrübelt, erdacht und aufgeschrieben sein wollen. Ohropax trifft vergesslichen Goldfisch.

"Ich muss was gegen das Nichtstun tun, denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut" - instant classic! Als Mädchen in einer Schule Neuköllns, sagt Balbina, habe sie weniger Langeweile gehabt, mehr den Drang "das alles zu überstehen". Mamas Abba-Kassetten hätten geholfen dabei. Die ersten Spiegelgesänge folgten, die ersten eigenen aufgeschriebenen Zeilen, später Kontakte zur Szene, zu denen Prinz Pi oder Justus Jonas gehörten. Rap also. Zackig Gereimtes auf pfiffigen Beats.

Balbinas Pop, der daraus erwuchs, ist heute songorientierter, weicher, einfühlsamer, facettenreicher. Nicht nur ihre dunkle, raumgreifende Stimme macht ihn eigenständig und unverkennbar. Als Gesamterscheinung hat Balbina ihren Platz neben den Kolleginnen Cäthe, Dota Kehr oder Anna Depenbusch vielleicht nicht gesucht, aber gefunden.

Für Akua Naru ist die Welt der Platz. Offiziell, heißt es, komme sie heute aus Köln. Doch es meint nur Wohnsitz, Basecamp bestenfalls. Auch das, was bei ihr hörbar in Hip-Hop und Rap mündet, ist Ergebnis einer durchdrungenen Melange. Ältere Semester erkennen mühelos das Fundamentale aus Detroit und Memphis, die Muster des Jazz, Funk-Türme und Blues-Tangenten, natürlich einige Heldinnen des Hip Hop/Rap daselbst. Alles, wirklich alles fließt bei dieser jungen Frau, die als LaTanya Olatunji in New Haven, Connecticut, USA geboren wurde, wo sie aufwuchs, um fortzugehen: Nach New York, um den Puls von Größe zu spüren. Nach Afrika, um an ihre Wurzeln zu kommen. Nach Asien, um zu sehen, was daraus wachsen kann. Nach Köln, um ihre Liebe zu leben. Das war vor neun Jahren. Sie ist noch da.

Akua Naru weiß, wie es in Hinterhöfen hallt und schallt. Das war vor ihrem CD-Debüt 2011, als "The Journey Aflame" erschien, auf dem sie sich als kluge, hellsichtige Frau erwies, die - wie Balbina - nicht auf Männer starrt. Die das Herz hat, wo die Lippen sind. Wo ihre Fans sind, bewies "Live & Aflame", ein Live-Album als Nummer zwei. Mutig genug! Sie weiß, was ein Sample bringen kann, schätzt aber zugleich den Wert einer Orgel, von Trompete, Sax, festen gemischten Chören, Drums nature, Streicher-Parts.

Gelassenheit sollte man bei Akua Naru keinesfalls mit zur Schau gespielter Zauderei verwechseln. Was ihre neueste CD eindrucksvoll beweist. Mit insgesamt 16 Stücken und über einer Stunde Lauflänge ist "The Miner's Canary" (Urban Era) so üppig wie reich.

Akua Naru (mit Exchampion und Said Sur La Place), Freitag, 21 Uhr Balbina, Dienstag, 20 Uhr, beide Scheune

www.scheune.org

Andreas Körner

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