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Rätselhaft: Ausstellung mit Zeichnungen von Gerhard Altenbourg im Kupferstichkabinett Dresden

Rätselhaft: Ausstellung mit Zeichnungen von Gerhard Altenbourg im Kupferstichkabinett Dresden

Möglicherweise trägt das gedämpfte, die Kunst schonende Licht dazu bei: Wer jetzt das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden besucht, wird wohl erst einmal andächtig verharren.

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Gerhard Altenbourg. Spiel auf zweierlei Ebenen, Aquarell, Chinesische Tusche, Rötel, blaue Tinte, Kreide auf rosafarbenem Ingres-Papier, Rahmen, SKD Kupferstich-Kabinett Dresden

Quelle: Herbert Boswank

Große, bildhafte, farbige Blätter, sparsam gehängt, verleihen dem Ort eine selten kostbare Ausstrahlung. Wandfarbe, Schriften, Rahmen schaffen der Kunst alle Möglichkeiten, den Besucher der "terra Altenbourg", die ab morgen allen offen steht, zu "ergreifen". Die Verfasserin des Textes jedenfalls musste während des gestrigen Pressegesprächs immer wieder auf das Werk "Unverwehet" von 1972 schauen. Es "füllt" eine ganze Wand. Mehr braucht es nicht. Angesichts solcher Wirkung gilt es, die "terra Altenbourg" etwas zu beleuchten.

Gerhard Altenbourg (1926-1989) kann man wohl getrost einen Weltbürger nennen, einen Weltbürger in der Provinz, wenn man so will. Das geistige wie postalische Netz war weit gespannt. Bis zum Mauerbau 1961 war auch die direkte Begegnung über DDR-Grenzen hinaus möglich, unter anderem mittels der Galerie Springer, ab 1966 der Galerie Brusberg. So kam Altenbourgs Kunst - etwa 1959 zur documenta II - "in die Welt". Zur "terra Altenbourg" gehört ebenso die prägende Kriegserfahrung, später die Bedrängungen in der DDR. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund entstand eine private "terra Altenbourg" in und um das Wohnhaus im thüringischen Altenburg, die unter anderem der Fotograf Ulrich Lindner - drei seiner Aufnahmen sind zu sehen - einfühlsam festgehalten hat.

Altenbourg - eigentlich hieß er Ströch - schuf dort ein Werk, das, ähnlich anderen, eine eigentümliche Randständigkeit, teilweise beeinflusst von surrealistischen und dadaistischen Momenten, innerhalb der im Osten geschaffenen Kunst bewahrte. Bernhard Maaz, Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Gemäldegalerie Alte Meister sowie Initiator von "terra Altenbourg. Die Welt des Zeichners" verwies gestern beispielhaft auf ähnliche Künstlerpersönlichkeiten wie Glöckner, Claus und Wigand. Es war die oftmals so schwierige, manchem zu schwierige "Beharrung auf dem Ich", die für Akteure wie sie existenziell war und die gleichwohl heimische Verbündete hatte - etwa in Werner Schmidt, seit 1959 Direktor des Kupferstich-Kabinetts und zwischen 1990 und 1997 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Altenbourg hatte und hat hier einen festen Platz.

So konnte im Jahr 2012 mit Mitteln des Freistaates und des Bundes ein einzigartiges Konvolut von Unikat-Künstlerbüchern und Zeichnungen aus der Sammlung Heidi und Dieter Brusberg angekauft werden. Zustande kam diese Transaktion auch unter Vermittlung der in Dresden gut bekannten Sammler Ulla und Heiner Pietzsch, die ihrerseits das große farbige Blatt "Die Schaukel" (1954) schenkten. Das 25. Todesjahr Gerhard Altenbourgs ist nun Anlass, die Erwerbungen in der oben beschriebenen eindrucksvollen Form zu präsentieren. Zu sehen sind rund 90 Werke.

Dabei geben besonders die Künstlerbücher Aufschluss über gedankliche und künstlerische Entwicklungen. Altenbourg experimentiert, "spielt" und ist verschiedentlich, in dem, was Stift, Farbe, Pinsel, Feder, Collage und Schrift hervorbringen, rätselhaft. Gleichwohl findet sich hier eben die geistig-künstlerische "terra Altenbourg", die in ihrer "Sprache" auf den großen Blättern teils wiederkehrt, ohne dass die Bücher herkömmliche Vorskizzen enthielten. Damit der Besucher dem allen näher kommen kann, werden sie in Vitrinen ein wenig aufgeblättert. Und eines davon - "Dulce et decorum" (1955/57), in dem der Künstler die traumatischen Erlebnisse der letzten Kriegsmonate verarbeitete - ist ganz einsehbar: Die Doppelseiten sind wie Bilder als Faksimiles an der Wand aufgereiht.

Der Titel der Ausstellung geht ebenfalls auf ein (unvollendetes) Künstlerbuch zurück. Zugleich assoziiert das Motto immer auch den Gedanken, dass vieles in Altenbourgs Schaffen durchaus noch "terra incognita" ist, die - Maaz wies darauf hin - ihrer Entdeckung harrt, nicht zuletzt mittels der Aufarbeitung der Briefe, die eine dem Künstler gewidmete Stiftung in seiner Heimatstadt verwaltet, wo zudem das Lindenau Museum gerade eine Ausstellung seiner Landschaften zeigt (bis 27. Juli).

Wer im Kupferstich-Kabinett bei manchem der großen Blätter ein Déjà-vu haben sollte, der sei an die Altenbourg-Schau "Im Fluss der Zeit" erinnert, die 2004 von Düsseldorf nach Dresden und München reiste. Dies wird der gegenwärtigen Präsentation wahrscheinlich nicht beschieden sein. Bisher gibt es keinen weiteren Interessenten. Eigentlich schade, zumal der Aufwand für das ganze Projekt beträchtlich gewesen sein dürfte, wurde doch mit finanzieller Unterstützung der Ernst von Siemens Kulturstiftung zudem ein Altenbourg-Bestandskatalog herausgegeben, der die aktuelle Erwerbung einschließt. Der Besuch der Dresdner Ausstellung scheint für Kunstfreunde jedenfalls ein Muss.

ab morgen bis 29. September, geöffnet täglich (außer Di) 10 bis 18 Uhr, Katalog 48 Euro (im Museum 38 Euro),

Informationen/Führungen: Tel. 49 14 2000 bzw. besucherservice@skd.museum

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2014

Lisa Werner-Art

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