Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Radierungen von Kerstin Franke-Gneuß in der Alten Feuerwache Loschwitz

Nike oder die Bruchstücke einer vergangenen Welt Radierungen von Kerstin Franke-Gneuß in der Alten Feuerwache Loschwitz

Im Herbst 2015 arbeitete die Dresdner Grafikerin Kerstin Franke-Gneuß im Rahmen eines Austauschprojektes zwischen der Stadt Dresden und dem griechischen Thessaloniki in der Druckwerkstatt der dortigen Aristoteles-Universität. Nun sind in einer Ausstellung der Alten Feuerwache Loschwitz 14 Radierungen der Künstlerin(Reservages/Aquatinten/Kaltnadeln) zu sehen.

Voriger Artikel
Musikgrößen bei den Filmnächten am Elbufer
Nächster Artikel
Stephan Koja aus Wien wird neuer Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister

Kerstin Franke-Gneuß. Gedächtnis, Aquatinta, Kaltnadel 2016.

Quelle: Repro: Feuerwache

Dresden. Im Herbst 2015 arbeitete die Dresdner Grafikerin Kerstin Franke-Gneuß im Rahmen eines Austauschprojektes zwischen der Stadt Dresden und dem griechischen Thessaloniki in der Druckwerkstatt der dortigen Aristoteles-Universität. Nun sind in einer Ausstellung der Alten Feuerwache Loschwitz 14 Radierungen der Künstlerin(Reservages/Aquatinten/Kaltnadeln) zu sehen. Etwas Besonderes schwang auch bei der Ausrichtung dieser Ausstellung mit und beflügelte sie: Sie liebt die Radierung und es ist ihr eine große Freude zuteil geworden, den 9. Felix-Hollenberg-Preis des Kunstmuseums Albstadt zu erhalten (der bedeutendste Preis, der für Radierung vergeben wird). Einige Aquatinten entstanden schon in Griechenland, die Kaltnadeln erst nach Rückkehr in das heimatliche Atelier am Elbhang. Immer ist die Aura eines Ortes für die künstlerische Arbeit und ihr Ergebnis bestimmend. Raum und Landschaft zwangen sich mit ihrer Magie der Künstlerin wie eine Elementarkraft auf und beflügelten sie. Wie berührend und erhebend muss es sein, den in Wolken verhüllten Olymp in seiner Nähe zu wissen und inmitten von Schutt und Ruinen an der Wiege der europäischen Kultur zu stehen. In diesem Sinne war das am Rande des ägäischen Meeres gelegene Thessaloniki für die Künstlerin eine Offenbarung. Die an einem hohen Felshang gelegene Stadt hat sie sehr überrascht. Hier fand sie weite Ebenen, bizarre Hügel und Berge, ein großstädtisches Flair und interessante, aufgeschlossene Gastgeber.

Neben moderner Kunst in zeitgenössischen Galerien besuchte Franke-Gneuß vor allem die Antikensammlungen in den Museen, aber auch Tempelanlagen und Ausgrabungsstätten (Delphi). Dabei wurde die antike Figur der Nike (Siegesgöttin) zum zentralen Thema ihrer Arbeit im Sinne einer meist formalen, abstrakt betonten Anregung, die sich in der vorliegenden Grafik manifestiert hat. Kampf und Sieg bilden dabei die Folie für einen ewigen Kreislauf, der sich in der Grafik von Franke-Gneuß unter anderem als das Ringen zwischen Hell und Dunkel, Licht und Finsternis, schwarzer und weißer Lineatur darstellt. Im dialektischen Mit-und Gegeneinander um die Vorherrschaft begegnen sich konkurrierende Flächen und Linien unter dem Aspekt des Lichts, der immer wieder zu erringenden Dominanz des Hellen, aber auch der gegenseitigen Bedingtheit und Kommunikation von Schwarz und Weiß. Dieser Prozess wird auf dem Feld der grafischen Textur ausgetragen:

Nike, das ist vor allem Triumph des Lichts (sie verhalf dem Zeus zum Sieg über die Titanen), Bewegtheit des Figürlichen, beherzte Gestik, die in Franke-Gneuß Grafik zu Fragmenten großer bildnerischer Vitalität führt. Das Relikt Nike ist Fragment geblieben, es gehört zu den Bruchstücken einer vergangenen Welt, die uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Im heutigen Griechenland ist die antike Götterwelt immer noch überall präsent, sei es als Skulptur in den antiken Stätten und Museen als auch im Volksglauben. Auf dem Hintergrund von Nike entstanden zahlreiche Arbeiten, die Franke-Gneuß als Fragmente zum Thema betrachtet, wobei Antikes in die Gegenwart projiziert wird und umgekehrt, wie das Thema „Flucht“: Die Ägäis war schon immer Flucht-und Transitraum, Trennung und Verbindung zwischen den Kulturen. Gneuß spürte die Umbrüche in dem Land, das sie bereiste hautnah. Eine Aquatinta/Kaltnadel aus diesem Jahr zeigt eine riesige Welle. Schwünge und Flächenüberlagerungen in verschiedenen Grauwerten zeigen sich auch in „Hohe Gefilde“ und „Gegenwind“, das Spiel mit der luftigen Linie, sperrig, grotesk und akrobatisch, voller Melodie und Klang. Wie ein Kanon überdecken sich sacht hingehauchte, wolkige Flächen und Liniencluster (“Gesänge“, Reservage, Kaltnadel), schweben und tanzen im Licht.

Die Aquatinten haben ein etwas anderes Gesicht. Hier entstanden durch Abdeckungen lammellenartige, kristalline Strukturen, wie bei „Ereignis“ (Reservage, Kaltnadel), die sich explosionsartig und eruptiv verfinstern. Zwei ihr wichtige Arbeiten sind „Gedächtnis“ und „Einbruch“, die stark mit Licht und Hell-Dunkel arbeiten und tektonische fein geschliffene Licht-und Schatten-Brüche thematisieren. Das Spiel mit dem real empfundenem Licht und seiner Übertragung auf die Platte ist für Kerstin Franke-Gneuß eine existenzielle Angelegenheit. Hier spricht sich das Bedürfnis der Künstlerin aus, die Elementarkraft in sich zu spiegeln und etwas davon durch die eigene Seele hindurchgehen zu lassen. Damit weist sie auf natürliche Prozesse, die als ästhetisches Ereignis -also als Kunst- Menschen dafür sensibilisieren und aufmerksam machen sollen.

Bis 13. März. Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Straße 4, Tel.: 0351/ 267 86 26 www.feuerwache-loschwitz.de geöffnet: So-Do 12-18 Uhr.

Von Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr