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Radek Stopka choreografiert Smetanas "Verkaufte Braut" an der Staatsoperette Dresden

Radek Stopka choreografiert Smetanas "Verkaufte Braut" an der Staatsoperette Dresden

Als kleiner Junge schon, zu Hause, in Plzen (Pilsen), hat Radek Stopka die Musik von Bedrich Smetana gehört und weiß bis heute, dass ihn besonders die Tänze aus dessen Oper "Die verkaufte Braut" begeisterten.

Das kam natürlich nicht von ungefähr, Stopkas Großmutter war Tänzerin am Theater der Stadt, der Großvater Schauspieler, und Radek kam früh mit Musik, Tanz und Theater in Berührung. Bald nicht nur als Zuschauer, bald gehört er gemeinsam mit seinem älteren Bruder zum Kinderballett. Und dann ist ihm klar, er will tanzen, richtig, als Profi. Von der fünften Klasse an besucht er neun Jahre das Prager Konservatorium und erhält eine gründliche Ballettausbildung. Erste Bühnenerfahrungen hat Stopka dann bald auf der Bühne des Nationaltheaters an der Moldau. So bekannte Tänzer und Choreografen wie Jirí Kylián, Daria Klimentová oder die Zwillingsbrüder Jirí und Otto Bubenícek gehören zu den Absolventen des Prager Konservatoriums, das für seine Härte bekannt ist. Mit Radek Stopka beginnen 28 Studenten die Ausbildung, am Ende sind es vier Tänzerinnen und fünf Tänzer, Stopka ist einer von ihnen und wird in das Ballett des Nationaltheaters engagiert, bald bekommt er erste Solopartien, es folgen die der großen Klassiker.

Daneben bleibt aber das Interesse an den Tänzen mit Showelementen oder am Stepptanz ungebrochen, Jirí Korn etwa findet er toll, und bei unserem Gespräch in der Staatsoperette schwärmen wir ein wenig; den Song von der gesuchten "Yvetta", den diese Musik- und Tanzlegende des Ostens auch im Westen berühmt machte, könnten wir sofort singen.

Im Rückblick aber ist der heutige amtierende Ballettdirektor der Staatsoperette froh über die komplexe Ausbildung in den klassischen Disziplinen des Tanzes. Wenn ein Fundament da ist, kann man aufbauen, ganz gleich in welche Richtung die Entwicklung gehen wird. So macht er es. Nach zwei klassischen Jahren am Nationaltheater geht er zum Prager Ensemble Uno, hier wird modern getanzt, hier werden die Hits der westlichen Musicals gespielt oder von Gästen aus den USA gesungen, und die Tourneen gehen in den Westen.

Während seines Engagements beim Ballett des Theaters in Regensburg lernt Radek Stopka Winfried Schneider kennen, den späteren Ballettchef der Staatsoperette. Schneider holt ihn auch nach Dresden, Stopka kommt, denn die kurze Entfernung nach Prag ist ihm wichtig, und macht hier bald als Solist Karriere. Mandy Garbrecht und Radek Stopka, das tanzende Traumpaar der Staatsoperette, Klasse und Pfiff zeichnen beide aus.

Inzwischen ist die aktive Tänzerkarriere vorbei, was nicht ausschließt, dass es immer wieder mal auf die Bühne geht, sei es in ganz bestimmten Partien, die Erfahrung und besondere Ausstrahlung verlangen, oder um einzuspringen, denn das Pensum des Balletts am Operettenhaus ist hart. Neun Tänzerinnen, neun Tänzer, bis zu 20 Vorstellungen im Monat, Gastspiele, Proben, Umbesetzungen, da kommt für den Ballettdirektor zur künstlerischen Verantwortung auch manche organisatorische Herausforderung. Aber, und das betont er mehrfach in unserem Gespräch, diese Kompanie ist unwahrscheinlich motiviert, und er wundert sich mitunter, wie die Kolleginnen und Kollegen ein solches Pensum schaffen. Und wer ahnt schon am Abend im Publikum, welch harte Arbeit hinter knappen Auftritten steckt, die ja nicht selten zu den besonderen Eindrücken der Aufführungen gehören.

Um so erfreulicher ist es, wenn der Tanz wie jetzt in der Inszenierung der Oper "Der verkaufte Braut" eine ganz besondere Rolle spielt. Für Radek Stopka ist gerade dieses Werk, die tschechische Nationaloper, ohne Tanz, ohne Ballett, ja ohne Einflüsse der folkloristischen Traditionen seiner Heimat nicht denkbar. Man muss ja nur mal die Ouvertüre hören, die feurigen Chorszenen, die eigens nach der nicht so glücklichen Uraufführung 1866 in Prag nachkomponierten Ballettmusiken aus dem Geiste der böhmischen Volkstümlichkeit, das geht ins Blut, das geht in die Beine.

Und daher will er als Choreograf auch nicht verleugnen, aus welchen Traditionen den Komponist schöpft, folkloristische Motive werden in Stopkas Tänzen eine Rolle spielen, er wird sie weiter entwickeln, er wird sie abwandeln, freilich alles in abgestimmter Korrespondenz zur Regie von Arne Böge, dem es dann obliegt, auch die tragikomischen Züge dieses Werkes aus dem Geiste des Singspiels und der Spieloper herauszuarbeiten.

Eine besondere Herausforderung für jeden Regisseur, für jeden Choreografen ist bei diesem Stück der dritte Akt mit dem Zirkus und dem Auftritt der Komödianten. Besonders hier ist die tänzerische Vielfalt der Kompanie gefragt, und es ist keine Frage, da werden sie alles geben, die Tänzerinnen und Tänzer der Staatsoperette, um mit tänzerischer Bravour den musikalischen Vorgaben zu entsprechen.

Letztlich geht es ja auch in diesem Stück darum, gute Laune zu verbreiten, auch wenn man gute Miene zum nicht so ganz koscheren Spiel einer Verkupplungs- und Verwechslungsgeschichte macht. Und da hat der Tanz seine Chance, die Tänzerinnen und Tänzer werden sie nutzen, da ist sich der Choreograf sicher. Die Truppe ist Klasse und unverzichtbar sowohl für dieses Theater als auch für den Reichtum der Facetten des Tanzlandes Sachsen.

Unser Nachbarland feiert 2014 als Jahr der Tschechischen Musik, ein Gruß kommt nun aus Dresden, mit Musik und Tanz und der tschechischen Nationaloper "Die verkaufte Braut" in einer Inszenierung der Staatsoperette Dresden.

Premiere "Die verkaufte Braut" heute, 19.30 Uhr, Staatsoperette

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.05.2014

Boris Gruhl

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