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Pyramide im Strom des Vergessens - Malerei und Zeichnungen von Rainer Zille im Freitaler Einnehmerhaus

Pyramide im Strom des Vergessens - Malerei und Zeichnungen von Rainer Zille im Freitaler Einnehmerhaus

Dem Dresdner Maler Rainer Zille, an den im kommenden Jahr anlässlich seines 70. Geburtstags besonders zu erinnern wäre, ist bereits jetzt eine Ausstellung im Freitaler Einnehmerhaus gewidmet.

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Rainer Zille. Lethe. 2003.

Quelle: Repro: Petzold

Petra Zille hat die Arbeiten ausgewählt, ausschließlich aus dem Nachlass und aus ihrem persönlichen Besitz, mit einer sehr subjektiven Sichtweise, zu der sie neben gemeinsam gelebter Erfahrung besonders ihre eigene Kompetenz als Künstlerin legitimiert. Das Ergebnis erscheint dem Anlass sehr angemessen, gewissermaßen als Anstoß und weil es das Fragmentarische betont und dennoch verallgemeinernde Schlüsse zulässt. Dabei lenkt die Auswahl den Blick besonders auf die reiche und vielfältige Hinterlassenschaft an Arbeiten auf Papier, die zum Teil bereits Anfang der 80er Jahre entstanden sind und wohl überwiegend noch nie öffentlich zu sehen waren. Im Unterschied zu der kleinen Gruppe von Gemälden, die vornehmlich aus den letzten Lebensjahren Zilles stammen und unter denen sich einige Beispiele für die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod finden.

Unter der Gelassenheit eines milchigen Himmels, in dem sich Sonne und Mond verschwistern, wogt reißende Strömung in dramatischen Farben. Ein Fluss, bald lichtblau, bald lindgrün, die unvermeidliche Pyramide mit dem implementierten Rad und neuerdings noch einem Sporn oder Propeller am vermeintlichen Heck - verharrt sie noch am Ufer? Nein, sie wird bereits mitgerissen, das Metronom als Segel des Nachens auf der letzten Fahrt zum endgültigen Stillstand...

Die Lethe, ein Fluss in der Unterwelt. Der Name bedeutet laut Wikipedia Vergessen, Vergessenheit, auch im Sinne von Verborgenheit. Die alten Griechen glaubten, wer vom Wasser der Lethe trinke, verlöre seine Erinnerung vor dem Eingang ins Totenreich. Eine andere Arbeit heißt orakelnd "Wenn ich dereinst..." und zeigt das schon bekannte Gestirn über einem bleichen Kreuz. Der Mond "Auf dem Parnass" gleicht dagegen einer fallenden Säbelklinge, wie sie übrigens auch über einer Collage schwebt, die den Titel "Erinnerung" trägt, hier offenbar gedeutet als Zustand des Gefangenseins in einem engen Verhau unter offenem, von fantastischen Flugobjekten belebtem Tagundnachthimmel. Erlebnis, Poesie und Sinnhaftigkeit verbinden sich bei Zille stets auf rätselhafte, nur fragmentarisch auflösbare Weise. Wie für das Werk gilt das auch für die Biografie. Etwa ab 2004 nutzte der Künstler seine Skizzenbücher vorzugsweise zur Sammlung von Material und für ihn wohl endgültigen Zitaten. Beeindruckend ist die Vielzahl der Quellen, aus denen sich eine Fülle abstrahierter Formen alter Kulturen ergießt, die sich hier gewissermaßen auf einer Ebene begegnen. Es begann, wohl ausgelöst durch ein Stipendium in Columbus/Ohio und eine anschließende Reise bis zum Yellowstone-Nationalpark, bei den Indianern Nordamerikas, führte dann zu den Maya, aber auch in den Fernen Osten, nach Ägypten und in den Vorderen Orient, in die europäische Kulturgeschichte seit der Bronzezeit. Auch aus Australien und Ozeanien kommen Zeichen, Symbole, rituelle Gegenstände, Geister, Göttergestalten, Fabelwesen, die der "anderen Seite" angehören, dem Mythischen und Mystischen, das längst Rainer Zilles Bilder durchweste, aber nun vielleicht bereit war, noch stärker und konkreter hervorzutreten.

Es sollte nicht dazu kommen. Was noch folgte, erwies sich im Nachhinein als Epilog. Aber vom Ende her sollte sich der Ansatz für ein schlüssiges Gesamtbild von Zilles Werk ergeben.

Bis 15. Juni, Einnehmerhaus k.u.n.s.t.-verein Freital e. V. Dresdner Straße 2, Freital. Di-Fr 16-18 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr, an Feiertagen geschlossen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2014

Tomas Petzold

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