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Puristische Bühne für Ritterwesen - Riesensaal zurück im Dresdner Schloss

Puristische Bühne für Ritterwesen - Riesensaal zurück im Dresdner Schloss

Dresden. Puristische Eleganz statt fürstlicher Opulenz: Nach mehr als 300 Jahren hat das Residenzschloss Dresden wieder einen Riesensaal.

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So soll der Riesensaal im Dresdner Schloss künftig aussehen.

Quelle: Archiv

Wo Sachsens Herrscher einst prunkvoll tafelten, Gesandte ferner Länder empfingen oder rauschende Bälle gaben, stehen jedoch Hightech-Podeste und -Vitrinen bereit - für kostbare Harnische der Fürsten und ihrer Pferde.

Architekt Peter Kulka hat das einst zerstörte Original nicht rekonstruiert, sondern interpretiert: mit klaren Formen, indirekter Beleuchtung und dezent-edlen Farben, die künftig eine Konzentration auf die präsentierten Unikate erlauben.Im Februar 2013 wird darin die Ausstellung zum Turnierwesen eröffnet, sagte Finanzminister Georg Unland (CDU) am Mittwoch beim Rundgang.

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Der Riesensaal des Schlosses ist fertig, der Rest muss aber warten - denn der Semper-Bau des Zwingers muss dringend saniert werden.

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Damit kehrt die Rüstkammer nach fast 70 Jahren ins Schloss zurück. Schützkapelle und Großer Schlosshof sind für Unland zwei weitere Highlights, die bis 2013 fertiggestellt werden. Die frühere Schlosskapelle werde dann im Rohbauzustand genutzt. Das Schlingrippengewölbe ist etwa zur Hälfte eingebaut. Architekten, Forscher und Bauleute hatten die mittelalterliche Technik nach 400 Jahren wiederbelebt. Dabei werden gleichmäßig geschlungene Rippen weitgehend frei und mit Kaltmörtel gemauert, der nach historischer Rezeptur gemischt wird.Die aus dem 16. Jahrhundert stammende und 1945 zerstörte Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige wird seit 1985 wiederhergestellt und zum Museumszentrum der Staatlichen Kunstsammlungen ausgebaut. Der 60 mal 13 Meter messende Riesensaal ist ein weiteres Herzstück des Gebäudeensembles.

Er wurde 1548 bis 1553 errichtet und nach den überlebensgroßen Ritter-Freskobildern in den Fensternischen benannt. 1701 fiel der Raum Flammen zum Opfer, Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) baute ihn wieder auf, später folgten mehrfach Veränderungen. Seit April 2010 wird der Saal für rund 13 Millionen Euro ausgebaut. Nun spannt sich in neun Metern Höhe wieder das alte Tonnengewölbe. Aber Architekt Kulka hat es mit einem Rautennetz aus Gipsbändern überzogen - ein Zitat des verlorenen Originals.

Die besonders edle geometrische Form findet sich bereits in anderen Teilen des Schlosses. „Der Tonnengewölbe-Radius von 5,50 Metern wurde bei der Sicherung der Schlossruine in den 1980er Jahren gefunden“, erzählte Coulin. Auf dem Boden liegt dunkler sächsischer Schiefer als Tafelparkett, in den voll klimatisierten und doppelt entspiegelten Hightech-Vitrinen sollen bald Ritter wie im Turnier Spalier stehen.„Der Riesensaal hat die Dimension einer Turnierbahn“, sagt Coulin.

Ein Blick durch eines der Fenster zum Stallhof beweist es. Farblich interpretiert er eher den großen Schlosshof. Da die meist silbernen Exponate die Stars sind, „borgten“ sich die Planer das Grau und das gebrochene Weiß der mit Sgrafitto - eine spezielle Putztechnik aus dem 16. Jahrhundert - gestalteten Fassaden im Großen Schlosshof. Das Tiefgrau wurde mit Gipsspachteltechnik in sechs bis acht Schichten aufgetragen und mehrfach poliert.Farbliche Zurückhaltung wurde mit Naturseide in verschiedenen Rottönen gewählt. Für Farbigkeit sorgen nur Kleidung, Federn und Verzierungen, sagt Rüstkammer-Chef Dirk Syndram.

Auf den noch mit Schutzfolie überzogenen Podesten mitten im Raum sollen von Februar 2013 an Pferde und Reiter das Turnierwesen demonstrieren. „Gruppen werden hier frei stehen, und der Besucher wird wie in einer Art Theaterinszenierung zum Teilnehmer eines Scharfrennens, eines Gestechs oder Fußturniers“, blickt Syndram voraus.Bei der Einrichtung können die Museumsleute aus dem Vollen schöpfen.

„Dresden gehört neben Madrid und Wien zu den drei reichsten Rüstkammern.“ Hier aber sei das 16./17. Jahrhundert so prächtig wie nirgends vertreten. 420 der insgesamt 12 000 Exponate kommen in den Riesensaal, vom Harnisch bis zur Lanze. „Wir zelebrieren die Chevallerie, das was hinter dem Rittertum steht“, sagt Syndram. „Es wird die schönste Rüstkammer der Welt.“

Simona Block, dpa

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