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Puppenfestival lockt ab morgen in seiner fünften Ausgabe nach Dresden

Puppenfestival lockt ab morgen in seiner fünften Ausgabe nach Dresden

Schon wieder Dresden, aber eigentlich eine Nummer zu früh: Das 5. Sächsische Puppentheatertreffen findet, so wie die erste Folge vor reichlich acht Jahren, in der Landeskapitale statt.

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Der Beitrag aus Leipzig ist "Der futurologische Kongress" nach Stanislaw Lem.

Quelle: Tom Schulz

Allerdings steppt von morgen bis Sonntag am Theater Junge Generation in Cotta unter dem Motto "Glanz und Alltag" weniger der Bär, sondern eher echte Menschenpuppenmenschen. Denn anders als beim großen Theatertreffen, das in den geraden Jahrgängen lockt, können die fünf öffentlich-rechtlichen Puppensparten der Theater des Landes nicht ihre gerade obsoleten Stücke zur Leistungsschau entsenden.

Das liegt am Auswahlmodus unter Obhut des Gastgebers, dem Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein: Jede Spartenleitung darf sich aus einem anderen Haus etwas wünschen. Daher kommen vorwiegend ernste und erwachsene Produktionen ins Programm, auch echt wichtige Namen finden sich.

Ob Stanislaw Lem mit "Der futurologische Kongress" vom Theater der Jungen Welt in Leipzig (Freitag, 10 Uhr), Max Frischs "Herr Biedermann und die Brandstifter" vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen (Sonnabend, 19.30 Uhr) oder "Fliegende Hunde" nach dem Roman "Vögel" der Koreanerin Jung-Hee Oh vom neu aufgestellten Figurentheater aus Chemnitz (Freitag, 19.30 Uhr). Und zum Start am Donnerstag (19 Uhr) gibt es Kleist-Geist auf Belgisch: "Heute: Kohlhaas" heißt das Gastspiel vom Agora-Theater aus St. Vith in einer Kooperation mit dem Marabou-Theater Bonn. All das mindestens P15 und auch in der Spieldauer "abendfüllend".

Ein wenig schade ist es, dass nur TJG-eigene Veranstaltungen in der echten Puppenbühne in der runden Mitte der Stadt stattfinden. Nicht nur, weil die Karten im TJG-Haupthaus in Cotta vor allem für Erwachsene bis zu drei Euro mehr kosten und es keinen Festivalpass für Ausdauerfans gibt. Sondern auch, weil es der gelungenste Zeitpunkt wäre, würdig Abschied zu nehmen von der Diaspora, die das Dresdner Puppenspiel - im Wechsel wesentlich beständiger als das Haupthaus - bislang traditioneller Art fristet.

Diese endet vermutlich schon im kommenden Jahr, wenn dann auch die Puppen im Kraftwerk, dem neuen zentralen Domizil in Fußläufigkeit von sechs anderen Bühnen, wirken sollen. Keiner der neuen Gastspieler wird diesen Charme nun kennenlernen, denn auch Eröffnung (Donnerstag, 17 Uhr), die Studentenpräsentation "Glänzender Alltag, alltäglicher Glanz" (Freitag, 21.30 Uhr) und die "Glanz- und Glamour-Party (Sonnabend 22.30 Uhr) nutzen die sympathische Location am Rande der Stadt, die vor allem auf der Großen Bühne, aber auch zum ausschweifenden Schwatz mehr Platz bietet.

Auch ist die Dresdner Sparte erfolgreich in der Publikumsgunst. Eine volle Dynamostadionfüllung ohne Gästefans, also 28 000 Zuschauer, erreichen die TJG-Puppenkünstler mit ihren jeweils 14 Stücken im Repertoire, von denen pro Spielzeit jeweils fünf neue per Premiere getauscht werden. Vor allem mittels Fleiß, also rund 300 Vorstellungen, pro anno. Wie gut so eine Diaspora, also mit eigener Bühne etwas abseits der Verwaltung funktionieren kann, zeigen auch die Bautzener, wo das neu erbaute Burgtheater neben Schauspiel-Kammerspielen und großem Sommerspektakel auf dem Hof auch die Puppen beherbergt. Dort spielen sie eine Hauptrolle: 359 von insgesamt 934 Vorstellungen des Theaters stemmen sie weg und symbolisieren den Vorteil von Puppentheater allgemein: Es ist unaufwändig und flexibel, die Spieler ziehen rasch und andauernd durchs Land und spielen - gern parallel - oft in Klassenzimmern oder für noch Kleinere.

Das Festival, zu dem sich im Gegensatz zu anderen Branchentreffen alle sehen und bleiben, endet am Sonntag (14.30 Uhr) mit einem öffentlichen Fazit. Dort werden dann auch themengerecht Preisträger gekürt: die am wenigsten alltägliche Puppe, dafür der alltagstauglichste Regieeinfall und das glanzvollste Zusammenspiel.

Zum Schluss noch ein Tipp: Da alle Karten mit einem VVO-Kombiticket aufgewertet sind, für die man im ganzen (!) Verbundraum vier Stunden vorher und bis 4 Uhr des Folgetages öffentlich nahverkehren kann, sollte man diese schon vor Anreise haben. Man kann sie sich für 1,50 Euro per schnellstreikender Schneckenpost zustellen lassen - oder aber in der Stadt kaufen: im seligen Rundkino, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.05.2015

Andreas Herrmann

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