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"Prosit, Kálmán!": Applaus für Silvesterkonzerte der Dresdner Staatskapelle

"Prosit, Kálmán!": Applaus für Silvesterkonzerte der Dresdner Staatskapelle

An den letzten Tagen des Jahres 2012 leitete Christian Thielemann erstmals in seinem Amt als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle deren Silvesterkonzert fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

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Operettenglanz in der Semperoper: Das Silvesterkonzert der Staatskapelle unter Christian Thielemann.

Quelle: Matthias Creutziger

Seit dieses öffentlich-rechtliche Ritual zur Jahreswende von den Berliner Philharmonikern auf Kapelle und Semperoper übergegangen ist, werden diese Konzerte hier mit namhaften Gesangsstars und Ausflügen in die Welt der Operette gewürzt. Nach zwei Jahren mit Musik von Franz Lehár stand der Tusch zum Jahresausklang diesmal ganz im Zeichen von Emmerich Kálmán. Und wie 2010 Renee Fleming und 2011 Anna Netrebko, so sorgte auch Diana Damrau 2012 erst für Vorfreude, dann für Aufregung. Denn auch diese großartige Sängerin, vor viereinhalb Jahren Dresdens gefeierte Gilda im "Rigoletto", musste kurzfristig absagen. Sehr kurzfristig!

Wer einer Voraufführung fürs Fernsehen beiwohnte, hat sie wohl noch hören können, die stark erkältete Sopranistin. Von den Abendkonzerten am 30. und 31. Dezember soll ihr ärztlicherseits abgeraten worden sein. Hinter den Kulissen dürfte es daraufhin Herzklopfen im rasanten Dreivierteltakt gegeben haben!

Tradition und Professionalität aber wollen es, dass dem Publikum vor Ort und den diesmal auf um die zwei Millionen hochgerechneten Fernsehzuschauern (2011: 1,22 Mio.) Ersatz geboten wurde. Eine große Chance für Ingeborg Schöpf vom Ensemble der Staatsoperette Dresden. Dort ist die Dame aus dem Heimatland der Operette in Partien von Benatzky, Mozart, Offenbach und Strauß bekannt, mit der Staatskapelle und dem Tenor Piotr Beczala hat sie anstelle der Damrau ein "Prosit, Kálmán!" gestaltet, als wäre sie in den Werken des gebürtigen Ungarn zu Hause. Zwar sang sie einige Nummern quasi vom Blatt, doch erwies sie sich stets so souverän, dass keine einzige Programmänderung vonnöten gewesen ist.

Und Thielemann nahm sie charmant an die Hand, bereitete ihr einen federnden Tanzboden, auf dem sich ihr Sopran mit ziemlicher Leichtigkeit auslassen konnte. Was ihr an Volumen für diese Bühne gefehlt hat, ersetzte der in Polen geborene Beczala mit kraftvoller Präsenz. Er hatte bereits im vorigen Jahr zum Silvesterkonzert debütiert, zeigte sich jetzt einmal mehr mit dem Genre Operette bestens vertraut.

Für das Orchester und den Sächsischen Staatsopernchor ist diese in der Tat nur so genannte leichte Muse eine hohe Schule der Konzentration. Weniger die Taktart und der teils süßliche Schmelz fordern heraus, es sind mehr die Rubati und der Mut zur Gefühligkeit. Thielemann ist da tatsächlich ein Vollblut-Kapellmeister, er fordert handwerkliches Rüstzeug heraus, lässt es im Feinschliff blitzen und glänzen - das reißt alle Beteiligten mit, das vermittelt sich ins Gestühl von Parkett und allen Rängen. Wo nur zu begleiten ist, geschieht das samten und edel, wo aufgepeitscht werden soll, erfolgt das rasant, überwiegend mit Akkuratesse, vital und auf Wogen gebettet.

Die reichen im Fall von Emmerich Kálmán, dessen Enkeltochter Yvonne zum Dresdner Silvesterkonzert gesondert begrüßt wurde, vom Balaton über die Donau bis zur Seine. Dem Komponisten war keine Vita im gülden-kitschigen Operettenstil vergönnt. Abbilder eines Gratwanderns zwischen Tragik und Glück finden sich ohne Ende auch in seinem Werk. Mit der für "Prosit, Kálmán!" getroffenen Auswahl wurde genau diese Phalanx aus Sehnsucht, Schmerz und Schmelz getroffen, die sich auch zu Rückblick und Aussicht beim Jahreswechsel einstellen mag. Schon die voller Emotionen steckende Ouvertüre zu "Gräfin Mariza" traf diesen Nerv. Erdig breit auch das Intermezzo der "Bajadere". Tänzerisch unbefangen - auch mit szenischen Andeutungen - ertönten Ausschnitte der "Csárdásfürstin" und aus "Kaiserin Josephine", Christian Thielemann wagte die Show und stieg vom Pult, um sensibel zwischen Solisten, Chor und Orchester Nuancen zu setzen. Lebensprall besang Beczala als Tassilo das abendlich leuchtende Wien, Schöpf schmetterte die Ninon-Arie aus dem "Veilchen vom Montmartre" im Zugaben-Reigen, es gab Anklänge einer Teufelskapelle sowie hin zu Slowfox und Tango. Kurzum: Die Droge Operette hat gewirkt, war ansteckend, breitete sich in einer Vielfalt aus, die der des wahren Lebens durchaus nahekam.

Da fehlte zum guten Schluss nicht die schon traditionelle Geste an Dresden, um auch die von Johann Strauß Sohn geschichteten Wogen "An der Elbe" wieder zu walzern.

Das Silvesterkonzert der Sächsischen Staatskapelle gibt es ab 4. Januar auf CD und als Download sowie ab 18. Januar auf DVD (Deutsche Grammophon)

www.klassikakzente.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2013

Michael Ernst

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