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Premiere mit Botschafter: „Der Fischer und seine Frau“ am tjg Dresden

Kinder- und Jugendtheater Premiere mit Botschafter: „Der Fischer und seine Frau“ am tjg Dresden

Diese Premiere hatte höhere Weihen. Der vietnamesische Botschafter ließ sich einen Abstecher nach Dresden nicht nehmen, wo die zweisprachige Aufführung „Der Fischer und seine Frau“ Premiere feierte. Eine Kooperation des Dresdner Theaters Junge Generation mit dem Staatlichen Jugendtheater Hanoi. In asiatisch anmutender Farbenpracht.

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Der Fischer und seine Frau (Quang Anh und Iris Pickhard) und das hummerhafte Erzählerduo (Julian Trostorf und Hong Hanh, v.r.).

Quelle: Dorit Günter

Dresden. Der Gastro-Bereich am Theater Junge Generation (tjg) verströmt einen eher pragmatischen Charme, irgendwo daheim zwischen Mensa und Kantine. Ein perfekter Ort, um sich bei der täglichen Probenarbeit oder abends mit den Zuschauern zu begegnen. Ein nicht weniger perfekter Ort aber offenbar auch für das Pflegen bilateraler Beziehungen. Wer am Sonnabend einen Blick in den lichtdurchfluteten Raum warf, konnte sehen, dass sich tjg-Intendantin Felicitas Loewe angeregt unterhielt – und zwar mit dem vietnamesischen Botschafter, der es sich nicht hatte nehmen lassen, für eine Premiere der speziellen Art einen Abstecher nach Dresden zu machen.

Grund dafür war die deutsch-vietnamesische Produktion „Der Fischer und seine Frau“, eine Kooperation des tjg mit dem Staatlichen Jugendtheater Hanoi sowie dem Goethe-Institut Vietnam. Bereits im November hatte die vietnamesische Variante der Inszenierung in Hanoi Premiere gefeiert, vor einer Woche war das Gegenstück in deutscher Besetzung von Regisseur Dominik Günther gefolgt. Nun also gab es eine Art Verschmelzung beider Spielarten. Diese zweisprachige Ausgabe mit Beteiligung vietnamesischer Schauspieler wird in den kommenden Tagen noch am tjg gezeigt.

Die kleine Studiobühne verwandelt sich dabei dank eines einfallsreichen Bühnenbildes (Do Doan Bang) zweifelsfrei zum Domizil des armen Fischers samt größenwahnsinniger Frau. Im Hintergrund ein Meer aus Dschunken-Segeln, das nicht nur zur Leinwand für Videoeinspielungen wird, sondern durch die Aufhängung auch ganz leicht in Bewegungen versetzt werden kann, als würden darunter die Wellen tanzen. Im Vordergrund das, was im plattdeutschen Original „Pissputt“ heißt: die ärmliche Behausung des Paares. Dazu reichen ein paar Holzpaletten.

Effekte ohne Effekthascherei

Dieser den harten Alltag widerspiegelnden Eintönigkeit wird schiere Farbfülle entgegengestellt. Das beginnt beim Hummer (Julian Trostorf), der als Erzähler agiert, dabei aber in Bewegung und Geräusch jedem freilebenden Artgenossen zwischen Maine und Helgoland Konkurrenz macht. Später bekommt auch er ein weibliches Pendant (Hong Hanh). Vor allem aber überstrahlt der wundersame Butt (Anna Charlotte Menzel und Manual de la Peza) mit seiner Farbenprächtigkeit, die deutliche asiatische Züge zeigt, das Grau des Fischerdaseins. Der Fischer (Quang Anh) wird von seiner Frau (Iris Pickhard) gepiesackt, was das Zeug hält. Schließlich hatte er den sprechenden Butt ja gefangen und wieder freigelassen. War der ihm damit nicht was schuldig? Wünsche zu erfüllen? Reichtum, Macht, Weltherrschaft? Was ja eigentlich nur die Wünsche seiner Frau waren. Eine fabelhafte Fabel, auch wenn die finale Rückkehr des Paares zur erzwungenen Selbstgenügsamkeit immer etwas zu lehrreich im protestantischen Sinne daherkommt.

Effekte ohne Effekthascherei werden auf der Bühne einfach produziert (und kommen beim jungen Publikum gut an, wie der akustische Widerhall bewies), so der Sturm auf See mittels Ventilator und Wassersprühflaschen. Dazu gesellen sich des Textes. So redet der Butt tatsächlich mit den Stimmen beider Spieler, die sich auch mal widersprechen, im harten Schulhofjargon. Sagt der Butt-Kopf (Menzel) zu seinem schuppigen Ende (de la Peza): „Schnauze, Schlappschwanz!“ Antwortet der: „Schnauze, Schnauze!“

Vor Anleihen beim modernen (pardon: großen) Theater schreckt das tjg dabei gleichfalls nicht zurück, wieso auch. Die Videoeinspielungen von vietnamesischen und deutschen Kindern, die auf Fragen antworten, die gerade auch im Stück eine Rolle spielen, sind klar zielgruppenzentriert. Diese junge Generation fühlt sich von solchen Bilderreizen nicht überflutet, im Gegenteil. Sie hält sich eher dann, peinlich berührt, die Augen zu, wenn sich der Fischer in Ruhe neben seine Frau legt…

Im Publikum sitzen viele Angehörige der vietnamesisch-sprachigen Gemeinde. Was kein Wunder ist, sind in Dresden doch viele von ihnen daheim (2014 waren es laut jüngster Kommunalstatistik 1667, die hier als Ausländer aus Vietnam gezählt wurden – dazu kommen aber in der Folgegeneration immer mehr Kinder, die hierzulande geboren sind). Und doch redet niemand, auch und gerade bei so einem Stück, vordergründig von Integrationstheater. Weil sowas an Orten wie dem tjg immer schon alltäglich war. Eine Selbstverständlichkeit, die dennoch ab und an dezent betont werden darf.

nächste Aufführungen: heute bis Donnerstag jeweils 9 und 11 Uhr, Freitag 10 Uhr

www.tjg-desden.de

Von Torsten Klaus

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