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Premiere des Stücks "Kreide fressen" des Theater La Lune im Societaetstheater Dresden

Premiere des Stücks "Kreide fressen" des Theater La Lune im Societaetstheater Dresden

"Gut langt nicht. Heute muss man besser sein." Diese Sätze haut eine Mutter der Lehrerin ihres Sohnes um die Ohren und fordert, dass "ihr Robin" am Ende des Schuljahrs zu den besten fünf der Klasse gehören wird.

Ultimativ. Da ist er wieder, dieser Druck von außen, der im Theaterstück "Kreide fressen" den Lehrern das Leben schwer macht. Das Thema zieht sich durch die ganze Aufführung, die im - natürlich ausverkauften - kleinen Saal des Societaetstheaters Premiere feierte. Nicht nur auf der Bühne, auch im Schulalltag ist dieser Druck immerzu spürbar, wie die Theatermacher sagen, denn das Stück ist nach langer Recherche an Schulen in Dresden und dem Umland entstanden, basiert auf Interviews mit Lehrern und Schülern.

Auf dem Bühnenboden, einer gigantischen Schultafel, stehen Lehrerfiguren im Mittelpunkt. Julia Amme, Olga Feger, Andreas Jendrusch und Karolina Petrova vom freien Ensemble Theater La Lune spielen in assoziativ verbundenen Szenen Pädagogen, wie sie im beengten Lehrerzimmer um ein bisschen Platz zum Atmen ringen, wie sie sich mit strenger Hierarchie und ihrem Pensum abmühen oder sich in der Raucherecke, gleich neben dem Müllcontainer, über die Schüler aufregen, mit ihrem Pausengezänk, ihrem ständigen Gähnen und ihrer wilden Fragerei.

Die angefeindeten Schüler kommen auch zu Wort, in rascher Folge zusammengeschnittene Interviewsequenzen werden in Ergänzung zum Geschehen auf der Bühne an die Wand geworfen. Da ist auch Raum für Heiterkeit. "An der Schule mag ich vor allem die Freizeit, die ich in der Pause habe", sagt ein Schüler und hat die Lacher auf seiner Seite. "Warum gibt es nicht mehr Spielszenen mit Schülern?" wurde in dem bei Theater La Lune üblichen Gespräch nach der Aufführung aus dem Publikum gefragt. Tatsächlich kommunizieren Schüler und Lehrer im Stück nicht, obwohl sie sehr viel übereinander reden. Immerhin: Spiel und Einspielungen korrespondieren, etwa wenn Lehrer und Schüler gleichermaßen Bauchschmerzen vor der Benotung empfinden. Beide haben ihre Probleme mit dem Schulsystem, mit dem Druck darin. Immerhin diese Gemeinsamkeit wird deutlich.

Was nicht heißen soll, dass die Dramaturgie in die Klischeefalle getappt sei. Es ist ein Verdienst der Aufführung, dass sie das "böse System" nicht in den Vordergrund rückt oder den Lehrer als ewige Jammerfigur, wie er immer mal wieder durch die Medien geistert. Diese Lehrer rackern sich ab, resignieren nicht. Sicher, die Dinge laufen schief, das ist in jeder Szene spürbar. Weil der Fokus aber immer bei den, wenn auch namenlosen, Figuren und ihren jeweiligen Konflikten bleibt, kommen vor allem zwischenmenschliche Probleme und innere Konflikte zum Tragen. "Du versaust uns ja den ganzen Schnitt", nörgelt etwa das Kollegium an der Notenvergabe einer Lehrerin herum. Es sind Menschen, die unter Stress stehen und den Druck auf andere erhöhen. Insofern ist "Kreide fressen" kein Schulstück, sondern eines, das sich überall in der Gesellschaft widerspiegelt. Dass möglichst viele Lehrer und Schüler sich mit dem Stoff auseinandersetzen, wünscht man sich aber trotzdem.

inächste Aufführungen: 20., 21. & 22. Februar

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2013

Uwe Hofmann

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