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Premiere des Dresdner Festspielorchesters in der Semperoper

Premiere des Dresdner Festspielorchesters in der Semperoper

Dieses Orchester weiß von den Sitzen zu reißen. Jubel, stehende Ovationen, Getrampel beim Premierenkonzert in der Semperoper. Es spielt aber auch mit einer verdammt prickelnden Frische und Energie, seine Mitglieder sprühen vor Musizierlaune.

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Das Festspielorchester mit dem Dirigenten Ivor Bolton und dem Geiger Giuliano Carmignola.

Quelle: Oliver Killig

Alle sind hervorragende Musiker, Virtuosen ihres Instruments. Das Musikfestspiel-"Kind" Dresdner Festspielorchester ist geboren, mit Triumph in die Welt gestellt, nun muss es sich entwickeln.

Musiker aus unterschiedlichen Orchestern für ein Festival zu einem neuen Klangkörper zu einen, ist gängige Praxis. Die auf die Initiative des Dresdner Musikfestspielintendanten Jan Vogler zurückgehende Neugründung nun zielt auf historische Ausrichtung. Sich in der Tradition des "Orchestra di Dresda", der Hofkapelle des 18. Jahrhunderts sehend, will das Festspielorchester die einstige kulturelle Blüte jener Epoche musikalisch erlebbar werden lassen. Die hier versammelten Musiker aus diversen auf historische Aufführungspraxis spezialisierten Ensembles Europas werden dies schon oft getan haben, denn das epocheprägende Repertoire der Hofkapelle wird nicht nur in ortsansässigen Projekten gern gespielt. Noch mehr Aufmerksamkeit von außen kann den Schätzen Dresdner Musikgeschichte natürlich nur gut tun.

Dafür wurde quasi neu gewürfelt und gemischt - wie hoch die Authentizität sein kann und will, wird die Zukunft zeigen. Momentan gibt man sich offen: Die einen Streicher spielen Barockbögen, die anderen moderne. Die noch kurze Orchestervita nennt Johann Georg Pisendel als einen Bezug und kann in dessen Position als Konzertmeister und Solist einen so brillanten Geiger wie Giuliano Carmignola präsentieren. Der könnte das Amt des Konzertmeisters im damaligen Sinne des Orchesterleiters mehr als nur erfüllen, gleichwohl steht dem Festspielorchester mit dem agilen Briten Ivor Bolton zusätzlich ein Dirigent vor. Zudem ist das Ensemble vergleichsweise groß besetzt - wohl, wie das Programm der Matinee, Hinweis darauf, dass man das zeitliche Feld, das man beackern will, so eng nicht begrenzt.

Üppig also erklangen zunächst auch Werke J. G. Naumannns, W. F. Bachs und Joseph Haydns. Des letzteren Violin-Konzert Nr. 3 A-Dur war eine besondere Perle darunter - herrliche Minuten, einzutauchen in die grandiose Kunst des Virtuosität und fesselnde Kantabilität, ehrlichen Musiziergeist und Charisma einenden Giuliano Carmignola.

Mit Arien aus Naumanns Oper "Aci e Galatea" sowie Mozarts "Exsultate, jubilate" präsentierte sich die zumal mit barockem Repertoire international reüssierende Danielle de Niese. Die Chancen, sängerische Virtuosität zu unterstreichen, nutzte die mit einer kräftigen, leicht rauchigen Stimme ausgestattete Sopranistin weidlich; Entwicklungspotenzial hat die junge Sängerin hinsichtlich der Klangfarben.

Den rauschenden Schlusspunkt schließlich markierte Beethovens 1. Sinfonie in einer Meisterleistung an Präzision und Schwung, zumal eingedenk der nur dreieinhalb Probentage für ein absolut neues Orchester. Ein identitätsstiftender, auf Nuancen abgestimmter Orchesterklang freilich, der braucht Reife. Noch war bei diesem Beethoven eine gewisse Diskantlastigkeit zu verzeichnen, hätte man sich etwa im Menuetto mehr motivische Raffinesse gewünscht. Und im Finale - mit Verlaub - gingen die Pferde etwas durch, schlug der spielerische Enthusiasmus der Musiker passagenweise in pure Lautstärke um.

Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung des Festspielorchesters zu verfolgen, zu sehen, inwiefern es den Kontakt zu Vorhandenem sucht. Konkretes mögen die Musikfestspiele noch nicht sagen. "Es gibt jede Menge Ideen, Vorschläge, Pläne, die müssen nun erst einmal gefiltert werden", so Pressesprecherin Susanne Lutz. Das Engagement im Rahmen der Festspielzeit zu erweitern, gehöre ebenso zu den Optionen, wie Projekte außerhalb denkbar seien.

Sybille Graf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.05.2012

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