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Premiere: Komödie "Jürgen von Nazareth" im Dresdner Wechselbad

Premiere: Komödie "Jürgen von Nazareth" im Dresdner Wechselbad

Kaspar, Melchior und Balthasar sind Haschbrüder. Das riecht bestimmt nicht nach Weihrauch und Myrrhe, wenn die auftauchen, sondern nach Haschisch - da ist sich der als Zimmermann den Lebensunterhalt der Familie bestreitende Joseph, der ja schließlich "auch mal jung war", ganz sicher.

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"Jürgen von Nazareth" mit Dietmar Burkhard, Jens Eulenberger und Ursula Schucht (v.l.).

Quelle: Jens Kunze

Die Familie, das sind er, seine Frau Maria und dieser mit 30 Jahren immer noch im Hotel Mama herum lümmelnde Nichtsnutz von Sohn, wobei "noch zu beweisen" wäre, ob der aus seiner Pupskiste nicht herauskommende und nur auf dem Laptop herum tippende Jürgen überhaupt sein Sohn ist.

Mit der Komödie "Jürgen von Nazareth" von Michael Herl, die jetzt im Dresdner Wechselbad Premiere hatte, hat die Bühne nun ein Stück ins Repertoire aufgenommen, das wie geschaffen für die Adventszeit zu sein scheint. Diese Familie dürfte nämlich selbst kirchenfernen Kreisen seltsam bekannt vorkommen, auch wenn der Sohn des Hauses Jürgen und nicht Jesus heißt, das Geschehen nicht in einem Stall, sondern in einem "typischen" Arbeiterhaushalt spielt.

Dietmar Burkhard und die anfangs etwas textunsichere, dann aber nicht minder überzeugend aufspielende Ursula Schucht sind die Eltern Joseph und Maria, Jens Eulenberger verkörpert den langmähnigen Schluffi von Sohn, der ein lila T-Shirt mit der Aufschrift "Jürgen lebt" am dürren Leib trägt und die "Insel-Begabung", die ihm in der Schule attestiert wurde, u.a. dazu nutzt, Wurstbrote in besser mundende Muffins und einfach "göttlich" schmeckende Buletten zu verwandeln.

Irgendwie hat man zunächst Mitleid mit den Eltern, vor allem mit Joseph, der gezwungen ist, Aufträge anzunehmen, die ihm abverlangen, Möbel "billiger, aber besser" als Ikea zu schreinern. Die Zeiten sind hart, einen Esstisch für 13 Personen vom Typ Judas braucht in der Single-Gesellschaft von heute ohnehin keiner mehr. Im Gegensatz zu seiner Frau, die Talisman sagt, wenn sie Taliban meint, ist dieser Joseph der deutlich mehr im Leben Stehende. Und es macht einfach Spaß, Burkhard zuzusehen, wie er dieser im Neuen Testament zur "unwichtigen" Nebenfigur degradierten und später nur noch einmal im Lukas-Evangelium auftauchenden Gestalt (wo Joseph zusammen mit Maria tagelang den zwölf Jahre alten Jesus sucht und ihn schließlich im Tempel findet) des Joseph Leben verleiht. Wie Burkhard mit den Augen rollt, wenn der Sohn, dessentwegen er sich mit seiner Frau wieder und wieder in die Haare kriegt, erklärt "Geld ist nicht wichtig. Geld verdirbt den Charakter!" Oder wie er ausspuckt und sich bekreuzigt, wenn der Name Karl Marx fällt. Und als sich herausstellt, dass die Geschäftsidee Jürgens, der irgendwann angefangen hat, "herumzuheilen", ungemein erfolgreich ist, könnte der Vaterstolz größer kaum sein.

Alles in allem ist die Inszenierung von Ulrich Schwarz recht ansehnlich geraten. Die mal vortrefflichen, gelegentlich aber auch bemüht wirkenden Anspielungen sind - außer für Fundamentalisten im Glauben natürlich - in der Regel erheiternd. Der Witz kommt nicht zu kurz, auch wenn es Krippenspiele gibt, in denen dieser anarchischer ist. Das Happyend, zu dem auch gehört, dass Joseph dank Jürgens Wirken mit den Worten "Maria, schnall dich an" wieder sexuell aktiv wird, kommt allerdings etwas holterdiepolter und wirkt von der Konstruktion der Story her bemüht.

Nächste Vorstellungen: 27. November sowie 5. und 9. Dezember im Wechselbad

Karten: Tel. 0351/65 29 75 11

www.theater-wechselbad.de/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2012

Christian Ruf

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