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Premiere: Die Farce "Im falschen Film" an Hoppes Hoftheater in Weißig

Premiere: Die Farce "Im falschen Film" an Hoppes Hoftheater in Weißig

Als Hölle pur entpuppt sich das Abendessen, das Stephen und Jo "für Freunde" in der Farce "Im falschen Film" geben, das Petr Zelenka unter Verwendung des Theaterstücks "Chinesen" von Michael Frayn verfasst hat und das in Hoppes Hoftheater Premiere hatte.

Denn unter den Gästen sind neben Laura und John auch Bee und Barney, die sich, was Stephen nicht wusste, gerade getrennt haben. Bee, die mit dem Satz "weniger vernünftig als Bee kann man gar nicht sein" ganz gut charakterisiert ist, kommt mit Alex. Auch er ein Typ, wo die Toleranz an Grenzen stößt.

Sieben Leute sind zu spielen - de facto dann nur fünf, weil John und Laura, abgeschoben ins Wohnzimmer wie zunächst auch Bee und Alex, keinen einzigen Auftritt auf der Bühne haben. Ein Gast dort Suppe auslöffelnd und Whiskey kippend, die anderen da, und die Gastgeber, deren kommunikative Fähigkeiten gefragt sind, mal hüben, mal drüben. Auch eine Form von Trennkost. Absolviert wird der verbale wie physische Parcours von Cornelia Kaupert und Carsten Linke, die mittels Kostüm-, Stimm- und Dialektwechsel zwei bzw. drei Figuren spielen. So taucht Carsten Linke, soeben als Barney in der Küche versteckt, aus einer anderen Tür kommend wieder als Stephen auf. Es sind drei Türen, die in dieser Boulevardklamotte einem regelrechten Belastungstest unterzogen werden. Tür auf, Tür zu - eine Komödie, die auf diesem früher ungemein populären, heute eher verpönten Prinzip basiert, war in Dresden lange nicht mehr zu sehen.

Wenn einer das inszenieren kann, dann Peter Kube, der hinlänglich bewiesen hat, dass er von Humor wie Satire etwas versteht. Sollte man meinen. In diesem Fall ist das Ergebnis allerdings erstaunlicherweise denn doch mager. Linke und Kaupert geben alles, haben sichtlich Freude daran, beim Wechselspiel der Körper in punkto Schauspielkunst alle Register zu ziehen. Es ist die Vorlage, ihre Konstruktion des Komischen ist einfach dünn. Selbst die per Film eingespielte Rahmenhandlung ist nicht weiter von Belang. Man fragt sich schon, weshalb Zelenka nachgesagt wird, Spezialist für "Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn" zu sein.

Dass Stephen sich die Namen von Dingsda und Dingsbums, äh, Dick und Doof, äh, also John und Laura nicht merken kann, hat sich als running gag jedenfalls bald erschöpft. Und Bee und Alex sind als Personen einfach zu schrill angelegt, dermaßen nervig und nicht dem Alltag entnommen, dass man froh ist, dass die Gästeliste nicht länger ist. Es gibt ein paar nette Sätze, wie sie halt so fallen in Beziehungen, etwa: "Ich habe zugehört, hab's nur wieder vergessen". Aber zu vieles ist einfach unglaubwürdig. Warum Barney darunter leiden sollte, dass Bee ihn verlassen hat, erschließt sich beim besten Willen nicht. Dafür begrabscht und bebaggert er viel zu schnell Jo und dann auch noch Alex, den er der langen Haare wegen für das Au-pair-Mädchen der Gastgeber hält.

Es wird zwar mehr gelacht als auf FDP-Wahlabendpartys, aber vor allem nach der Pause ist es mit Lachern nicht mehr weit her. Der Beifall war trotzdem wie gewohnt in Hoppes Hoftheater freundlich, aber denn doch enden wollend. C. Ruf

Vorstellungen: 7.4 und 18.5., jeweils 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.04.2012

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