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Präsentation der Palucca Hochschule für Tanz im Dresdner Festspielhaus Hellerau

Präsentation der Palucca Hochschule für Tanz im Dresdner Festspielhaus Hellerau

Längst gilt auch im Osten der globale "Freihandel" mit Tänzerinnen und Tänzern: Die Messlatte liegt hoch, was die Technik, die Ausstrahlung und artistische Körperbeherrschung angeht.

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Time (in) Line mit Victoria Schon und Ludwig Hartvig Moller.

Quelle: Fiebig

Selbstverständlich muss dabei auf den etablierten Bühnen zu aller "Schinderei" meist auch noch permanent gelächelt werden. Es lohnt sich, diesbezüglich den jüngsten Dokumentarfil "First Position" anzuschauen. Schon die Jüngsten müssen gegen ihre Jahrgangskonkurrenz gnadenlos international bestehen. Es geht dann - oft nur den ehrgeizigen Eltern - um den Erfolg ihrer Sprösslinge, koste es was es wolle. Dies auch, wenn Füße und Rückrat dabei verstümmelt, ja gebrochen werden-

Scheinbar erst einmal ganz anders zur Bachelor-Präsentation im Festspielhaus Hellerau: Vierzehn selbst choreografierte Aufführungen, die bis ins Herausragende reichen. Das betrifft die Performance, die Musik und nicht zuletzt die immer gleiche, aber hoch variable Spielumgebung. (Von Bühne wollen wir ja in Hellerau nicht sprechen - die wurde ja gerade dort auf spektakuläre Weise abgeschafft!)

Prozesseines Ankommens

Fangen wir den insgesamt spannenden Abend der Palucca Hochschule für Tanz Dresden ganz von hinten an, mit dem letzten Stück "Gleis 2.0" - getanzt und choreografiert von Jana Blume: Es beginnt mit einer schwarz-weißen Videoprojektion im Hintergrund: "Scheitern" am Bahnsteig in Richtung Meißen oder in welches "In the middle of anywhere" auch immer- Der Automat will das Geld für den Fahrschein nicht schlucken, das Warten auf den Zug wird zur spätmodernen "Odyssee", die an den jeweiligen Enden im "stop and go" Bewegungsfelder der "E-Motions" öffnet. Das Warten, sich Langweilen oder Ärgern im Video - wer kennt nicht hiesige "Bahnverhältnisse" - wird zum Prozess eines Ankommens, eines leibhaftigen Bei-sich-Seins auf der Bühne. Man ist an die Erzählung "Warten Vergessen" von Maurice Blanchot erinnert: Unser "Warten auf" muss zu sich kommen, sich in eine Reise zu sich entfalten - eben wesentliches Da-Sein im eigenen Leib werden-

Video ist hier nicht Effekt geladenes Beiwerk, sondern dient der konsequenten Außenansicht dessen, was die Erzählungen des Körperlichen betrifft, also keine Konkurrenz zum Physischen, sondern Hintergrund, ja scheinbar banaler Urgrund: Unsere (Nicht-)Präsenz im Alltäglichen. Also Arbeit an der Inwendigkeit, eben Lebendigkeit unseres Da-Seins.

Herausragend waren die "Licht- und Klangumgebungen" aller Stücke. Die Studenten schneiden und produzieren ihre auditiven und visuellen Umgebungen meist selbst. Auch mit Hilfe des Medientechnikers Toni Stolz ist es möglich, dass "Medienkunst zum wesentlichen Bestandteil des Studierens an der Schule geworden ist", so Rektor Jason Beechey.

Ebenfalls herausragend die Bühnenbilder. Das geniale Konzept einer konstanten und zugleich variablen Bühne, die Gliederung des Tanzraumes in Vordergrund und Hintergrund bot viel Raum, um Polaritäten hervorzuheben: Nähe und Distanz, Fassade und Innenleben, Bewusstes und Unbewusstes, Abgehobenes und Alltägliches- Zu verdanken ist diese, an beste Hellerauer Gründertradition (Appia, Salzmann) erinnernde Raum-Licht-Konstallation, Ted Meier (Produktionsleiter) - einem künstlerischen Forscher zwischen Raum und Zeit. Wie die Absolventen die räumliche Grundkonstellation ganz persönlich für sich entdeckt und für ihre Arbeiten inszeniert haben, war teilweise famos. Es bedarf eben gewisser Konstanten, um Eigensinnigkeit entfalten zu können: "Ohne Regel kein Verkehr!", wie Herbert Grönemeier singt. Dabei gehe es heute zunehmend - eben wie vor einhundert Jahren in Hellerau - "um die performative Untersuchung von Relationen zwischen Körper und Raum. Und das auch außerhalb des konventionellen Bühnen- und Theaterbetriebs", so Jason Beechey.

Das Haus ermöglicht genau das richtige Umfeld, um diese Art von Untersuchungen möglich zu machen: Die Architektur, die variable ausgezeichnete technische Ausstattung und nicht zuletzt das kompetente und engagierte Hellerauer Technikteam bieten Raum für noch mehr Experiment, ja für hoch brisante künstlerische Forschungen bis an den Grenzen zu Wissenschaft, Technologie und Philosophie.

Am Ende tosender Applaus und Standing Ovations im ausverkauften Haus für alle Beteiligten. "Besonders dieser Jahrgang" - so der Projektleiter der Abschlusspräsentationen, Jason Beechey, "war von Anbeginn ein sehr engagierter, kreativer und dies in allen Fächern". Stellvertretend dafür standen für mich neben "Gleis 2.0" die Performances "Asteroid B 612", "Irgendwo Nirgendwo", "disunity" und "Malala".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.07.2013

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