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Präsentation der Ankäufe der Sächsischen Kulturstiftung

Ausstellung Präsentation der Ankäufe der Sächsischen Kulturstiftung

Sachsens Kulturstiftung hat wieder Kunst angekauft und präsentiert die Erwerbungen im HfBK-Labor in der Güntzstraße. Die Zusammenstellung und Präsentation wirft jedoch Fragen auf.

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Blick in die Ausstellung.

Quelle: Kunstfonds © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Martin Förster

Dresden. Wer kauft heute Kunst und warum? Der derzeitige Kunstbetrieb scheint v.a. durch die Extrempole von einerseits prekärer und andererseits spekulativer Nachfrage gekennzeichnet, aber kaum durch eine Normalität im Gebrauch von Kunst. In Sachsen tätigt nennenswerte Kunstkäufe v.a. die öffentliche Hand durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Das Warum für die jährlichen Erwerbungen ist bezeichnet mit „Förderankäufe“. Auch bei der Richtlinien geleiteten Auftragsvergabe an Künstler im Rahmen staatlicher Hochbaumaßnahmen wird ebenso ausdrücklich von der Förder-Aufgabe ausgegangen, als ob es keinerlei Gründe für Ausgaben für Kunst jenseits der Künstleralimentierung gäbe und nichts, was Kunst und Künstler ihrerseits der Öffentlichkeit zu bieten hätten.

Ein großer Teil der im letzten Jahr erworbenen „Neuzugänge“, die in den Sammlungsbestand des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen eingegangen sind, ist derzeit in einer Ausstellung im „Labor Güntzstraße“ zu sehen. Die Präsentation geht von denkbar agilen Voraussetzungen aus, indem sie den langjährig für die Öffentlichkeit verschlossenen sogenannten „Orientalischen Raum“ der ehemaligen Kunstgewerbeschule Güntzstraße/Ecke Gerokstraße nutzt und mit Kunst lebendig wahrnehmbar machen will. Leider zeigt sich, dass ein guter Wille nicht ausreicht. Mit den Qualitäten der Kunst kann man nicht hausieren gehen, ohne dass man sie differenziert einsetzt. Den neu erschlossenen Raum (zumal als Auftakt für geplante weitere Ausstellungen) pragmatisch für die Präsentation eines aus Einzelvorschlägen zusammen gekommenen disparaten musealen Ankaufskonvoluts zu nutzen, verschenkt ein Potenzial. Die Besichtigung der hier im Raum dekorativ aufgereihten Positionen aus den Förderankäufen bleibt vom Anfang bis zum Ende von einem muffigen Eindruck begleitet. Die Möglichkeit, Kunst differenziert an historischen Räumen und Kontexten arbeiten und künstlerische Objekte im Einzelnen und im Zusammenklang bewusst auf den Hauch der Vergangenheit verlebendigend reagieren zu lassen, wird so nicht genutzt.

Bei den Ankäufen, bzw. bei der durch den Kunstfonds kuratierten Ausstellungsauswahl dominieren die fotografischen und Video-Positionen. Wie der Begleittext zur Ausstellung formuliert, geht man von zwei Kategorien von Arbeiten aus, einerseits den „gesellschaftlich engagierten“ und andererseits solchen mit „formal-ästhetischen Fragestellungen“. Die Trennung des Ersteren vom Letzteren macht jedoch im Zusammenhang mit der Bewertung bildkünstlerischer Qualität keinen Sinn. V.a. die Videos vor dem Hintergrund eines politischen und dokumentarischen Interesses, wie bei der zweiteiligen Darstellung des Zwickauer rechtsextremen Milieus von Henrike Naumann (Jg. 1984) oder Thomas Taubes (Jg. 1984) „Dark matters“ können zwar Aufmerksamkeit für ihre Darstellung von aggressiver Jugendkultur und Verlorenheit erzeugen, aber mit ihrem dokumentarischen oder Kammerspielcharakter kaum einen entschiedenen bildnerischen Umgang mit der Filmform schlüssig machen. Bei Stephanie Schröders (Jg. 1981) Film „Ein Bild abgeben“ scheint die medienrelevante Thematisierung von Bildwelten nur in Ansätzen und unausgereift stattzufinden und man ist sich der Bewusstheit der Künstlerin über die Form der Entsprechung der Darstellung mit dem analysierten Foto-Promotion-Geschäft nicht wirklich sicher. Mit einem nicht nur inhaltlichen sondern auch formalen Interesse fühlt man sich bei den konventionellen Medien dann doch besser aufgehoben. Die großformatigen Zeichnungen in Öl bzw. Tusche auf Papier von Sebastian Nebe (Jg. 1982) und Birgit Schuh (Jg. 1970) oder Siebdrucke von Christian Schellenberger (Jg. 1980) zeigen, so unterschiedlich wie ihre Sujets sind, einen kraftvollen und entschiedenen Umgang mit dem je gewählten Material und in ihrer Handschrift. Wenig innovativ erscheinen dagegen die dann doch etwas überholt daher kommenden Lithografien von Franziska Güttler (Jg. 1978) und Leinwandbilder von Klaus Walter (Jg. 1964). Vielleicht unberechtigt ist die Aufmerksamkeit für die vier fotografischen Serien und ihre je zu durchdringenden inhaltlichen Recherche-Kontexte nicht umfänglich gegeben. Deutlich ins Auge fällt die 12teilige Serie von schwarz/ weißen Handabzügen auf Barytpapier von Martin Reich (Jg. 1979) sowie die 9teilige Farbserie mit gefalteten und reflektierenden Fundobjekten von Caroline Hake (Jg. 1968). Möglicherweise ist die Menge der fotografischen Positionen kein Zufall, sie scheinen am eindeutigsten dann doch den gesellschaftlich engagierten mit einem formal-ästhetischen Anspruch vereinen zu können. Die Arbeit von Jirka Pahl (Jg. 1976) bringt mit einer etwas plakativen Analogie unter dem Titel „Rugs“ (Teppiche) den augenscheinlichen Frottage-Abbrieb eines Teppichs zusammen mit der Fotografie eines Obdachlosenlagers, dessen einzelne Höhlungen sie auf dem Foto mit „Küche“, „Bad“, „Büro“ etc. beschriftet hat. Auf die Künstlerin Angelika Waniek (Jg. 1975), deren Performance der Ausstellung den Titel gibt, verweisen zwei Fotografien. Angesichts der Einzelarbeiten bleibt eine Einordnung der diversen künstlerischen Ansätze schwierig. Interessant aber auch etwas spitzfindig, weil kaum einordenbar bzgl. seines spezifischen inhaltlichen und formalen Interesses erscheint so z.B. Robert Schwarks (Jg. 1983) „o.T.“ auf Aluminium ganz am Ende der Präsentation.

Leider kann sich in solcher Präsentation einer Sammlungs-Mischung ohne pointierte Referenzperspektive eine sinnvolle Anwendung und Relevanz von Kunst in der Gesellschaft kaum weitervermitteln und die Öffentlichkeit nur schwer vom Wert der Kunst und ihrer Angebote überzeugt werden.

„Vor Ihnen, das Meer – resp. Der Asphalt, die Schäden…“ Labor Güntzstr. 34, bis 24. April, Do/Frei 14-20Uhr, Sa/So 10-18Uhr

Von Lydia Hempel

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