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Politisch-satirische Aufklärung der Massen durch Volker Pispers im Dresdner Schauspielhaus

Politisch-satirische Aufklärung der Massen durch Volker Pispers im Dresdner Schauspielhaus

Man muss nichts Arges dabei denken, wenn da einer der Bundeskanzlerin die Abkürzung GRÖTAZ um den Hals hängt. Immerhin schwingt im vollen Wortlaut viel Respekt mit.

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Der Polit-Satiriker Volker Pispers zog am im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus vom Leder.

Quelle: Johannes Wallat

Denn als "größte Taktikerin aller Zeiten" bezeichnet zu werden ist eigentlich alles andere als ehrenrührig. Vorsicht ist dennoch angesagt, denn der Kabarettist Volker Pispers stellte diese Abkürzung in einen völlig anderen Kontext. Und der lautete: "Diese Frau ist komplett rückgratlos und dabei extrem flexibel." Auch das ist in der unendlichen Kette an Urteilen über ranghohe Politiker der Gegenwart natürlich keine neue Erkenntnis. Und schon überhaupt kein Wunder. "Ein Wunder aber ist", so das Resümee von Pispers, "dass sich die vielen Millionen verarschter Menschen immer noch so ruhig verhalten."

Pispers, 1953 in Mönchengladbach geboren, studierte einst Anglistik, Pädagogik und katholische Theologie. Eine Mixtur, die ihn letztendlich auch bewog, auf die Bühne zu gehen und von dort aus die politisch-satirische Aufklärung der Massen zu betreiben. Das tut er seit 25 Jahren. Um sich die Suche nach immer neuen Programmtiteln zu ersparen, tourt er mit seinem Bühnenprogramm seit 2002 unter dem etwas flapsigen "Bis neulich!" quer durch die Republik. Und füllte damit nun auch das Dresdner Schauspielhaus bis zum letzten Platz. Runde drei Stunden lang präsentierte Pispers wunderbar bissige und brandaktuelle politische Satire. Erklärte er die politische Welt der Gegenwart aus der Sicht eines ganz normalen Bundesbürgers, der im politischen Ränkespiel nur eben ein wenig mehr und ein wenig besser durchsieht als ein Max Müller oder eine Christel Schulze von nebenan.

Da ist zum Beispiel die so genannte Unterschicht, die einst - so weiß es zumindest Pispers - von zwei Ethnologen aus der Friedrich-Ebert-Stiftung entdeckt worden sei. Dass die Migranten dazu gezählt werden, ist für Pispers zwangsläufig. Dazu aber sollte man wissen, dass heute bereits 20 Prozent aller legal in Deutschland lebenden Menschen Migranten sind. Und die müssen natürlich beobachtet, respektive mit Argusaugen überwacht werden. "Da bleibt keine Zeit mehr für die richtigen Verbrecher", weiß Pispers. Deshalb fallen auch "Steuerhinterziehungsberater", die sich die reichen Deutschen leisten, durchaus in die Kategorie der ehrbaren Berufe. Und werden daher selbst von der Kanzlerin akzeptiert.

Volker Pispers hat natürlich den Merkel-Besuch beim US-Präsidenten inmitten der Finanzkrise sehr verinnerlicht. Vor allem ihr diplomatisches Kauderwelsch, das schon in der Anrede "Lieber Barack!" zutage trat und eine Steigerung in der wunderbaren Feststellung "Auch wenn wir beide anders aussehen als unsere Vorgänger..." erlebte. Dann redete sie davon, dass man einen intensiven, vertrauensvollen Gedankenaustausch führen wolle. "Was wäre denn die Alternative dazu?" fragt Pispers ohne Hintergedanken. Merkels Statement gipfelt in der Feststellung "Die Richtung ist alternativlos!" Pispers ergänzt den Satz für sein Publikum durch die Frage: "Ja, wozu dann eigentlich noch Demokratie?"

Aber auch der Deutsche schlechthin bekommt bei Pispers gehörig sein Fett weg. So geißelt er allzu tiefe Verbeugungen vor dem Finanzkapitalismus, dessen Götter nach dem Willen der Politik und der Wirtschaft "Wachstum und Produktivität" heißen. Natürlich wegen der kräftig sprudelnden Zinsen. Pispers erinnert daran, dass einst - wie in muslimischen Ländern Usus - auch im Christentum ein Zinsverbot galt. "Dann aber kamen die Katholiken..."

"Sie müssen's nicht begreifen. Sie müssen's nur glauben", ist einer der wichtigsten Sätze in Pispers' Programm von Volker Pispers. Und der Glaube des Deutschen ist unerschütterlich. Nur Elend schaut sich der Deutsche nicht gern an. Höchstens bei 40 Grad im Schatten, also fliegt er Deutsche schon mal hin, wie nach Griechenland. Auch wenn dort die Krise wütet und immer neue Milliarden verschlingt.W. Zimmermann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2011

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