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Polen entstauben Dresdner Kraszewski-Museum

Polen entstauben Dresdner Kraszewski-Museum

Das totgesagte Museum über den Literaten Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887) in Dresden hat sich neu erfunden - mit polnischer Hilfe. Das Kulturministerium des Nachbarlandes finanzierte eine neue Dauerausstellung zu Leben und Wirken des Schriftstellers, der von 1863 bis 1885 im Dresdner Exil war.

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Blick in die neue Dauerausstellung über den polnischen Schriftsteller Jozef Ignacy Kraszewski (1812-1887).

Quelle: Arno Burgi dpalsn

Das Land Sachsen und die Stadt sorgten für Licht, Farbe, Ton und Gestühl im Saal. Zur Eröffnung am Freitag (18. Januar) reisen die höchsten Repräsentanten der Kultur Deutschlands und Polens an: Staatsminister Bernd Neumann und der Minister für Kultur und Nationalerbe, Bogdan Zdrojewski.

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Der Direktor der Museen der Stadt Dresden und Leiter der Städtischen Galerie Dresden, Gisbert Porstmann, aufgenommen im Kraszewski-Museum.

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Deutschlands einziges binationales Museum sei ein Ort kultureller Begegnung mit Polen, sagt seine Leiterin Joanna Magacz. Die 43-Jährige, die seit 1994 in Dresden lebt, setzt auf die Jugend und freut sich besonders über das moderne polnische Ausstellungsdesign. „Drei Lkw fuhren hier vor, aus Warschau und Krakau.“ Sie brachten Podeste, Verkleidungen und Paneele. 30 Polen entstaubten das Museum - in drei Tagen. Rot-weiß gestrichene Wände, Flachbildschirme und inszenierte Einzelexponate katapultierten die Wohnung des 19. Jahrhunderts quasi über Nacht in die Gegenwart - für 75 000 Euro.

Das Kraszewski-Museum wurde 1960 im einstigen Wohnhaus des Literaten, einem Gebäude im Schweizer Landhausstil, eingerichtet. Ende 2011 aber musste es rund 160 Exponate - Möbel, Gemälde, Bücher - an das Adam-Mickiewicz-Literaturmuseum in Warschau zurückgeben. Hintergrund ist ein Gesetz von 2001, wonach Kulturgüter, die älter als 50 Jahre sind, nur maximal fünf Jahre als Leihgaben im Ausland bleiben dürfen. Nur eine Pistole, ein Säbel und ein kleiner Tisch aus Dresdner Bestand blieben. Ende Mai kündigte die Stadt die Schließung des Museums an.

In der Kulturverwaltung blieben Briefe mit Alternativvorschlägen aus Polen unbeantwortet. Manche freuten sich gar auf den Gewinn aus einem Verkauf des idyllischen Anwesens im quirligen Szeneviertel Neustadt für das Stadtsäckel, erzählt der Direktor der Museen der Stadt, Gisbert Porstmann. „Die kulturpolitische Dimension wurde nicht erkannt.“ Erst Medienberichte lösten das nötige Umdenken im Rathaus aus, die Angelegenheit wurde zur Chefsache. Als Polen eine neue Dauerausstellung anbot, wurde eine seit Monaten in der Schulade harrendes Papier mit den Ideen der Nachbarn zur Neukonzeption.

Kraszewski hatte sich als Student der Unabhängigkeitsbewegung in Polen angeschlossen. Als 1863 der Januaraufstand gegen die russische Fremdherrschaft scheiterte, kam er nach Dresden und blieb 21 Jahre. Mit sechs Sachsen-Romanen schuf er ein farbenprächtiges Zeitgemälde Kursachsens und Polens im 18. Jahrhundert. Insgesamt hinterließ er etwa 240 Romane und Erzählungen. Von seinem Aufenthalt im Exil zeugen noch sein Schreibtisch, ein Ring, ein Altersporträt und Münzen. Über das Wirken des in Polen verfolgten Oppositionellen geben politische Schriften Auskunft.

Museumsleiterin Magacz plant Sonderausstellungen zum sächsisch- polnischen Verhältnis von der Union im 18. Jahrhundert über die DDR- Zeit bis zu aktuellen Diskrepanzen. Pro Jahr stehen dafür 35 000 Euro zur Verfügung. Zudem soll es Konzerte, Begegnungen mit Literaten und Künstlern sowie Debatten geben. Besucher könnten über Kraszewski diskutieren, aber auch aktuelle Themen wie Emigration und Integration streifen, sagt Porstmann. Das Museum solle als „kleines wichtiges Haus für das Dreiländereck“ den Blick auf die Nachbarn schärfen - „damit man bei Polen nicht weiter zuerst an geklaute Autos denkt.“

Simona Block, dpa

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