Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 1 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Poesie des Alltags - Arbeiten von André Tempel in der Städtischen Galerie

Poesie des Alltags - Arbeiten von André Tempel in der Städtischen Galerie

Manche Dinge sind so hässlich, dass man sich weigern möchte, sie zu kaufen. Grüne Grabvasen zum Beispiel. Blumen können darin nicht schön aussehen. Selbst nicht auf dem Friedhof.

Voriger Artikel
Kornspeicher in der Elisabeth-Boer-Straße 7 sollte wirtschaftliche Unabhängigkeit der Albertstadt sichern
Nächster Artikel
Prager Pavel Haas Quartett spiete auf Schloss Albrechtsberg

Blick in die Ausstellung von André Tempel.

Quelle: Städtische Galerie Dresden, Franz Zadnicek

Die aufblasbaren Therapiebälle allerdings, die André Tempel mit diesen hässlichen Grabvasen vollsteckt und mit Kabelbinder festhält, sind von irritierender Schönheit. Diese drei galaktischen Landekapseln, die bis hoch in die Decke ragen: Gleich steigen Außerirdische aus, gleich greifen sie nach uns. Genauso dieses "Paar" von 2012. Es ist nur ein Stock aus Beton, fest verschnürt, eingepackt in eine graue Matratze. Auf den langen geformten Klumpen aber stecken zwei Köpfe. Eine schaurige, surreale Skulptur.

Und dennoch sieht man nur das, was man sehen will: Diese Köpfe sind grell leuchtende Arbeitshandschuhe. Der Dresdner Bildhauer spielt mit unseren Wahrnehmungen und erzeugt so wundersame und aberwitzige Situationen. André Tempel verheimlicht jedoch nichts. Er verwendet industriell gefertigte Massenprodukte, schichtet, türmt und verbindet sie, reduziert die einzelnen Bestandteile auf ihre serielle Form und verwandelt sie so - durch leichte Deformierungen - in neue Gebilde. So bestechen selbst hässliche Plastikvasen durch ihre minimalistische Klarheit und orangefarbene Gummihandschuhe durch ihr ironisches Zitat.

André Tempel, geboren 1970 in Schwedt an der Oder, hat in Dresden an der Hochschule für Bildende Kunst studiert, auch als Meisterschüler bei Eberhard Bosslet. Der Tüftler und Bastler kommentiert und verfremdet mit seinen plastischen Interventionen die Architektur des Projektraumes Neue Galerie. Er reagiert mit großer Fabulierlust auf Wände, Deckenhöhe und Fußbodenbeschaffenheit und schafft so eine eigene - teils technoide, teils amorphe - Poesie des Alltags. Dieses dichterische Erzählen zeichnet auch seine figurativen Zeichnungen in Schwarz-Rot aus. Das Mädchen mit den gestrichelten Haaren, der alte Mann mit der Waffel Eis, der Nerd mit der riesengroßen Brille oder die vielen Fratzengesichter, manchmal ist es nur eine Zunge, sind es nur die Handschuhe, die Kniestrümpfe, die die Aufmerksamkeit auf das Din A4 Blatt lenken. Immer aber sind es bizarre, surreale, ironische und überspannte Geschichten. Festzuhalten bleibt: Diese Erzählfreude ist eine große Stärke von André Tempel, ob als Bildhauer, ob als Zeichner.

Ausstellung André Tempel - Milch und Muttern, bis 3. Juni Projektraum Neue Galerie der Städtischen Galerie Dresden

Di-So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr, Mo geschlossen.

www.galerie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2012

Adina Rieckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr