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Podiumsdiskussion zum Jubiläum der St.-Marien-Kirche in Dresden-Cotta

Kirche Podiumsdiskussion zum Jubiläum der St.-Marien-Kirche in Dresden-Cotta

Die katholische St.-Marien-Kirche in Dresden-Cotta wird 110 Jahre alt. Geweiht wurde sie 1906 am Sonntag nach Mariä Geburt. Der fällt in diesem Jahr auf den 11. September. Doch bereits jetzt zieht sich das Jubiläum durch verschiedene Veranstaltungen. Am 17. April, 10.30 Uhr, eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Jung und Alt gemeinsam im Gespräch“.

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Sylwester Wydra ist Pater der Steyler Missionare, stammt aus Polen und leitet seit 2014 die katholische Pfarreien in Dresden-Cotta und in Löbtau.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Am Nachmittag, an sonnigen Tagen zumal, beginnt sie zu leuchten, ganz vorn im Altarraum, blutrot, dunkel violett - die „geheimnisvolle Rose“.

So lautet eine symbolische Bezeichnung der Maria, der Mutter Jesu, in der „Lauretanischen Litanei“, wie sie aus dem 16. Jahrhundert im italienischen Wallfahrtsort Loreto übermittelt ist. Es ist eine inbrünstige Anrufung voller Poesie. In der katholischen Kirche, die, von Kleingärten gesäumt, auf einer Anhöhe in Dresden-Cotta steht und der Gottesmutter gewidmet ist, sieht sich der Betrachter diesen Anrufungen als Litanei der Bilder gegenüber. Sie wirken besonders stark, weil die dreischiffige neoromanische Kirche mit ihren Rundbögen und mächtigen Pfeilern sich in ihrer Schmucklosigkeit zurückhaltend gibt.

Da fällt das Licht auf der rechten Seite durch Buntglasfenster, die Maria zum Beispiel als „Geistliches Gefäß“, „starker Turm Davids“ oder „goldenes Haus“ preisen. Das dominierende Gelb in den Scheiben lässt die Sonnenstrahlen noch wärmer erscheinen. Das nachmittägliche Leuchten ist dem Umstand zu verdanken, dass die Kirche, entgegen traditioneller Bauregeln, mit der Apsis, dem Altarraum, statt nach Osten nach Südwesten ausgerichtet ist.

Links, auf der Südostseite also, symbolisieren die Fenster vorwiegend in Blautönen Maria als „Bundeslade Gottes“, „Pforte des Himmels“ oder „Morgenstern“.

Geschaffen hat diese Buntglasfenster Gottfried Zawadzki, Kamenzer Künstler, am 6. März mit 93 Jahren gestorben; zwischen 1970 und 1972, als die Kirche, den neuen Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils folgend, umgestaltet wurde.

Seither steht der Altar als grau-weißer Granitblock einige Meter auf die versammelte Gemeinde zu gerückt vorn in der Apsis; aus demselben Material links das Tabernakel, rechts der Taufstein.

Als Sylwester Wydra die Lampen einschaltet, zeichnet sich das Kreuz rechts als Schatten auf die helle Rückwand des Altarraums. Es ist eine einfache Konstruktion aus schmalen vierkantigen Metallstäben, ohne Christusfigur; lediglich die Wundmale sind durch braune flache Steine symbolisiert. Jetzt in der Osterzeit hängt ein weißes Tuch darüber, Zeichen der Auferstehungsfreude. „Dieser Innenraum wirkt bescheiden“, räumt Pater Wydra ein. „Aber wenn Gottesdienst ist, fängt dies Kirche an zu leben.“

Sylwester Wydra, rundes Gesicht, spitze Nase, ist seit 2014 Pfarradministrator hier, zuständig auch für Löbtau. Der 39-jährige Pole ist aufgewachsen im oberschlesischen Bielice, einem Dorf nahe Nysa (Neiße). Dort lernte er die Steyler Missionare kennen, einen 1875 gegründeten Orden. 1997 ist er ihnen beigetreten. Deutsch hat er während des Studiums in Sankt Augustin bei Bonn gelernt, wo er 2006 auch zum Priester geweiht wurde.

Seit 1991 stellen die Steyler Missionare in Absprache mit dem Bistum Dresden-Meißen in Cotta die Pfarrer - und sorgen für Internationalität.

Wydras Vorgänger, Pater Paskalis Teli Lolan, kam aus Indonesien; Ritchille Salinas von den Philippinen verlässt die Pfarrei, für ihn kommt ein Pater aus der Slowakei. Frater Alex Omondi Owino, Praktikant, stammt aus Kenia.

Pater Wydra selbst bringt Erfahrungen aus fünf Jahren in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa mit. Dort hat er zusätzlich Französisch und die Landessprache Lingála gelernt. „Interkulturelle Begegnungen mit Anderen sind für mich etwas Normales“, sagt er. „In meinen Augen ist der Andere zuerst Mensch, deshalb gehe ich auf ihn zu, auch wenn es zunächst Kommunikationsschwierigkeiten geben sollte.“ Im Kongo sei er der Fremde gewesen. „Mundele“, also „Weißer“, riefen sie ihm dort immer hinterher.

Pater Wydra tritt nach vorn, deutet auf den Grundstein, eingemauert rechts unten im Bogen des Altarraums. Der gibt Kunde über ein erstaunliches Bautempo: Nur ein Jahr brauchten die Handwerker, um die Kirche zu errichten. Geweiht wurde sie am 9. September 1906. Das war der Sonntag nach Mariä Geburt. Der fällt in diesem Jahr auf den 11. September. Da ist ein Festgottesdienst geplant.

Doch bereits jetzt zieht sich das Jubiläum des 110-jährigen Bestehens der Kirche als Thema durch verschiedene Veranstaltungen. So ist beispielsweise für 17. April, 10.30 Uhr, eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Jung und Alt gemeinsam im Gespräch“ geplant.

Als Minderheit unter den Christen in Dresden seien Katholiken zu festen Gemeinschaften zusammengewachsen, erzählt Pater Wydra. Rund 1200 Mitglieder gehören der Cottaer Pfarrei an. Selbstverständlich seien auch die ökumenischen Beziehungen zu Lutheranern und Freikirchen in der Nachbarschaft. Derzeit läuft die Bibelwoche. Die gestalten sie seit Jahren gemeinsam, recht unkompliziert. Nicht zuletzt, weil manche Katholiken aus der Gemeinde mit evangelischen Partnern verheiratet sind.

Von Tomas Gärtner

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