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Plein Air und Ausstellung in der Batzdorfer Schlosskapelle

Auf Spurensuche Plein Air und Ausstellung in der Batzdorfer Schlosskapelle

Vom 4. bis 8. Mai fand im Schloss Batzdorf bei Meißen ein plain air mit fünf sächsichen Künstler/innen statt, dessen Ergebnisse nun in der dortigen kleinen Schlosskappelle zu sehen sind. Kuratorin, Organisatorin und Mitbeteiligte war die „Hausherrin“ des Schlosses Bettina Zimmermann, die besonders durch ihre Novalis Kunst-Projekte bekannt geworden ist.

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André Uhlig: „Schlossportal“, Mischtechnik auf Papier, 2016.

Quelle: Repro: Heinz Weißflog

Batzdorf. Vom 4. bis 8. Mai fand im Schloss Batzdorf bei Meißen ein plain air mit fünf sächsichen Künstler/innen statt, dessen Ergebnisse nun in der dortigen kleinen Schlosskappelle zu sehen sind. Kuratorin, Organisatorin und Mitbeteiligte war die „Hausherrin“ des Schlosses Bettina Zimmermann, die besonders durch ihre Novalis Kunst-Projekte bekannt geworden ist. Besagter Dichter, geht die Kunde, soll hier bei einem Zwischenstop zwischen den Schlössern Siebeneichen und Scharfenberg auch in Batzdorf gewesen sein, um an seinen Texten zu arbeiten. In den Arbeiten, welche die Künstler/innen schufen, spiegelt sich oft ein romantischer Geist (der Dichter scheint in manchem von in ihnen anwesend) und dessen Sage von der Blauen Blume. Der Blick über die Mauer des Schlosshofes geht auf das bizarre Firmament mit seinen dramatischen Himmeln und seiner Weite ins Offene. Rilkes Inspirationsort Duino fällt einem ein, dort schrieb der Dichter wesentliche Passagen seiner „Elegien“. Weniger elegisch war die Stimmung zur Vernissage in milder Frühlingsluft, umgeben von den duftenden, gelb blühenden Rapsfeldern. Eingebunden in eine Weinverkostung und einer Schlossführungs sowie Liedern mit Gitarrebegleitung von Andreas Zöllner stellten die Künstler/innen ihre Arbeiten vor.

Die Aura des Ortes

Im Jahr 1987 zogen Bettina Zimmermann und ihre beiden Kinder aus Berlin an den historischen Ort und begannen mit den ersten Sicherungsarbeiten. Dass die Bausubstanz grundlegend restauriert werden konnte, verdankt das Schloss der Wende und dem 1990 gegründeten Verein. Das Schloss ist seitdem weit über Sachsen hinaus bekannt als exzellenter Ort für neue und alte Musik mit rennomierten Künstlern, außergewöhnlichen Konzerten und Aufführungen.

Das Innere des Schlosses

Auf „Spurensuche“ waren die Radebeuler Maler Pit Müller, André Uhlig, Sylvia Ibach und die Tharandter Malerin Michele Cyranka, sowie Bettina Zimmermann aus Batzdorf. Die fünf spannenden Tage begannen mit schlechtem Wetter und Regen, sodass die Künstler/innen mit dem Inneren des Schlosses vorlieb nehmen mussten. Das taten sie ausgiebig, wie der Radebeuler Maler Pit Müller, der sich intensiv in Zeichnungen und Malereien mit dem Schlossinterieur, den Wendeltreppen und Tonnengewölben sowie der verwinkelten Schlossanlage auseinandergesetzt hat. Manches ist ungewohnt gegenständlich, abnders als üblich. Nur wenige Arbeiten knüpfen an seine altbewährte Methode der abstrakten Reduktion an.

Obstbaumwiesen

Den Obstbaumwiesen hinter dem Haus hatte sich André Uhlig zugewendet. Zahlreiche Bleistiftzeichnungen zeigen Baum und Strauch rund um das Schloss, darunter die 400 Jahre alte Linde in der Mitte des äußeren Hofes. In einem großformatigen Aquarell ist das hölzerne Schloss-Portal zu sehen, andere Aquarelle nehmen den Garten in den Blick in seiner charakteristischen Auffassung mit schwarzen Tuschen und Ockerfarben. Besonders reizte ihn der Zusammenhang von Innen und Außen, Ein-und Zugängen Bauwerk und Vegetation, das Geheimnis der Schloss-Aura, Raum und Fantasie, offene Weite.

Silvia Ibach (erst seit einigen Jahren in Sachsen) ist durch ihre Früchte-und Blumenstillleben bekannt geworden, wie ihre feinen filigranen Pflanzenstengel oder Zweige von blühenden Bäumen. Das plötzlich aufbrechende Licht und der heftig einsetztende Frühling haben sie dieses Jahr besonders berührt. Ihre Aquarelle atmen die Mystik des Lichts, manchmal streng, manchmal eher spielerisch. Sie erzählen immer vom spirituellen Leben des Pflanzlichen. Vor vielem Gelb und Grün agieren die dunklen Astarme der Bäume, ineinander verschlungen oder als Solitäre, beseelt und romantisch durchdrungen, nach innen gerichtet.

Die Blaue Blume

Michele Cyranka erweist sich als romantische Träumerin mit südlichem Temperament. Gefühl und Natur, ineinander verwoben, ergeben die schönsten Erfindungen zusammen mit dem real erlebten Garten hinter dem Schloss, wie der Magnolienbaum, mit dessen Blättern sie die Leinwand und das Papier bedruckte. Sie hat dort ihren magischen Ort gefunden, mit der steinernen Bank und den aufgerichteten Blöcken, wo sie still saß und an die Blaue Blume von Novalis dachte. Natur ist in ihren Bildern nicht nur abgebildet, sondern umgeschaffen zu etwas Neuem, Eigenem, in dem sich ihre Seelenschwingungen manifestieren.

Auch Bettina Zimmermann hat sich von der ihr täglich gegenwärtigen Natur inspirieren lassen. In zarten, fast kindhaft-bewegten Aquarellen spürt sie den Bewegungen im Freien nach, Bäume und Büsche beginnen zaghaft zu blühen und sich zu regen wie seltsame Figuren. Die Nähe zur Musik ist nachfühlbar. Auch der spontane Gestus der Hand, die das Dinghaft-Gegenständliche behutsam umgeht und zu einem eigenen Rhythmus findet. Der Ort ist allgegenwärtig, auch seine Geschichte, Novalis, die Blaue Blume, die im Herzen einer Frauenfigur ruht. Naturromantik und eigene Bildsprache verschmelzen zu eigenwillig-modernen, mythisch aufgeladenen Kompositionen.

Von Heinz Weißflog

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