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Piotr Beczala vor dem Silvesterkonzert in Dresden: Die leichte Muse ist ein schweres Fach

Piotr Beczala vor dem Silvesterkonzert in Dresden: Die leichte Muse ist ein schweres Fach

Startenor Piotr Beczala wünscht sich eine Renaissance für die Operette. „Ich hoffe sehr, dass sich junge Sänger für dieses Repertoire begeistern. Und es wäre auch zu hoffen, dass die Medien dieser Sparte mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagte der 45 Jahre alte Künstler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

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Startenor Piotr Beczala

Quelle: dpa

Wenn noch mehr renommierte Opernsänger dieses Fach ernst nehmen und sich ihm widmen würden, gebe es wohl auch eine größere Öffentlichkeit für die Operette. Beczala erinnerte an Richard Tauber, der für den Komponisten Franz Lehár zum Lieblingstenor wurde.

In diesem Jahr hat Beczala Tauber selbst eine Platte gewidmet. Eine Tatsache steht für Beczala allerdings fest: „Die leichte Muse ist ein schweres Fach.“ Werke von Komponisten wie Lehár und Emmerich Kálmán seien nicht nur anspruchsvolle Musik, sondern würden den Sängern auch darstellerisch viel abverlangen: „Man muss bei der Operette immer etwas flinker sein. Es gehört zur schauspielerischen Kunst, sich auf der Bühne bewegen zu können, zu tanzen und auch die Dialoge auszufüllen. Die Latte liegt höher“, sagte der Pole, der seit kurzem auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt.

In Deutschland ist er das nächste Mal zum Jahreswechsel zu erleben - beim ZDF- Silvesterkonzert der Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann. Thielemann ist für Beczala nicht nur ein ausgezeichneter Kenner des Operetten-Repertoires. „Man spürt, dass er diese Musik ernst nimmt und sie mag. Das ist für ihn keine Pflichtübung“, betonte der Tenor, der im lyrischen Fach derzeit zu den besten Sängern der Welt zählt. Unter dem Titel „Prosit Kálmán“ stehen in diesem Jahr bei der Live-Übertragung zu Silvester aus der Semperoper Höhepunkte aus Kálmán-Operetten auf dem Programm. „Thielemann und die Staatskapelle Dresden bürgen für höchste Qualität. Wenn ein solches Orchester mit einer solchen Ernsthaftigkeit Lehar spielt, ist das etwas Besonderes. Das ist eine unglaubliche Perfektion.“

Warum es bei der sogenannten Leichten Muse Nachholbedarf gibt, erklärt sich Beczala mit den Spezialisierungen in der Musikszene. Bis in die 1980er Jahre sei Operette auch von renommierten Opernsängern gepflegt worden. „Ausbleibende Konkurrenz hat das Niveau sinken lassen. Das ist ja nicht nur in der Musik der Fall. Dementsprechend wurden auch die Ergebnisse immer magerer. Es ist wie bei jeder Musik. Man kann sie singen oder großartig singen. Das gilt für Puccini genauso wie für Verdi oder andere Komponisten.“

Beczala vergleicht es mit dem Theaterspiel. „Tragödie zu spielen ist vergleichsweise einfach, Komödie zu spielen dagegen unheimlich schwer.“ Bezcala versteht sich aber nicht nur als Grenzgänger zwischen den musikalischen Welten. Kulturpolitisch liegt ihm die Verbindung zwischen Polen und Deutschland besonders am Herzen. Das Verhältnis beider Länder sei oft schwierig gewesen: „Aber jetzt leben wir in einem gemeinsamen Haus Europa. Das hat uns unheimliche Möglichkeiten eröffnet. Europa muss zusammenhalten, Nachbarschaft ist etwas Schönes. Der kulturelle Austausch ist der beste Weg, um dauerhaft Freunde zu bleiben.“

dpa

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