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"Pinocchio" feiert Premiere am Dresdner Theater Junge Generation

"Pinocchio" feiert Premiere am Dresdner Theater Junge Generation

"Das Leben ist nicht nur zum Lachen." Diese Worte gibt Gepetto seinem gerade fertig geschnitzten Marionetten-Sohn mit auf den Weg ins Leben. Und das streichelt einem selten über den Kopf, sondern fletscht allzu oft die Zähne.

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Christoph Werner hat die deutsche Erstaufführung von Pommerats "Pinocchio" inszeniert.

Quelle: Puppentheater Halle

Ab acht Jahren ist "Pinocchio", das heute Abend am Theater Junge Generation (tjg) Deutschlandpremiere feiert, empfohlen, und es bleibt abzuwarten, inwiefern es geeignet ist, die kleinen Zuschauer noch bis in ihre Träume zu verfolgen.

Eines jedenfalls sollte man nicht erwarten: ein leichtfüßiges Märchen, das Luftschlösser baut. Schon die Originalgeschichte Carlo Collodis aus dem Jahr 1883 bot bei allem pädagogischem Moment alles andere als harmlose Kinderunterhaltung. Bevor der kleine Pinocchio ans Ziel seiner Träume - nämlich vom hölzernen Hampelmann zu einem echten Jungen zu werden - gelangt, muss er einiges über das Leben lernen, das alles andere als ein Wunschkonzert ist. Am Ende steht die Quintessenz: Mit Naivität und ohne Wissen darüber, wie rücksichtslos, aber auch gut der Mensch sein kann, kommt man unter Umständen in Teufels Küche.

Der Dessauer Regisseur Christoph Werner hat das Werk in seiner Adaption von Joel Pommerats "Pinocchio" nun in eine Szenerie gehüllt, deren Düsternis die ohnehin bisweilen verstörende Grundstimmung des Märchens bewusst unterstreicht. "Die Inszenierung von Joel Pommerat ist schon sehr harter Stoff", bestätigt der Regisseur, der seit 2010 am tjg inszeniert und hauptamtlich Intendant am Puppentheater in Halle ist. Dass er die starken Bilder schätzt, die der Franzose insbesondere von gesellschaftlichen Problemlagen zeichnet, daraus macht Werner kein Geheimnis.

In der französischen Heimat feiern die Stücke, die der 49-Jährige ausschließlich nach eigenen Texten mit seiner vor 22 Jahren gegründeten Compagnie Louis Brouillard inszeniert, einen Erfolg nach dem anderen. Kühne Stimmen feierten ihn gar als "Retter des französischen Theaters", weiß Werner, der den Franzosen selbst als "sehr besonders" adelt. Nach einem ersten Treffen mit Pommerat 2010 in Frankreich erarbeitete Christoph Werner die deutsche Fassung zu Pommerats Erfolgsstück "Ma Chambre froide" ("Meine Kältekammer"); 2011 war die Premiere in Halle. "Ich habe Pommerats Inszenierung von 'Pinocchio' in Frankreich gesehen und dachte: Dieses Stück muss ich nach Dresden bringen", so Werner über den Weg des kleinen Holzjungen ans tjg. "Mir gefielen seine ausgesprochen erwachsene Sprache - er redet die Kinder mit 'Sie' an - und die zeitgemäße Aufmachung des Stücks."

Entstanden ist in Dresden trotz der klaren textlichen Handschrift des französischen Autors ein ganz eigenes, eben ein Werner-Stück, das den überwiegend sehr jungen Zuschauern nicht einfach nur gefallen, sondern zum Nachdenken über das Leben im Allgemeinen und ihr eigenes im Speziellen anregen soll. "Wir versuchen gar nicht erst, lustig zu sein", insistiert der Regisseur. "Wir wollen dem jungen Publikum die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens mit all seinen Konfliktlagen wie etwa die Unterschiede zwischen Arm und Reich oder den Egoismus der Menschen ausdrücklich zumuten."

Kurzum: Das Stück will zeigen, wie es um die Menschheit bestellt ist, und hier vor allem um deren Schattenseiten. Das spiegelt sich auch im Bühnenbild wieder. Große Kulissen und klassische Requisiten wird man vermissen, die mag er nicht, wie Werner sagt. Um die seelische Unversehrtheit seiner jungen Zuschauer macht sich der 47-Jährige derweil keine Sorgen: "Die Kinder werden das wegstecken, die sind viel Heftigeres gewohnt." Sorgen machten ihm eher die Lehrer, setzt er schmunzelnd hinzu. Die Premiere heute Abend, 18 Uhr, ist übrigens ausverkauft. Nach der Sommerpause wird das Stück allerdings regulär den Spielbetrieb bereichern. Jane Jannke

Nächster Termin: 20.7., 10 Uhr. 12, ermäßigt 6 Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.07.2012

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