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Philharmonie-Chefdirigent befürchtet schleichenden Verfall des Ensembles

Philharmonie-Chefdirigent befürchtet schleichenden Verfall des Ensembles

Dirigent Michael Sanderling sieht die Philharmonie bei langfristigem Verlust der angestammten Spielstätte Kulturpalast in ihrer Existenz bedroht. Es würde zum Fiasko führen, das Orchester länger als drei Jahre auf Ausweichbühnen auftreten zu lassen.

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Michael Sanderling

Hintergrund sind offene Fragen zum geplanten Umbau des Kulturpalastes. Das Projekt wird mit drei Jahren Bauzeit und mehr als 80 Millionen Euro Kosten veranschlagt. Davon fehlen aber etwa 35 Millionen Euro, weil zunächst eingeplante EU-Gelder nicht fließen. Die Stadt will nun Stiftungsgelder anzapfen. Am 4. April soll der Stadtrat entscheiden.

Sanderling zufolge braucht das Publikum schnell Antwort auf die Frage, wo das Orchester in der kommenden Saison auftritt. Der 45-Jährige warnte davor, seine Musiker mit Gehaltsverzicht an der Finanzierung des neuen Saales zu beteiligen. "Damit wäre ein schleichender Verfall programmiert. Die Philharmonie ist eines der Spitzenorchester in Deutschland. Es wird auch deshalb gut bezahlt, weil dort gute Musiker spielen und um weiterhin gute Musiker zu bekommen."

Gedankenspiele anderer Art würden in einer verhängnisvollen Spirale münden, an deren Ende die Frage stehen könne, ob Dresden überhaupt eine Philharmonie brauche. "Das wäre ein fatales Signal an die Musikwelt", sagte Sanderling. In Dresden gehe es nicht um einen "lokalen Spielbetrieb". Er hob damit auf die Bedeutung der Stadt in der europäischen Musikgeschichte ab. Zusammen mit der Staatskapelle Dresden existieren hier zwei Top-Orchester, die weltweit präsent sind. Sanderling zufolge gehen seine Musiker mit der Situation bisher professionell um. Aber: "Ein Orchester ist ein fragiles Gebilde. Hier sitzen nicht 100 Maschinen, sondern 100 Seelen."

Sanderling hatte die Philharmonie erst im Sommer 2011 übernommen. "Mir war von Beginn an klar, dass sich mit der Übernahme der Chefposition eine große und außergewöhnliche Verantwortung während der Umbauzeit ergibt. Aber: Ich kann nur Verantwortung übernehmen für etwas, was ich auch kalkulieren kann." Das sei keine Rücktrittsdrohung, aber eine deutliche Ansage: "Es ist ein klares Signal, dass das Schicksal der Philharmonie und meines als Chef nun mehr als je zuvor in der Hand des Dresdner Stadtrates liegt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.03.2012

dpa

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