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Peter Vollmer und Gernot Voltz in der Herkuleskeule: Uli Hoeneß als Dynamo-Chef

Peter Vollmer und Gernot Voltz in der Herkuleskeule: Uli Hoeneß als Dynamo-Chef

Von Peter Vollmer weiß man mittler- weile, was man bekommt, wenn man ihn bucht. Gut pointiertes und zeitge- mäßes politisches Kabarett nämlich. Dazu noch allerhand kabarettistische Songs, zu denen er sich selbst auf der Gitarre begleitet.

Beides beinhaltete auch Vollmers Gastspiel in der Dresdner Herkuleskeule. Diesmal aber war Vollmer nicht als Solist gekommen. Nein, er hatte sich mit Herrn Heuser (Gernot Voltz) einen waschechten Finanzbeamten an die Seite geholt. Wobei "waschecht" nicht ganz richtig ist, denn Gernot Voltz kleidet seine Bühnenfigur (Herr Heuser vom Finanzamt) gehörig gegen den Strich. Will sagen, würde dieser Herr Heuser bei mir zu Hause klingeln, dann müsste er sich schon große Mühe geben, um überhaupt eingelassen zu werden. Angetan mit einer etwas knappen Windjacke, einem längst aus der Mode gekommenen Hut, dazu ein grünkariertes Hemd, Hosenträger und ein knallbunter Schlips: das pure Gegenteil also von einem stets korrekt gekleideten Finanzbeamten. Doch wir sind ja im politischen Kabarett und dort darf man das, ohne gleich eine Vorladung wegen Beamtenbeleidigung zu bekommen. Gernot Voltz sorgte als Herr Heuser übrigens schon oft für Aufmerksamkeit. Neuerdings mit seiner Forderung, das "-deutsche Steuersystem endlich als Weltkulturerbe anzuerkennen".

Voltz - Herr Heuser - erweist sich trotz seines ziemlich skurrilen Erscheinungsbildes als spitzfindiger und korrekt um die Ecke denkender deutscher Beamter. Der hin und wieder aber auch für einen kleinen Spaß zu haben ist. So wenn er über den Steuerfall Hoeneß referiert und dabei den Vergleich zieht, dass "Hoeneß mit seiner Steuerschuld eigentlich ganz Griechenland hätte retten können".Oder wenn er sich eine bessere Strafe für Hoeneß ausdenkt: "Der müsste solange als Präsident von Dynamo Dresden arbeiten, bis die Mannschaft die Champions League gewonnen hat."

Auch an den unzähligen Bahnstreiks arbeitet er sich ab, nennt dabei 2014 das "Jahr der Entschleunigung" und sieht den Schlager "Es steht ein Zug im Nirgendwo" als künftige Hymne für die Deutsche Bahn.

Vollmer und Voltz sind in ihren Texten brandaktuell. Das zeigt sich in ihren Seitenhieben gegen die AfD, die sie als "Anlaufstelle für Deppen" bewerten. Natürlich ist es von der AfD bis zum Thema Pegida nur ein Katzensprung. Der aber gar bis zu den Wurzeln der Proteste reicht, die ausgerechnet am Abend des Gastspiels draußen auf den Dresdner Straßen einem neuen Höhepunkt zusteuern.

Natürlich werden Putin, Merkel, Lucke oder eben auch Marie Le Pen im Programm thematisiert. Diese enorme thematische Bandbreite wirkt mitunter aber auch reichlich verwirrend. Dann gibt es noch eine Rückbesinnung an die traute Weihnachtszeit, was aber zugleich erklärt, dass das Programm doch nicht mehr ganz so aktuell ist. Obwohl die entsprechenden Texte durchaus Langzeitwirkung haben. So wie die Kritik daran, dass das Weihnachtsgeschäft des Handels bald schon vor den Sommerferien beginnen werde. Eine glänzende Parodie auf Heino und dessen krudes Liedgut bildet schließlich den Abgesang des Programms der beiden Kabarettisten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2015

Wolfgang Zimmermann

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