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Peter Schreier lädt zur VII. Schumanniade ein und dirigiert eine Bearbeitung von Bachs Johannespassion

Peter Schreier lädt zur VII. Schumanniade ein und dirigiert eine Bearbeitung von Bachs Johannespassion

In Kreischa und Reinhardtsgrimma findet vom 29. Juni bis 1. Juli die VII. Schumanniade statt. Das kleine Festival, vom Kunst- und Kulturverein "Robert Schumann" Kreischa e.

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Der Tenor und Dirigent Peter Schreier in seinem Haus in Dresden.

Quelle: Matthias Hiekel, dpa

V. und dessen Ehrenvorsitzenden Kammersänger Peter Schreier 1999 gegründet, widmet sich in drei Konzerten dem Schaffen Robert Schumanns. Wieder erklingen Werke, die der Komponist während seines Aufenthaltes in Kreischa im Jahr 1849 schuf. Interessant dürfte aber auch die Begegnung mit Schumanns Lesart der Bachschen Johannespassion sein. Peter Schreier wird das Werk dirigieren - Sybille Graf unterhielt sich vorab mit ihm.

Frage: Herr Prof. Schreier, der Juni neigt sich dem Ende zu - und Sie dirigieren bei der Schumanniade eine Passion...

Peter Schreier: Ja, ich widme mich erstmals Robert Schumanns Bearbeitung von Bachs Johannespassion. Ich finde es sehr spannend, den Hörern von heute einmal zu demonstrieren, wie Schumann sein Publikum für diese damals ja weitgehend unbekannte Musik begeistern wollte. Solche Bearbeitungen waren seinerzeit üblich, heute haben wir da ja andere Ansichten.

Auf welche Unterschiede zum Original muss sich denn das Publikum einstellen?

Es werden zum Beispiel einige Arien fehlen. Hinzugefügt hat Schumann Klarinettenpartien, im Vivace-Teil der Alt-Arie "Es ist vollbracht" sogar zwei Trompeten, die obligate Viola da gamba in dieser Arie hat er durch eine Viola ersetzt. Der Effekt der Trompeten passt inhaltlich durchaus, aber zu Bachs Zeit waren Trompeten in der Passionszeit natürlich undenkbar. Und ich muss nun zwei Trompeter für zehn Takte engagieren (lacht).

Finden sich Aufzeichnungen über die Gründe für die Änderungen Schumanns?

Im Robert-Schumann-Haus in Zwickau liegen die originale Partitur und das Textbuch seiner Düsseldorfer Aufführung 1851. Die habe ich mir angesehen - manche Eintragungen sind kaum noch zu erkennen. Fest steht, dass etwa die Sopran-Arie "Zerfließe, mein Herze" wegfiel, weil keine Oboe da caccia vorhanden war. Fehlende Instrumente waren auch der Grund für diverse Uminstrumentierungen, wie etwa im Arioso "Betrachte, meine Seel'", in dem statt der Laute Bratsche und Klarinette zum Einsatz kommen. Für manch andere Änderung wissen wir die Gründe nicht so genau.

Neben dieser besonderen Johannespassion bietet die Schumanniade in bewährter Weise die kleine Form...

Dass wir seit einiger Zeit mit je einem Konzert in der Kreischaer Kirche zu Gast sein können, bietet eine schöne Gelegenheit, auch größer besetzte Projekte wie die Passion zu machen. Ansonsten bleiben Lied und Kammermusik im Fokus, wie es dem 150 Plätze fassenden Saal im Schloss Reinhardtsgrimma angemessen ist. In diesem Jahr lassen wir erstmals den sängerischen Nachwuchs zu Wort kommen. Die Liedklasse von Prof. Olaf Bär an der Dresdner Musikhochschule ist zu Gast, auf dem Programm stehen Lieder, Duette und Quartette, die nicht gerade zum gängigen Sänger-Repertoire zählen, aber z.B. eine Beziehung zu Kreischa haben. Und Brahms' Liebesliederwalzer - das kann man ruhig mal verantworten, einen Brahms zu singen. In der Matinee am Sonntag dann spielen Camillo Radicke und Christoph Berner Schumanns Klaviermusik zu vier Händen, die wir noch nie hier auf dem Programm hatten. Auch davon ist einiges in Kreischa entstanden oder nimmt auf hier Gesehenes Bezug, z.B. "Am Springbrunnen".

Es ist erstaunlich, dass Sie auch für die siebente Schumanniade neues Repertoire hervorzaubern, dass einen Bezug zu Kreischa und seiner Umgebung hat...

Und da gibt es noch viel mehr. Schumann war hier unglaublich produktiv. Manches erfordert natürlich einen großen Aufwand, etwa die groß besetzten Männerchöre.

Es gibt also genug Stoff für weitere Schumanniaden?

Auf jeden Fall, wir mischen die Sachen mit hiesigem Bezug ja auch immer mit anderen aus Schumanns Œuvre. Zur nächsten Schumanniade in zwei Jahren kommt Andras Schiff wieder, da gibt es dann wieder viel Kammermusik. Und vielleicht führen wir Schumanns "Missa sacra" op. 147 auf.

An Publikumszuspruch mangelt es Ihnen jedenfalls nicht?

Nein, der Zulauf war immer gut. Es werden ja an vielen Orten historische Stätten wieder mit Leben gefüllt - da ist so ein Wochenende wie die Schumanniade natürlich sehr geeignet. Wer will, kann vor oder nach den Konzerten die Wege laufen, die Schumann ging, das ist doch wunderbar. Es wird nur immer schwieriger, Sponsoren zu finden. Für dieses Jahr sind wir dank einiger treuer Geldgeber aber finanziell abgesichert. Im Grunde wird ja in Dresden und Umgebung noch viel zu wenig für Schumann getan. Matthias Jung mit seinem Sächsischen Vocalensemble ist in letzter Zeit unheimlich aktiv geworden, aber insgesamt könnte es mehr sein.

Was macht Schumann in Ihren Augen wert, dass man sich häufiger seiner erinnert?

Schumann ist natürlich nicht so vordergründig attraktiv wie ein Richard Wagner. Seine Musik verlangt eine sehr differenzierte Hörweise. Wenn man sich darauf einlässt, zieht sie uns in eine andere, sehr empfindsame Welt hinein, in eine Welt der leisen Töne, die Schumann einfach meisterhaft beherrschte.

Jüngst waren Sie Juror beim Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau. Wie war Ihr Eindruck vom Sängernachwuchs?

In diesem Jahr waren die Herren sehr gut. Der Sieger, der Schweizer Tenor Mauro Peter, hat eine wunderbare "Dichterliebe" gesungen. Sehr angetan war ich auch vom zweitplatzierten Sebastian Wartig, der ein ehemaliger Kruzianer ist. Eine tolle Stimme, so ein bisschen in Richtung René Pape. In der Gestaltung hatte er noch Reserven, aber er ist ja noch so jung, erst 22. Beim Wettbewerb ist mir jedenfalls der Gedanke gekommen, dass man in vier Jahren - wenn der nächste Ausscheid stattfindet - vielleicht die Preisträger zur Schumanniade einladen könnte.

Um über den Liedgesang zu sprechen, kommt in diesem Jahr auch der Rundfunk zur Schumanniade...

Ja, vor dem ersten Konzert gibt es auf Anregung von MDR-Figaro-Redakteurin Bettina Volksdorf eine Gesprächsrunde zu Fragen der Liedinterpretation mit Olaf Bär, dem Pianisten Alexander Schmalcz, Dirk Mürbe - Professor für Phoniatrie und einer der Initiatoren des Vereins "Das Lied in Dresden" - und mir. Publikum ist herzlich willkommen. Das Gespräch wird zusammen mit Ausschnitten aus dem Konzert der Studenten später auf MDR Figaro gesendet (am 7. Juli, 22 Uhr als Figaro Spezial, d.A.). Ich finde das eine wunderbare Idee, obwohl ich kein großer Freund von viel Gerede bin. Etliche Menschen meinen ja, mit dem Liedgesang gehe es zu Ende. Ich finde: Es war schon immer eine Sache für ein kleines Publikum, nicht für ein Riesen-Auditorium konzipiert, sondern für den kleinen Raum. Es ist halt ein Genre, zu dem man wohl erst in späteren Lebensjahren Zugang findet.

29. Juni, Schloss Reinhardtsgrimma, 18 Uhr: Gesprächsrunde "Das Lied ist eine intime Form"; 20 Uhr: Liederabend der Liedklasse Prof. Bär

30. Juni, Kirche Kreischa, 20 Uhr: Bach "Johannespassion" in der Bearbeitung Schumanns - Solisten, Thüringischer Akademischer Singkreis, Dresdner Kapellsolisten, Dirigent: Peter Schreier

1. Juli, Schloss Reinhardtsgrimma, 11 Uhr: Klaviermusik zu vier Händen mit Camillo Radicke und Christoph Berner

Kartenbestellung: schriftlich an Elke Schmitz, Meußlitzer Straße 58, 01259 Dresden; per E-Mail: schumanniade@kvkreischa.de; per Fax: 0351/2 00 68 63 oder online unter www.schumanniade.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.06.2012

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