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Peter Heppner gab ein stimmiges Konzert in der Dresdner Reithalle

Peter Heppner gab ein stimmiges Konzert in der Dresdner Reithalle

Ein steinernes Herz, das pocht. Darüber steht "My Heart of Stone". Das ist verdammt kitschig - und es ist der Anfang des Konzerts von Peter Heppner.

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"Ich bin der Peter. Ich singe hier." Peter Heppner in der Reithalle.

Ein rotes Herz erscheint. In der Reithalle haben sich eine beachtliche Menge an Menschen - man muss ehrlicherweise sagen: nicht mehr die jüngsten - eingefunden, um den ehrlicherweise nicht mehr so jungen Peter Heppner, manchen bekannter als eine Hälfte von Wolfsheim, live zu sehen. Er hat sein im März 2012 erschienenes Solo-Album "My Heart of Stone" im Gepäck, ebenso wie eine dreiköpfige Liveband, die E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und einen heutzutage anscheinend unvermeidlichen Apple-Laptop bedient. Heppner selbst braucht nur ein Mikrofon, sein Stimmorgan und ein Buch, aus dem er offensichtlich seine Texte, oder besser: seine Geschichten abliest.

Zwischen den Songs kommuniziert Heppner außer dem obilgatorischen "Hallo Dresden" und "Dankeschön" nicht mit dem Publikum. Wieso sollte er auch? Seine Songs übernehmen das für ihn. Sie sprechen mit den Zuhörern. Man sieht, dass das Publikum Heppners Texte geradezu aufsaugt: ein eher ruhiges, aufnehmendes Publikum. Doch das passt zur Musik. Ein Moshpit würde hier wohl überraschen. Zumal die Stimmung der Songs selten positiv ist. Die laut Stern "traurigste Stimme Deutschlands" trägt Zeilen vor wie "Die Welt ist bunt und schön, bis du irgendwann begreifst, dass nicht jeder Abschied heißt, es gibt auch ein Wiedersehen." Wenn Heppner singt, meint man, seine Gefühle direkt nachempfinden zu können. Überhaupt ist die Stimme der Dreh- und Angelpunkt dieses Konzerts, die Musik nur Beiwerk. Das lässt auch der Sound in der Reithalle klar erkennen: Heppners Stimme ist gefühlt doppelt so laut wie die Band. Die Musiker spielen höchst professionell, ein wenig zu routiniert. Aber lauter könnten sie trotzdem sein.

Die Setlist ist ungewöhnlich, spielt Heppner doch zwei seiner Hits, "Alleinesein" und "Kein Zurück", gleich in den ersten Minuten. Man hat danach das Gefühl, er habe einen Großteil seines Pulvers verschossen. Denn was Heppners Segen ist, ist auch sein Fluch: Seine Stimme ist so charakteristisch, dass sie auf Dauer eintönig wirken kann; insbesondere, weil die Musik hier kaum Abwechslung bietet. Die Highlights des Konzerts bleiben dann auch die Hits, wie "The Sparrows and the Nightingales" und "Meine Welt". In letzerem ergibt sich eine Szene, die im Kopf bleibt: Rote Lichtstrahlen scheinen ins Publikum und umhüllen Heppner, der im Dunklen steht und mehr spricht als singt: "Träumen darf man ja wohl noch."

Während ein gutes Drittel des Publikums nach einer ersten Zugabe schon am Gehen ist, will der Rest einfach nicht aufhören zu jubeln, und wird nicht müde, weiter "Zugabe" zu rufen. So betreten Heppner und Band ein weiteres Mal die Bühne. Der Sänger hat wieder sein Geschichtenbuch dabei und klappt es auf. Und siehe da: Plötzlich kommt auch ganz normale Sprache in einer ganz normalen Stimme aus Heppners Mund. "Es war eine gute Idee, unsere Tour hier zu beginnen. Und wenn ich schon mal rede, kann ich ja mal die Band vorstellen", scherzt er, um sich dann schlussendlich auch selbst vorzustellen. "Ich bin der Peter. Ich singe hier." In den Applaus hinein beginnt der ganz große Hit zu ertönen: "Die Flut". Dieses Stück nahm er 1998 mit Joachim Witt auf, der vor allem für seinen Neue-Deutsche-Welle-Smasher "Goldener Reiter" bekannt ist.

Die Flut schaffte es auf Platz 2 der Deutschen Charts, bedeutete den Durchbruch für Heppner. Ohne dieses Stück wäre Heppner nicht hier, und viele der Zuschauer wohl auch nicht. Danach schließt Heppner sein Geschichtenbuch. Falk Ulshöfer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2012

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