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Paul Berberich bespielt verschiedene Dresdner Formationen mit Saxofon und Flöte

Paul Berberich bespielt verschiedene Dresdner Formationen mit Saxofon und Flöte

Keine Angst, der will nur spielen. Dieser Mann, das ist Paul Berberich, inzwischen ein höchst vitales Mitglied der jüngeren Dresdner Jazz-Szene.

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Der will nur spielen: Saxofonist Paul Berberich belebt nicht nur die Dresdner Neustadt.

Quelle: Martin Krätzsche

Keine Angst, der will nur spielen. Was noch lange kein Grund zur Beruhigung ist, jedenfalls nicht bei diesem Mann, denn wenn der zu spielen anhebt, ist das hochgradig ansteckend!

Dieser Mann, das ist Paul Berberich, inzwischen ein höchst vitales Mitglied der jüngeren Dresdner Jazz-Szene. Er spielt Saxofon, aber wie! Ist als Solist unterwegs, bläst in wechselnden Formationen, komponiert, arrangiert und müht sich obendrein rührend um die PR im Vorfeld von Gigs und Konzerten.

Man könnte ihn für ein Dresdner Urgestein halten, so oft kreuzen sich die Bahnen hiesigen Jazzpublikums mit dieser ebenso aktiven wie kreativen Person. Geboren ist Berberich aber 1985 im brandenburgischen Lauchhammer. Der Sohn einer Arztfamilie wuchs mit regelmäßiger Hausmusik auf. Die Alternative, in der Medizin Fuß zu fassen, war keine: "Zu Hause wurde so viel von dieser Arbeit erzählt, dass es für mich nicht mehr schmackhaft war."

Paul bekam als Vierjähriger eine Blockflöte geschenkt. Aus heutiger Sicht der Beginn einer Karriere. Rückblickend besteht er darauf, dass die Flöte kein Kinderinstrument sei und ihm die Tür zur Musik geöffnet habe. Angefangen hat das ganz familiär, bald folgten erste Erfahrungen im Flötenquartett und mit kleinem Orchester. Der weitere Weg scheint ziemlich geradlinig verlaufen zu sein. Kreuzschule: "Prägende Erlebnisse dank des eifrigen Musikprogramms", Konservatorium: "Liebevolle Kreativität, künstlerisch und pädagogisch beste Versorgung durch Lehrer wie Kerstin Flath und Torsten Hellmig", nicht zuletzt die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, wo Berberich unter anderen von Marko Lackner, Finn Wiesner und Thomas Zoller unterrichtet worden ist.

Möglicherweise hätte aus dem flötenden Knaben auch ein klassischer Musiker werden können, doch er besinnt sich auf frühe Anregungen zum Jazz: "Peter Gabriel hat die Weichen gestellt, ein früher Eintrag in mein Gehörbuch. Seitdem höre ich bevorzugt Saxofon, sei es bei den Zöllnern, sei es bei Gerhard Schöne." Mit zwölf wechselte er dann selbst zu diesem Jazzinstrument und fühlte sich am Landesjugendkonservatorium "gut betreut mit Bands, Improvisationskursen und dem Jugend-Jazz-Wettbewerb."

Schon als Jugendlicher war Paul Berberich "im Kreislauf drin" und fühlte sich dem Vorwurf ausgesetzt, "zu früh zu viel zu machen" - was sollte man dann aber erst zu seinen vielen Aktivitäten heute sagen?! Berberich empfand es stets als Privileg, das zu tun, was er liebt. Diese Chance sollte allen Menschen gegeben werden, verlangt er und beklagt, dass finanzielle Kürzungen immer zuerst die Kultur treffen: "Der größte Fehler der Politik!"

Allerdings wurde sein sich abzeichnendes Musiker-Dasein auch im engeren Bekanntenkreis beizeiten unter finanziellen Aspekten beargwöhnt. Das fegt er vom Tisch: "Brot bekomme ich überall mit meiner Musik, Jazz ist eine globale Sprache." Wie Recht er damit haben sollte, erfuhr er 2005 während eines einjährigen Stipendiums in New York. Eigentlich sollte er dort Geisteswissenschaften studieren, empfand das Niveau auf diesem Gebiet aber als sehr enttäuschend. Die Musikszene hingegen: "Un-fass-bar!"

Die Ironie der Geschichte wollte es, dass nach seiner Rückkehr ins Elbtal eine junge Frau am selben New Yorker College zu studieren begann, die später von einem gemeinsamen Freund zu einem Besuch nach Dresden mitgebracht wurde. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bald in Liebe umschlug. Christine Seraphin ist inzwischen längst vom Big Apple an die Elbe gewechselt, vor kurzem bezog sie mit Paul Berberich eine neue Wohnung in der Neustadt. Diese Vitalität lieben sie beide, man hört es in den Auftritten, die sie in der Band SoulSom absolvieren. Darin besingt die anmutige Schwarze in meist eigenen Songs ihre Erfahrungen an Liebeslust und Liebesleid. Zunehmend spielen auch Erlebnisse eine Rolle, die Christine und Paul als "interkulturelles Paar" in Dresden machen.

Paul Berberich, der sich momentan mit seiner Diplomarbeit zum Thema "Rassismus im Jazz" befasst, ist mal solistisch, mal im Saxofon-Quartett namens Albis unterwegs. Mit der Lena-Sundermeyer-Band wurde gerade eine neue CD eingespielt, vom Trio "Zur schönen Aussicht" kommt eine Free-Jazz-Scheibe im Februar. Mit seinem [CON'trust] - jazz orchestra dresden geht er nächsten Sommer ins Hochschulstudio.

Umtriebig ist also kein Ausdruck für diesen spielfreudigen Mann. Der hat dennoch ganz klare Kategorien für seine Musik: "Jazz ist, was ehrlich erzählt wird und Sinn macht, statt nur etwas nachzuplappern!" Das macht seine Spiel- freude verständlich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.12.2011

Aldo Lindhorst

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