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Paul Armfield gastiert in Dresdner Dreikönigskirche

Paul Armfield gastiert in Dresdner Dreikönigskirche

Lange kannte jedes Kind in Großbritannien Alfred Tennysons patriotisches Gedicht "The Charge of the Light Brigade", wo "ins Todesthal, / In voller Zahl, / Reiten die Sechshundert.

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Die sphärisch dichten Balladen des Briten Paul Armfield (Mitte) von Isle Of Wight sind in der Regel von zerbrechlicher wie bezwingender Schönheit.

Quelle: Dietrich Flechtner

" 1854 veröffentlicht, begeisterte die Hymne zum Gedenken an den verlustreichen Angriff der leichten britischen Kavalleriebrigade auf eine russische Artilleriestellung im Krimkrieg während der Schlacht von Balaklawa eine breite Öffentlichkeit. Aber Tennyson (1809-1892), der von Königin Victoria zum Poet Laureate ernannt wurde und zeitweilig einer der Dichter merry old Englands war, war weitaus mehr als nur ein hurraseliger Versedrechsler. Deshalb kommt keiner, der sich mit den viktorianischen Kunstbewegungen des 19. Jahrhunderts, wie der Ästhetischen Bewegung, der Arts and Craft-Bewegung, die später im Jugendstil endete, und der präraffaelitischen Bruderschaft beschäftigt, um ihn herum.

Aber überrascht ist man schon, dass selbst ein Singer-Songwriter wie Paul Armfield ein ganzes Album aufgenommen hat, dessen Lieder samt und sonders auf Texten Tennysons basieren. Zwei davon spielte der Brite auch bei seinen Gastspiel in der Dreikönigskirche im Rahmen der Reihe "Musik zwischen den Welten" - und wie all die anderen Lieder waren sie von einem ganz eigenen Reiz. Das Gros der Lieder Armfields, auch die des neuen Albums "Up Here", lässt sich im weitesten Sinne in die Nische zwischen traditionellem britischem und zeitgenössischem Folk ansiedeln. Auch sie bezeugen, dass Armfield einen diskreten, zerbrechlichen Ton entwickelt hat, zu dem auch der geradezu skrupulöse Umgang mit großen Worten passt. Geradezu sphärisch plätschern die Töne durchs Kirchenschiff. Bei einem Song zieht das Tempo sogar mal kurz an. Auch nicht schlecht. Aber dann ertappt man sich dabei, realisieren zu müssen, dass Armfields bezaubernde Wirkung nicht zuletzt aus der tragischen Illusion zu bestehen scheint, man habe für die tollen Momente im Leben unendlich viel Zeit.

Aufs erste Hören hin scheinen die verträumten Folk-Noir-Chansons ja simpel wie (bitter-)süß zu sein, aber dann offenbaren sie samt und sonders eine Arrangement-Tiefe, die dermaßen nuancenreich ist, dass man einfach nur noch hingerissen lauschen will. Bittersüß und charmant erzählt Armfield aus seinem Leben, singt mit sonorer Stimme und warmem Timbre von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens, allen voran der Liebe, ob nun der jungen oder in die Jahre gekommenen.

Die vier Begleitmusiker trugen das Ihre zum runden Abend bei. Eigentlich ist es unfair, einen besonders hervorzuheben, aber welcher Vielzahl an Instrumenten Dave Godby Töne zu entlocken vermag, ist schon stupend. Bei (fast) jedem Song griff er zu einem anderen Instrument: Gitarre, Pedel-Steel-Gitarre, Banjo, Oud, ja sogar Hackbrett.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2013

Christian Ruf

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