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Pas de deux bei Méga-Show à trois: Die Comödie Dresden startet in die neue Spielzeit

Pas de deux bei Méga-Show à trois: Die Comödie Dresden startet in die neue Spielzeit

Die "Dieser Weg, wird kein leichter sein", säuselt es durch den Raum. Und in der Tat: Leicht ist der Weg wirklich nicht, den die drei von der Schuhverkaufsstelle zu gehen haben (mal abgesehen davon, dass sie demnächst zum Arbeitsamt müssen, hat das traditionsreiche Geschäft "Schuh Bauer" doch Konkurs angemeldet).

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Björn Helget, Christina Papst, Maren Gilzer und Ursula Schucht (v.l.)

Quelle: Robert Jentzsch

Denn weil wenigstens der letzte Monatslohn noch gesichert werden soll, üben sich die drei Verkäuferinnen Dora, Hanna und Daniela in der Kunst des Pax de deux, machen auf Ballettelevin, schwitzen wie Sau beim Üben des sterbenden Schwans.

Eigentlich gibt es bei Bauer ja noch eine vierte Verkäuferin, eine mit Namen Jutta und einem "unüberwindlichen Ekel vor der Arbeit", aber die wird im ganzen Stück "Schwanensee in Stützstrümpfen", mit dem die Comödie Dresden die neue Saison eröffnet, nicht auftauchen. Und warum auch? Schon eine Verkäuferin ist eindeutig unterbeschäftigt, ist im Laden doch nie was los. Zu viel Konkurrenz. Schon die Altmarkt-Galerie - dem Stück wurde etwas Lokalkolorit verpasst - hat doch gefühlt 20 Schuhgeschäfte. Und Zalando hat "Schuh Bauer" den Rest gegeben, wobei die drei Verkäuferinnen so inkonsequent sind, ihre Kleider glatt selber online zu ordern, wie sich in einer Szene herausstellt.

Die von Jan-Ferdinand Haas verfasste und Regisseur Matthias Nagatis in Szene gesetzte Komödie mit Ballett lebt nicht zuletzt davon, dass hier Frauen, deren "erotische Nutzfläche" unfreiwillig brach liegt, Zoten reißen, die man nur in Altherren-Runden vermutet. Und auch an schon mal mehr, mal weniger überstrapazierten Sprüchen wie "Frauen haben keine Macken. Die haben nur Männer. Was wir haben, sind Special Effekts" herrscht kein Mangel. Immerhin wird das gut ausgespielt, vor allem Ursula Schucht als Dora und Maren Gilzer als Hanna wissen, wie man Pointen setzt.

Die Idee zu der Ballettaufführung stammt von Doras Sohn Tim, der gerade mit seiner Ballettcompany in der Stadt gastiert. Wenn die Damen Angst haben, sich lächerlich zu machen, redet er ihnen gut zu. Er weiß: "Voyeurismus und Schadenfreude funktioniert immer", die Leute würden schon kommen zu diesem Event, zu dem nur der Zutritt hat, der per Kassenbon belegen kann, dass er Schuhe gekauft hat. Björn Helget spielt diesen Tim. Und da er, der an der Palucca Hochschule für Tanz eine Ausbildung absolvierte, einschlägige Berufs- und Bühnenerfahrung mitbringt, sind die Sprünge, die er auf der Bühne präsentiert, nicht von schlechten Eltern. Hier und da zeigt Helget ein bisschen zu viel an Exaltation. Es ist unnötig, bei einer Ansprache auf den Kassentisch zu steigen. Und auch Christina Papst als junge alleinerziehende Daniela legt in den ersten Szenen mitunter ein Maß an hysterischer Erregtheit an den Tag, das einfach des Guten zu viel ist.

Aber keine Bange, Papst hat auch nicht zu knapp Szenen, in denen sie verdammt gut aufspielt, und das sind nicht nur die, in denen die in Usbekistan geborene und erst im Alter von 18 Jahren nach Deutschland gekommene Schauspielerin in russischer Sprache flucht wie ein Fuhrkutscher.

Und noch ein Mann spielt mit: Ernst Dollwetzel ist Hubert, der Besitzer von Schuh Bauer. Er ist nicht der böse Erzkapitalist, sondern eher ein armes Würstchen, der sogar dann selbst ins Tutu schlüpft. An sich sollte es laut Tim ja keine Transvestiten-Show werden, aber darauf kommt es dann auch nicht mehr an. Wenn schon schräg, denn richtig, das gilt auch für Tippeln und Hoppeln auf Spitzenschuhen. Entsetzen packt einem als Zuschauer eher, wenn ihm in einer Szene von Schucht alias Dora eine Torte ins Gesicht geklatscht wird! Da wähnt man sich echt im falschen Film, in einer Klamotte aus dem Pleistozän der Unterhaltungsindustrie. Aber alles in allem beschert einem diese Komödie mit Balletteinlagen trotz einiger Ungereimtheiten in der Handlung letztlich doch zwei recht kurzweilige Stunden.

Nächste Vorstellungen: 22. bis 24. und 28. bis 31. August, Comödie Dresden. Karten unter: Tel. 0351/86 64 10

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.08.2014

Christian Ruf

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