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Paradies auf Erden - Fantastische Sicht auf einzigartige Welten

Ausstellung in Dresden Paradies auf Erden - Fantastische Sicht auf einzigartige Welten

„Die Kunstgeschichte muss an dieser Stelle neu geschrieben werden“, sagt die Oberkonservatorin für niederländische Malerei der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Uta Neidhardt. Sie meint das frisch restaurierte Bild „Landschaft mit dem Urteil des Midas“ von Gillis van Conixloo.

Die Kuratorinnen Konstanze Krüger (l) und Uta Neidhardt

Quelle: dpa

Dresden. „Die Kunstgeschichte muss an dieser Stelle neu geschrieben werden“, sagt die Oberkonservatorin für niederländische Malerei der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Uta Neidhardt. Sie steht vor dem frisch restaurierten Bild „Landschaft mit dem Urteil des Midas“ von Gillis van Conixloo und zeigt auf die Jahreszahl. „100 Jahre lang wurde 1588 gelesen“, berichtet sie. Nach Reinigung und Firnisabnahme steht da aber 1598. „Das Bild wurde in allen Publikationen immer als das früheste bedeutendste Werk angesehen“, erklärt Neidhardt. Mit der Neudatierung gebe es nun keines mehr aus den ersten 30 Jahren seines Schaffens.

Es ist eine der Überraschungen bei der Erforschung der flämischen Landschaftsmalerei in der Dresdner Galerie, in die die Restauratoren ab 1. Oktober mit einer Ausstellung Einblick geben. „Das Paradies auf Erden“ zeigt den reichen Bestand an diesen Werken in großer Fülle - von Brueghel bis Rubens. „Viele davon waren seit Jahrzehnten nicht zu sehen und sind Neuentdeckungen“, sagt Kuratorin Neidhardt. Im Schnitt können aus Platzmangel im Semperbau nur sechs der insgesamt 160 Werke im Bestand dauerhaft gezeigt werden.

Bis zum 15. Januar 2017 präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) nun 70 Gemälde aus ihrem Bestand im Lipsiusbau. Dazu kommen 50 grafische Blätter und Zeichnungen aus dem Kupferstich-Kabinett sowie 20 „hochkarätige“ Leihgaben unter anderem aus europäischen Museen. „Wir wollen den bisher ungehobenen Schatz der eigenen Sammlung präsentieren“, sagt Neidhardt. Für die Schau wurden elf Gemälde aufwendig restauriert, darunter Hauptwerke wie „Vor der Sintflut“ von Roelant Savery.

Wie gestrandet liegt die Arche Noah auf sonnenbeschienener Lichtung im Wald, umschwirrt von exotischen Vögeln. Ein Einhorn schreitet die Rampe hinauf, während Kamele, Dromedare, Pelikane, Löwen, Schwäne und sogar Hummer und Languste noch auf das Signal zum Einschiffen warten - im Unterholz, weichen Gras oder auf Felsen. „Es sind mindestens 103 bestimmbare Tierarten“, sagt Mitkuratorin Heike Kramer. Es ist eines der vielen Werke, die seit ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion 1958 nach dem Zweiten Weltkrieg verborgen waren.

Das Team um Neidhardt ist noch mittendrin in dem Forschungsprojekt zu den flämischen Bildern, an dessen Ende ein wissenschaftlicher Gesamtkatalog stehen soll. Dazu werden seit 2012 die insgesamt rund 400 Gemälde mit den neuesten technischen Methoden untersucht: nach Maltechnik, Entstehung und Provenienz. Der dreibändige Katalog soll 2019/2020 fertig werden. „Wir öffnen vorab ein Fenster für Publikum und zeigen, was wir machen.“

So machten die Spezialisten am „Midas“ eine weitere „sensationelle“ Entdeckung: die Signatur KM in der Harfe des Gottes der Künste Apoll. „Das Bild wurde von zwei berühmten Künstlern gemalt“, sagt Neidhardt. KM stehe für Karel van Mander, einen der berühmtesten holländischen Kunstbiografen und Figurenmaler. Und auf der Rückseite eines Kupfertafelbildes von Jan Brueghel d.J. fanden sie Gravuren. „Es war die Druckplatte für ein Achtel einer Wandkarte von Asien von Abraham Ortelius.“ In der Schau werden sie und das Bild zusammen gezeigt.

Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der Landschaftsmalerei in Flandern über wichtige Etappen nach: von Panorama-, Jahreszeiten-, Wald-, Dorf- und Flusslandschaften über genrehafte Landschaften und Seestücke bis zu Unterwelt- und Fantasielandschaften. „Die frühesten Zeugnisse sind Zeichnungen noch aus dem Umkreis von Hieronymus Bosch“, sagt Neidhardt. Dazu gehören Gebetbücher und Andachtsbilder mit Landschaften im Hintergrund oder Karten, ehe die ersten frühesten autonomen Gemälde folgen, in denen sie als Gattung vorkommt.

„Wir decken 200 Jahre, beginnend um 1500, bis zur Generation nach Peter Paul Rubens im späten 17. Jahrhundert, ab“, sagt Neidhardt. Dabei füllen die Leihgaben die Dresdner Lücken in der Frühzeit. „Ab 1600 haben wir eine unglaubliche Fülle.“ So ist ein ganzer Saal mit Brueghels bestückt. Flämische Landschaftsmalerei ist nichts für Eilige, die Details brauchen Zeit, sagt Krüger. „Man muss ganz genau hinschauen.“

dpa

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