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Paarweise - Ab Sonnabend sind Georg Baselitz' "Hintergrundgeschichten" im Dresdner Schloss zu sehen

Paarweise - Ab Sonnabend sind Georg Baselitz' "Hintergrundgeschichten" im Dresdner Schloss zu sehen

der zweite "Knaller" des Dresdner Kunstherbstes: Nach Gerhard Richters "Strips" in der vergangenen Woche eröffneten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gestern Abend Georg Baselitz' "Hintergrundgeschichten".

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Georg Baselitz durchschreitet die Ausstellung, das linke Bildpaar zeigt Rayskis "Wermsdorfer Wald" und Baselitz' Pendant "Von Wermsdorf nach Ekely".

Quelle: D. Flechtner

Da ist er nun. Beide Ausstellungen kann man als Statement des Hauses für die Fortsetzung der intensiven Zusammenarbeit betrachten. Speziell die Baselitz-Schau - zu sehen sind Bilder aus den vergangenen 15 Jahren - ist die Antwort auf ein Angebot, anlässlich seines diesjährigen 75. Geburtstages (am 23. Januar) "etwas zu machen". Dass die Ausstellung in den noch im Rohzustand befindlichen Paraderäumen des Schlosses stattfindet, von wo sich - die Fenster blieben auf Wunsch des Künstlers frei von jedem zusätzlichen Lichtschutz - ein direkter Blick hinüber zur Galerie Alte Meister eröffnet, ist ebenfalls ein Statement, ein sehr persönliches von Georg Baselitz. Erhält einerseits die in ihrer Weise ruppige Malerei den passenden Rahmen in den unfertigen Räumen, gibt der Blick hinüber zu den Alten Meistern andererseits den Dialograhmen vor.

Denn die "Hintergrundgeschichten" drehen sich um nichts weniger als "Dresdner Bilder" - aus der Gemäldegalerie Alte Meister, aber auch der Galerie Neue Meister und dem Kupferstich-Kabinett. Mancher wird sich möglicherweise zunächst verwundert die Augen reiben, wenn er auf die zwölf Bild-Paare trifft, von denen eins immer eine auf die Größe des jeweiligen Baselitz-Werkes abgestimmte Kopie aus den Sammlungen ist. Das aber hat seinen tiefen (Baselitz-)Sinn. Denn seit seiner Jugend haben den Künstler die Bilder der Galerie begleitet - auch als er sie nach seinem Weggang 1957 erst einmal nur in Büchern anschauen konnte, andere Kunsterlebnisse hinzukamen. Man sagt ja nicht umsonst: Der erste Eindruck ist der Beste, was wohl auch heißt, er setzt sich besonders fest. Bei Baselitz war dies der Besuch in der gerade wieder eröffneten Galerie Alte Meister mit den aus der Sowjetunion zurückgekehrten Gemälden (siehe auch DNN von gestern). Er selbst sagt dazu im Katalog der Ausstellung: "Diese Bilder wurden quasi das Fundament für mein ganzes Leben, mein 'Bilderleben'. Und alles, was ich später in anderen Museen sah, ob im Louvre oder in den Uffizien oder im Prado, sah ich im Vergleich zu den Dresdner Bildern, die sich mir tief eingeprägt hatten." So war es auch kein Wunder, dass sein erstes auf den Kopf gestelltes Motiv Rayskis "Wermsdorfer Wald" galt - zumal ihn eine Reproduktion davon seit Kindertagen schon begleitet hatte. Auch in der aktuellen Schau spielt dieser wieder eine Rolle - hier wird ihm "Von Wermsdorf nach Ekely (Remix)" (2006) gegenübergestellt.

Allerdings darf man sich dieses "Fundament" - und das gilt gerade auch für diese Ausstellung - nicht so vorstellen, dass Baselitz Gemälde adaptiert. Das ist wohl eher selten der Fall. Oft aber sieht er beim Malen Bezüge entstehen. In den Bildern scheint - zunächst unbewusst oder unbeachtet - etwas mitzuklingen von den Dresdner Kunstwerken. Unter diesem Gesichtspunkt hat der Künstler in Vorbereitung der Ausstellung in sein Lager geschaut und hat entsprechend ausgewählt, wobei manchmal auch etwas vom Grad möglicher Sympathie für einen Künstler sichtbar wird. Der Maler hat so Nachbarschaften gestiftet: etwa zwischen Lucas Cranachs "Adam" und "Eva" (beide 1531) und dem "Blick über Brüssel hinüber" (2003) oder Curt Querners Elternbildnis von 1947 - wobei Baselitz zugleich Dix' Doppelporträt der Eltern vor Augen hatte - und einem Bildnis seiner Eltern, ein Remix von 2005. Geht es manchmal um Konstellationsähnlichkeiten, beispielsweise zwischen Anton Raphael Mengs' Bildnis von Königin Maria Josepha (1750) und dem Porträt seiner Frau Elke (2007), sind es oft wohl eher malerische Aspekte, die ihn die Verbindung sehen lassen. So hat "Volkstanz (Remix)" (2009) als Partner Claude Monets "Pfirsichglas" (1866) erhalten. Noch deutlicher wird dies beim Nebeneinanderstellen von Raffaels Sixtinischer Madonna (1512/13) und Baselitz' "Statement" (wieder ein Statement!) von 1999. Dieses zeigt mehrere Hunde (der Künstler erinnerte zum Pressetermin an englische Hundeporträts), über die sich ein Vorhang wölbt, ähnlich dem auf Raffaels Bild.

Hinzugesetzt sei als eine "Hintergrundgeschichte", dass Baselitz gestern unter anderem die "Abnutzung" der "Sixtina" durch unzählige Abbildungen konstatierte, ja beklagte. Anders Rembrandt und dessen "Ganymed" (1635). So geheimnisvoll wie das Werk des Niederländers zeigt sich auch das von Georg Baselitz geschaffene "Rikschornfabstein", das jüngste der gezeigten Werke. Entstanden erst in diesem Jahr, liegt ihm wohl eines der Adler-Motive zugrunde. Das wenige Weiß zwischen all dem Dunkel macht das Werk sehr spannungsreich. So bietet jedes der gezeigten Bild-Paare Bezüge ganz eigener, Baselitzscher Art und macht die Schau durchaus zu einer "Dresdner Angelegenheit". Dass Baselitz, wie er gestern erläuterte, sich für diese Ausstellung mit auf das nach der Rückkehr der Gemälde in den 1950er Jahren als Buch erschienene Gespräch zwischen Louis Aragon und Jean Cocteau über die Dresdner Bilder stützte, verdient abschließend durchaus der Erwähnung.

Nicht unterschlagen werden soll schließlich die Nachricht: Die Staatlichen Kunstsammlungen erwerben das 2013 entstandene Selbstporträt "Mein well reum rich macht". Es gehört zu einer Serie von Selbstbildnissen, mit denen der Künstler Bezug auf die Malerei des von ihm verehrten Willem de Kooning nimmt, und die im kommenden Jahr in London zu sehen sein wird. Das heißt: Bis mindestens 2014 wird sich die Galerie Neue Meister noch gedulden müssen, das Werk zu zeigen.

ibis 2. Dezember, Residenzschloss, Paraderäume, geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr (außer Di), Katalog 29 Euro

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.09.2013

Lisa Werner-Art

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